Teamwork für den Traum

Der alte Nenzinger Fußballplatz liegt in bester Wohnlage mitten in der „Siedlung”. Mit einem vielbeachteten Projekt will die Marktgemeinde das ganze Potenzial dieser Fläche nutzen.
Der alte Nenzinger Fußballplatz liegt in bester Wohnlage mitten in der „Siedlung”. Mit einem vielbeachteten Projekt will die Marktgemeinde das ganze Potenzial dieser Fläche nutzen.

Sie gehören nicht zu den Großverdienern und haben auch keine Bauplätze geerbt. Eine Gruppe junger Nenzinger hält dennoch am Traum von den eigenen vier Wänden fest. Zusammenarbeit soll der Schlüssel zum Erfolg sein.

Gabriel und Denise Cristea mit Tochter Timea: Vorfreude auf die eigenen vier Wände
Gabriel und Denise Cristea mit Tochter Timea: Vorfreude auf die eigenen vier Wände.

Gabriel Cristea ist jung, gesund und spielt gerne Fußball. Leider nicht bei Real Madrid, sondern beim FC Nenzing – wo es nicht um Millionen, sondern um ein Taschengeld geht. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Stahlbautechniker – und obwohl diese Facharbeit gut bezahlt ist – ein typisches Vorarlberger Einfamilienhaus, das heutzutage – ohne Boden (!) – schon gut 500.000 Euro kostet, würde den jungen Familienvater bis an die Grenzen der Machbarkeit belasten.
Dennoch wollen Gabriel und Denise Christea nicht ewig in irgendeiner Wohnung Miete bezahlen. Sie wollen ihre eigenen vier Wände – und sind jetzt ganz knapp davor, sich diesen Traum zu verwirklichen: Mit (derzeit) fünf Gleichgesinnten und unter der Leitung der beiden Architektinnen Daniela Tomaselli-Jochum und Carmen Schrötter-Lenzi haben sie eine Baugruppe gegründet. Im kommenden Jahr soll mit dem gemeinschaftlichen Bau der Eigentumswohnungen begonnen werden. Und zwar auf dem alten Sportplatz des FC Nenzing, ganz in der Nähe des Walgaubades.

Einige Mitglieder der Baugruppe (mit den Architektinnen und Bürgermeister Kasseroler): Gemeinsam wollen sie qualitätsvoll und dennoch kostengünstig bauen. Noch können sich Interessierte für die Baugruppe melden.
Einige Mitglieder der Baugruppe (mit den Architektinnen und Bürgermeister Kasseroler): Gemeinsam wollen sie qualitätsvoll und dennoch kostengünstig bauen. Noch können sich Interessierte für die Baugruppe melden.

Der Platz ist insgesamt gut 15.000 Quadratmeter groß und steht „leer”, seit der FC bzw. die Marktgemeinde Nenzing im Juni 2015 an anderer Stelle den neuen Sportplatz feierlich eröffnen konnte. Um diese neue – drei Millionen Euro teure – Sportanlage finanzieren zu können, war der Verkauf des alten Platzes von vornherein einkalkuliert.

Nenzinger Projekt von internationalem Interesse

„Für uns war aber auch von Anfang an klar, dass wir den alten Fußballplatz nicht einfach an den Höchstbietenden verscherbeln”, präzisiert Bürgermeister Florian Kasseroler. Man hätte so zwar den Ertrag maximieren und sich wohl auch viel Arbeit ersparen können – wichtiger war den Gemeindeverantwortlichen aber, dass in diesem Wohngebiet eine qualitätsvolle Entwicklung stattfindet.
Dazu wurde vor vier Jahren ein Pilotprojekt gestartet, das von der Fachwelt weit über die Landesgrenzen hinaus mit großem Interesse verfolgt wird. Schon sehr früh – seit Anfang 2013 – wurden alle interessierten Anrainer des damals noch täglich genutzten Fußballplatzes eingeladen, ihre Ideen und Wünsche für die künftige Entwicklung des Platzes einzubringen.

Wie der alte Fußballplatz genutzt werden soll - darüber entscheiden in Nenzing die Bürger aktiv mit.
Wie der alte Fußballplatz genutzt werden soll – darüber entscheiden in Nenzing die Bürger aktiv mit.

„Beim alten Fußballplatz soll ein lebendiges Quartier entstehen. Neben Wohn- und Arbeitsraum soll Platz für einen Kindergarten und weitere gemeinschaftliche Aktivitäten vorgesehen werden. Der öffentliche Raum sowie ein verträgliches Mindest- und Höchstmaß an baulicher Dichte bilden dabei Schlüsselfaktoren”, hieß es in einer Zusammenfassung dieses Bürgerbeteiligungsverfahrens.

Mit diesen Vorgaben wurden ab Anfang 2014 Studenten und Lehrende der Universitäten Wien, Linz und Vaduz konfrontiert. 48 Studenten machten sich an die Arbeit, schauten sich bei Exkursionen in der Schweiz, Frankreich und Deutschland innovative Wohnbaumodelle an, entwickelten Ideen und arbeiteten in verschiedenen Gruppen, unter Anleitung der Professoren und im Dialog mit Anrainern und Baufirmen insgesamt 25 Zukunftsmodelle für den Fußballplatz aus.

Bürgerbeteiligung und innovative Studenten 

48 Studenten skizzierten mögliche Bebauungen.
48 Studenten skizzierten mögliche Bebauungen.

Diese Modelle wurden von einer Jury begutachtet und bewertet: Die besten davon wurden wiederum als Basis für die nächste Projektphase zu einem städtebaulichen Rahmenplan zusammengefasst. Mit diesem Rahmenplan befassen sich derzeit im Zuge eines Planungswettbewerbes sechs große Vorarlberger Bauträger. Ihre Vorschläge zur konkreten baulichen Umsetzung werden sie Ende September einer Jury präsentieren. Und die wird dann bewerten, welche Firma die Vorgaben des Projekts bestmöglich erfüllt. Und dann soll es bald ans Bauen gehen.

Für die Familie Cristea und ihre Kollegen von der Baugruppe wird mit der Juryentscheidung ebenfalls die nächste Stufe ihres Traum-Projekts gezündet. Bis dato wurden die Wünsche und Vorstellungen der sechs Bauwerber der Baugruppe im Detail erfasst, wie Architektin Daniela Tomaselli erläutert. Grobe Vorstellungen davon, wie diese Wünsche unter Dach und Fach zu bringen sind, haben die beiden Architektinnen natürlich schon im Kopf. Auch unter der Maßgabe, dass die fertigen Wohnräume letztlich nicht mehr als 2500 Euro pro Quadratmeter kosten sollen.

„Aber natürlich können wir mit der konkreten Detailplanung für unsere Häuser erst starten, wenn klar ist, wie der gut 10.000 Quadratmeter große Hauptteil des Fußballplatzes vom Wettbewerbssieger bebaut wird”, erklärt Architektin Carmen Schrötter-Lenzi.

Vom Ausgang des Wettbewerbs hängt auch ab, welcher Teil des Fußballfeldes der Baugruppe zugewiesen wird. Man hofft auf rund 1700 Quadratmeter  – und hätte auf diesem Areal durchaus noch Platz für weiteren Wohnraum.
Wer der Baugruppe noch beitreten will, meldet sich bei
Daniela Tomaselli-Jochum: 0664/ 8283233 oder bei
Carmen Schrötter-Lenzi: 05578/ 20842

In der Baugruppe steigt also die Spannung: Die entscheidende Jurysitzung soll am 29. September stattfinden.


Die Architektinnen Daniela Tomaselli -Jochum (li) und Carmen Schrötter-Lenzi mit Bgm. Florian Kasseroler.
Die Architektinnen Daniela Tomaselli -Jochum (li) und Carmen Schrötter-Lenzi mit Bgm. Florian Kasseroler.

Innovatives Nenzing

Das beschriebene Projekt „d‘ Siedlig” ist nur eines von mehreren Projekten, mit denen die Marktgemeinde Nenzing seit einigen Jahren weit über die Landesgrenzen hinaus als besonders innovative Kommune für Aufsehen sorgt.

Dazu zählt auch die Initiative „Zukunftsort Nenzing”, die sich in einer ersten Projektphase besonders um die Integration von Flüchtlingen bemüht hat.

Gemeinsam mit Mäder wurde heuer das Projekt Gemeinwohl-Bilanz gestartet. Werte wie Menschenwürde, Solidarität, Ökologische Nachhaltigkeit, Soziale Gerechtigkeit sowie Demokratische Mitbestimmung und Transparenz sollen gestärkt werden.

Einblick in die Ziele und aktuelle Entwicklung der Projekte bietet die Marktgemeinde unter www.nenzing.at/projekte


FOTOS: Marktgemeinde Nenzing, TM-Hechenberger