Grenzenloser Naturpark Rätikon

Schesaplana, Drei Türme, Zimba, Drei Schwestern,… Der Rätikon steuert wesentliche Gipfel zum guten Ruf Vorarlbergs als Tourismusdestination bei. Er markiert außerdem die Grenzen zur Schweiz und zu Liechtenstein. Dies- und jenseits der schroffen Gipfel wird nun geprüft, wie man gemeinsam die Potenziale des Rätikons noch besser nutzen und die eindrucksvolle Naturkulisse schützen kann. Die Vision: ein grenzenloser Naturpark Rätikon.

FOTOS: Manuel Siegrist, TM-Hechenberger

Ing. Herbert Erhart (Abt. Umwelt und Klimaschutz des Landes), Dr. Birgit Reutz, LR Johannes Rauch, Regio-GF Birgit Werle, Bgm. Herbert Bitschnau (Tschagguns), Mag. Bernhard Maier (Stand Montafon) und Bgm. Michael Domig (Brand).

Eine Idee zieht Kreise. Ursprünglich im Prätigau erdacht, haben sich seit Frühjahr 2016 insgesamt 28 Gemeinden in Graubünden, Liechtenstein und Vorarlberg dafür ausgesprochen, die Möglichkeiten einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Form eines internationalen Naturparks auszuloten. In Vorarlberg sind St. Gallenkirch, Tschagguns, Vandans, Brand, Bürserberg, Bürs, Nenzing und Frastanz mit im Boot. Und auch die Regio Im Walgau, der Stand Montafon und das Land Vorarlberg stehen hinter dem Projekt. Dies sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass nun eine umfangreiche Machbarkeitssstudie in Auftrag gegeben wurde. Bis Sommer 2019 sollen nicht nur organisatorische, finanzielle und rechtliche Fragen geklärt werden. Vor allem geht es um die Frage, ob die Bevölkerung den Naturpark überhaupt will. Denn Erwartungen gibt es jede Menge, und Befürchtungen ebenso. Dies wurde bei der ersten Info-Veranstaltung in der Bürser UNESCO-Mittelschule deutlich. Während die einen bereits von einer Schiverbindung Gargellen-Klosters träumen, sehen andere gerade durch solche Ideen den Natur- und Erholungsraum bedroht.

„Naturpark ist ein Ermöglicher”

Eines stellte die Leiterin des Vorarlberger Teilprojektes, Dr. Birgit Reutz, gleich zu Beginn klar: Ein Naturpark ist kein Schutzgebiet, in dem nichts mehr verändert werden darf. Er bietet lediglich eine Struktur, in der alle Beteiligten die gemeinsam festgelegten Ziele mit vereinten Kräften verfolgen. „Ein Naturpark ist ein Ermöglicher”, berichtete auch ein begeisterter Thomas Buchli. Der Bio-Landwirt hatte die beschwerliche Anreise aus dem abgeschiedenen Safiental nicht gescheut, um den Zuhörern in Bürs seine Erfahrungen mit dem 2013 gegründeten Naturpark Beverin zu schildern. „Bei uns gab es früher keine Entwicklung, das kehrt sich jetzt um”, erzählte er in bestem „Schwizerdütsch”. Der Naturpark helfe bei der Vermarktung regional erzeugter Produkte, beim Aufbau und Management einer naturverträglichen Gewerbezone, aber auch der Bau eines Solarschiliftes sei nur mit Unterstützung des Naturpark-Managements möglich gewesen. Altes Handwerk werde wieder gepflegt, wertvolles Kulturgut erhalten. Ein gemeinsam in Auftrag gegebenes Forschungsprojekt habe zudem aufgezeigt, dass es nirgendwo in der Schweiz so viele Feldlerchen gibt wie im Safiental.

Machbarkeitsstudie ist ergebnisoffen
Hausherr Bgm. Georg Bucher zeigte sich begeistert, dass sich rund 150 Personen zum Mitdenken und Mitdiskutieren in der frisch renovierten UNESCO-Mittelschule einfanden.

Wenn auch die Begeisterung des Bio-Landwirtes ansteckend wirkte, in den Diskussionen an den Thementischen wurde deutlich, dass es nicht einfach sein wird, einen gemeinsamen Nenner zu finden. „Es braucht einen Kümmerer, der dran bleibt”, klang aber ebenso immer wieder durch wie die Hoffnung auf „fair play-Regeln”, an die sich – im Sinne einer nachhaltigen, für alle positiven Entwicklung – alle halten. Die Projektleiter zeigten sich begeistert vom großen Ansturm sowie den konstruktiven und engagierten Diskussionen – und hoffen, dass die Dynamik erhalten bleibt. „Ihre Beteiligung ist Bedingung dafür, dass es mit dem Naturpark klappt”, appellierte Dr. Birgit Reutz an die Anwesenden, sich weiter einzubringen. Interessierte sind außerdem eingeladen, an einer Umfrage im Internet unter www.raetikon.net teilzunehmen, und so ihre Meinung/Anregungen/Befürchtungen kundzutun.

In den DIskussionen zeigte sich deutlich, dass die Vorstellungen von Touristikern, Wirtschaftstreibenden, Jagdverantwortlichen, Naturschützern,… zum Teil weit auseinanderliegen.