Bodenvielfalt

Ein „Haus des Bodens” wurde bei der Firma Küng Bau in Thüringen eröffnet. Es gibt Einblick in die Schaffenskraft der Küng-Brüder, die in Sachen Estrich- und Bodengestaltung weit über die Landesgrenzen hinaus gefragte Spezialisten sind.

FOTOS: TM-HECHENBERGER, KÜNG BAU

Wenn der „Daniel Düsentrieb, der Bodengestalter” in seinem Labor herumfunktioniert, ist er in seinem Element. Mit Schutzbrille und im weißen Kittel, wie es sich für einen Baumeister gehört, spannt er ein Stück Estrich in die geeichte Prüfmaschine ein. Jetzt drückt ein Bolzen mit steigendem Druck auf das Werkstück ein, bis dieses zerbricht.

„Aha, schaut nicht schlecht aus”, kommentiert Ing. Markus Küng das Ergebnis der Belastungsprobe und kann sich dabei ein leises, triumphierendes Lächeln nicht verkneifen. Die vor vier Wochen erzeugte Mischung verschiedener Sand- und Kiessorten, zusammen mit einem geheimen Bindemittel-Spezialrezept, hat demnach gehalten, was sich der Laborant davon versprochen hat.

Das ist meistens so: Schließlich hat Ing. Markus Küng schon viele Jahre Erfahrung bei der Herstellung spezieller Estriche und Böden. Jede neue Kreation wird aber genau untersucht und getestet, bevor sie aufgebracht wird. Fehler will man sich – im eigenen und im Interesse der Kunden – nicht leisten.

Das hat sich in der Branche herumgesprochen: Kein anderes Unternehmen in Vorarlberg verarbeitet so viel Estrich wie Küng Bau. Wenn große Unternehmen für ihre Produktionsstätten einen Boden brauchen, der auch der Belastung von tonnenschweren Maschinen und entsprechenden Vibrationen standhält, dann wird der Bodenspezialist aus Thüringen gerufen.

Weit über zwei Millionen Quadratmeter waren das bisher, mehr als 300.000 Tonnen Sand wurden dafür verarbeitet: Küng Bau hat sich mit dieser Spezialisierung eine starke Position erschaffen, das Geschäft „brummt”, wie Jürgen Küng bestätigt, der das Geschäft seit 2003 gemeinsam mit seinem Bruder führt und seinen Fokus auf den betriebswirtschaftlichen Teil der Arbeit legt.

Existenzbedrohende Krise gemeistert

Die Zeiten waren allerdings nicht immer so gut. Um das Jahr 2010 steckte die Firma in einer existenzbedrohenden Krise. Die Ursache dafür war eine externe Buchhalterin, die über Jahre hinweg Scheinrechnungen gestellt und auf ihr eigenes Konto überwiesen hatte. Dabei war sie so „geschickt” vorgegangen, dass auch die im Zuge des Gerichtsverfahrens eingesetzten Spezialisten Tage brauchten, um das betrügerische System aufzudecken. Die  Buchhalterin kam letztlich mit einem Jahr Fußfessel-Freiheitsstrafe davon.

Der Schaden stellte für die Familie Küng – nicht nur finanziell – eine enorme Belastungsprobe dar. Durch den Zusammenhalt in der Familie und im Team, durch beinhartes Sparen und Arbeiten konnte man sich aber herauskämpfen.

Gegründet wurde Küng Bau im Juli 1988 von Bautechniker Helmut Küng. Man agierte als „Full-Service”-Hoch- und Tiefbaufirma. Als im Zuge des EU-Beitritts das Verputzergewerbe freigegeben wurde, entstanden zahlreiche neue Verputzerfirmen und lieferten den „angestammten” Betrieben einen verheerenden Preiskampf. „Da war kein Geld mehr zu verdienen”, erinnert sich Jürgen Küng. So beschloss die Geschäftsführung bzw. der Familienrat im Jahr 2006, sich aus diesem „Geschäft” zurückzuziehen.

Einen Fokus legte man schon früh auf das Estrichgeschäft, in das sich der Tüftler der Familie mit aller Macht hineinstürzte: Die Produkte einfach am Markt zu kaufen, sie an der Baustelle gemäß Bedienungsanleitung anzumischen und auszubringen – das war Markus Küng zu wenig. In unendlichen Testreihen und Versuchen ging er der Wirkungsweise der verschiedenen Materialien auf den Grund, lernte alles über die chemischen und physikalischen Voraussetzungen für den optimalen Estrich – der natürlich je nach Verwendungszweck in seiner Zusammensetzung und Verarbeitung variieren musste.

Die hohe Kompetenz der Experten aus Thüringen sprach sich rasch herum, und Küng Bau wurde bald zur ersten Estrich-Adresse in Vorarl­berg und über die Landesgrenzen hinaus. Und natürlich beschäftigte sich Markus Küng auch mit den Materialien, die auf „seinen” Estrichboden aufgetragen werden.

Im Jahr 2010 musste als Folge der Betrugsaffäre fast die Hälfte der Belegschaft gekündigt werden. „Das waren die schlimmsten Tage unserer Firmengeschichte”, sind sich Jürgen und Markus Küng einig. Man trennte sich nicht „nur” von Mitarbeitern, sondern von Freunden und bis dahin treuen Weggefährten.

Man konzentrierte sich in der Folge noch mehr auf das Thema Boden und konnte bald überzeugende Lösungen für extrem belastbare Industrieböden anbieten. Der Forscherdrang von Markus Küng fand 2016 mit einem Patent für „Cretofloor” seinen nächsten Höhepunkt. Es handelt sich dabei um einen mit einer eigens entwickelten Spezial­pumpe erzeugten „Betonschaum”, der als Höhenausgleich im Bodenbau, zur Verfüllung von Baugruben und als Dämmung unter Bodenplatten eingesetzt wird. Das Material ist quasi leicht wie Schaum, aber hart wie Beton.

Aktuell wird die Palette eigener Dekorböden erweitert. Küng Bau kann heute Böden in praktisch allen Farben und Mustern erzeugen. Sie werden vor Ort auf den fertigen Estrich aufgetragen und in der gewünschten Weise abgeschliffen: Je feiner die Körnung, desto glatter der Boden. Alle Küng Bau-Böden sind rein mineralisch aufgebaut und enthalten keine fraglichen Zusatzstoffe etwa auf Basis von Epoxid­harzen. Sie können deswegen fugenlos aufgetragen werden. Das hat gegenüber Steinfliesen nicht nur optische Vorzüge – sondern erleichtert auch die Reinigung.

Die mineralischen Bodenbeläge sind dabei schon in geringen Stärken ab zwei Millimetern extrem robust. Sie können außerdem vertikal aufgebracht werden: Auf Stiegen und auf Wänden. Passiert doch einmal ein Malheur, so können Schadstellen einfach ausgespachtelt und abgeschliffen werden.

Nach dem Originalrezept natürlich, das im „Haus des Bodens” bei Küng Bau aufbewahrt wird. Dort kann man eine Vielzahl der Rezepturen auch „in natura” anschauen. Jeder Raum dort ist mit anderen Boden- und Wandbelägen ausgestattet, außerdem kann ein ganzes Arsenal an Mustern begutachtet werden.

KÜNG Bau GmbH
Walgaustraße 1, 6714 Thüringen

Gründung: Küng Bau wurde im Jahr 1989 von Helmut Küng gegründet
Geschäftsführung Ing. Markus und Jürgen Küng leiten das Geschäft seit 2003 Fast 2,5 Millionen Quadratmeter Estrich wurden von Küng Bau schon aufgebracht
300.000 Tonnen Sand wurden dafür verarbeitet
30 Mitarbeiter sind aktuell bei Küng Bau beschäftigt

Weitere Infos unter www.kuengbau.com