Winter ade in Bürs …

Wenn die Narren sich langsam auf den Ausklang vorbereiten, sitzen die Funkenzünfte im Land bereits in den Startlöchern. In Bürs sind die Vorbereitungen besonders aufwendig. Am Aschermittwoch holen Ronald Rettenberger und seine Kollegen die mehr als hundert Jahre alten „Puma” vom Dachboden. Beim Umzug am Funkensonntag sorgen die traditionsreichen Laternen für eine ganz besondere Atmosphäre.

Es waren Arbeiter der ehemaligen Lünerseefabrik, die jene Metallbänder, mit denen die Baumwollballen gesichert wurden, kreisförmig anordneten und Papier darüber spannten. Sie befestigten diese Gestelle auf Holzstecken und ließen sie mit Kerzen von innen heraus leuchten. Da sie doch eine gewisse Ähnlichkeit mit Orangen aufwiesen, wurden die übergroßen Lampions kurzerhand „Puma” genannt – eine Kurzform der damals gebräuchlichen Bezeichnung „Pumerange”. Im Laufe der Zeit entstanden weitere Formen mit Holzgestellen, zum Teil äußerst kunstvoll verziert. Zu den ältesten „Kastenpuma” gehört etwa „Genoveva”, die ein Unbekannter im Jahr 1892 schuf. Die „Spinnere” ist mit einem Quadratmeter Fläche der größte der farbenfrohen Lampions. Mit einem Gewicht von 13 Kilo auf dem langen Stecken ist sie für den Träger eine ganz besondere Herausforderung. „Krottakonzert”, „Schlößle”, „Tanzmarei”, „Ikarus” oder „Ühla” zeigen weitere farbenfrohe Motive.

Seit mehr als 40 Jahren „Pumameister”

Mit den kleineren, zylinderförmigen „Kübele” sind es insgesamt 47 fragile Kunstwerke, die Ronald Rettenberger auf dem Dachboden seines Elternhauses lagert. Früher bewahrte jeder Pumaträger seinen Lampion bei sich zuhause auf. Sie waren über ganz Bürs verstreut. Ronald Rettenbergers Vater und der Onkel haben sie dann nach dem 2. Weltkrieg alle zusammengetragen und mühevoll restauriert.

„Der Brauch ist mehr als 170 Jahre alt”, berichtet Pumameister Ronald Rettenberger.
„Der Brauch ist mehr als 170 Jahre alt”, berichtet Pumameister Ronald Rettenberger.

 

„Ich bin mit diesem Brauch aufgewachsen”, erklärt der „Pumameister”. „Ich hätte zuhause niemals sagen dürfen, dass ich lieber eine Fackel schwinge, anstatt eine Puma zu tragen.” Obwohl er schon seit 13 Jahren in St. Gerold lebt, setzt er sich immer noch und bereits seit mehr als 40 Jahren voller Hingabe für den Erhalt dieses alten Bürser Brauches ein. Nur wer zuvor in der Vesper gewesen war, durfte sich früher am Funkensonntag bei der Ausgabe am Ritterplatz anstellen. „Um die schönsten Puma haben wir uns regelrecht gestritten”, kann sich Ronald Rettenberger noch gut erinnern. Mädchen durften damals nur zusehen. Heute sind die Regeln nicht mehr so streng. Jeder kann sich beim „Pumameister” als Träger melden.

Doch zuvor wird geprüft, ob alle Lampions noch tadellos in Schuss sind. Rund 80 Stunden müssen Ronald Rettenberger und seine Helfer, die Mitglieder des Fasnatvereins, alljährlich dafür aufwenden. In den Tagen gleich nach Aschermittwoch wird eingerissenes Papier ersetzt, werden bei Bedarf die Gestelle und Halterungen geflickt. Die Werkstatt der „Puma-Freunde” in der alten Tenne ist mit Leuchttisch, farbenprächtigem Papier und allem benötigten Werkzeug bestens ausgestattet. Nach diesen Arbeiten beginnt das große Bangen. Die empfindlichen Puma können nämlich nur bei trockener Witterung ausgeführt werden. Sind die Wetter-Aussichten gut, werden rund hundert Kerzen bereitgestellt. Denn künstliches Licht ist nach wie vor tabu. „Anstatt des in anderen Gemeinden üblichen Feuerwerkes gibt es bei uns eben den Pumaumzug, der auch viele Leute von außerhalb anzieht,” erklärt Ronald Rettenberger. Sogar Zuschauer aus Ost-Österreich reisen regelmäßig eigens zum Bürser Funkentreiben an.

Die Pumaträger hoffen, dass das Wetter am Funkensonntag mitspielt. Die empfindlichen Lampions können nur bei trockener Witterung ausgeführt werden.
Die Pumaträger hoffen, dass das Wetter am Funkensonntag mitspielt. Die empfindlichen Lampions können nur bei trockener Witterung ausgeführt werden.

Herolde führen den Zug an

Seit drei Jahren sammeln sich die Pumaträger am Funkensonntag vor dem Sozialzentrum, damit ältere Mitbürger, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, das Spektakel nicht verpassen. Gemeinsam ziehen sie zum Ritterplatz, wo die Funkenzunft ein paar „Hoppalas” der Mitbürger aus dem „Krottablatt” verliest. Die Zusammensetzung des Puma-Zuges geschieht nach alter Tradition: Herolde hoch zu Ross bilden die Spitze, gefolgt von der Harmoniemusik und den drei Musik-Puma. Als nächstes kommt der Funkenwagen, der der großen Puma „Gesellschaft” den Weg bahnt. Den Abschluss macht die große „Spinnere”. Nur über die Anordnung dazwischen darf der Pumameister frei entscheiden. Geschlossen zieht der Zug dann zum Funkenplatz, wo die Funkenzunft schon alles bestens vorbereitet hat – wie seit alters her den Spruch auf den Lippen

„Die ganze Gesellschaft  söll viva – leba hoch!“


Das Funkenspektakel startet am Funkensonntag, 5. März, um 19.00 Uhr, am Ritterplatz.

Wer beim Pumazug gerne mitmarschieren möchte, kann sich bei Ronald Rettenberger unter 0676 / 564 05 33 melden.


Fotos: Christa Engstler