Warum nicht Beton?

Die Küchenfronten hat Daniel Hrach mit einer Betonschicht überzogen. Das bildet einen spannenden Kontrast zur Arbeitsplatte aus Messing.

Beton steht in erster Linie für massive und funktionale Bauteile. Erst vor wenigen Jahren haben Architekten dieses Material auch als ästhetisches Stilmittel entdeckt. Daniel Hrach geht noch einen Schritt weiter. Die Möbel und Handtaschen, welche er in Zusammenarbeit mit anderen Handwerkern und Künstlern entwickelt, begeistern mit puristischem Design und cooler Beton-Optik.

FOTOS: TM-HECHENBERGER, BETONEN

Wer das Heim von Daniel Hrach betritt, spürt sofort, dass hier ein Mensch lebt, der vor kreativen Ideen geradezu überquillt. Im November hat der Schlinser sein neues Haus bezogen. Es ist das zweite, das der 30-jährige Raum­ausstatter ganz nach seinen eigenen Vorstellungen für sich umgebaut und gestaltet hat. Im Wohnzimmer hat er eigenhändig gebrauchte Holzdielen verlegt, der Second Hand-Steinfußboden im Eingangsbereich stammt aus einem alten Herrenhaus. Das Diwan ist selbst gepolstert, das Badezimmer mit Beton-Möbeln und Wänden gestaltet. Die anthrazitfarbenen Beton-Oberflächen seiner Küchenschränke bilden einen spannenden Kontrast zur Arbeitsplatte aus massivem Messing. Letztere wird erst in rund einem Jahr so sein, dass sie den Ansprüchen des Hausherrn völlig entspricht. Der freut sich nämlich schon auf die besondere Patina, welche erst durch längerfristigen Gebrauch entsteht. 

Ihre abwechslungsreiche Struktur und der Kontrast mit anderen Materialien verleihen auch den Beton-Möbeln einen besonderen Reiz, welche Daniel Hrach in der Werkstatt nebenan fertigt. Gemeinsam mit Andreas Reichkendler hat er die Firma Betonen gegründet, die in den  letzten Jahren auf Messen und Kunstausstellungen viel Zuspruch erfuhr.

Doch der Reihe nach: Daniel Hrach hat seine handwerklichen Fertigkeiten während der Lehre beim Bludenzer Raum­ausstatter Thomas Vonbank erworben. In der Berufsschule in Salzburg lernte er Andreas Reichkendler kennen. Die beiden fanden schnell heraus, dass sie neben der Vorliebe für dieselben Bands ein besonderes Interesse an hochwertigem Design verbindet. Als Andreas‘ Arbeitgeber einen Workshop für Wandbeschichtungen und Böden aus Beton organisierte, nahm auch der Schlinser Berufskollege mit Begeisterung teil. Diese Technik, die ursprünglich aus Frankreich stammt, müsste doch auch auf anderen Oberflächen anwendbar sein, überlegten sich die beiden Raumausstatter. „Wir wollten Möbel bauen, aber nicht einfach nur einen Betonklotz herstellen”, berichtet Daniel Hrach. „In Kombination mit anderen Materialien wirkt Beton wärmer, harmonischer.” Außerdem sollten die Möbel so leicht bleiben, dass sie flexibel eingesetzt werden können. Die beiden experimentierten und tüftelten, wie sie Beton, Holz und Stahl nach ihren Vorstellungen verbinden könnten – in hochwertigster Verarbeitung selbstverständlich. Denn Daniel Hrach und Andreas Reichkendler sind Perfektionisten. Sie sind stolz darauf, dass auch ihre allerersten Kunden noch keinerlei Risse oder andere Mängel an ihren Betonmöbeln beanstandet haben. 

Zwei Prototypen, die aussahen, als hätte man massive Baumstämme in einen Betonwürfel gegossen, führten dazu, dass ein Veranstalter solche Sitzgelegenheiten sowie Beistelltische für eine Kunstmesse ausleihen wollte. Dort meldeten sich dann sofort erste Interessenten. Dabei waren die Hocker gar nicht für den Verkauf vorgesehen. 

2015 wurde „Betonen” gegründet

Dieser Zuspruch hat die beiden beflügelt. Kurz entschlossen meldeten der Salzburger und der Schlinser daraufhin jeweils ein Kleingewerbe an und treten seither gemeinsam unter dem Label „Betonen” auf, ganz professionell mit eigener Website und Werbeprospekten. Neben ihren Jobs als Raumausstatter produzieren sie in ihrer Freizeit Tische, Hocker und Schränke mit klaren Formen und spannender Oberfläche, die trotz massivem Aussehen leicht zu bewegen sind. 

Ein- bis zweimal im Monat treffen sich die Geschäftspartner, um neue Ideen zu entwickeln und sich auszutauschen. Geht eine Bestellung ein, wird diese – je nachdem, wer gerade Zeit hat – in Salzburg oder Schlins produziert. Dabei können die beiden Möbelbauer ganz individuelle Wünsche ihrer Kunden berücksichtigen. Einzige Einschränkung: Das Endprodukt muss den Ansprüchen seiner Urheber an Design und Funktion entsprechen. Weil die beiden immer wieder andere Hölzer mit unterschiedlichen Farben und Maserungen verarbeiten und auch die Betonmischungen und deren Endverarbeitung variieren, ist aber ohnehin jedes Betonen-Möbel einzigartig. 

Jede Menge weitere Ideen

Durch hartnäckiges Experimentieren und inspiriert von anderen Kreativen hat Daniel Hrach inzwischen aber noch andere Anwendungsmöglichkeiten für seine Beton-Leidenschaft gefunden. Vom letzten Messebesuch in Amsterdam hat er etwa neue Ideen für modische Beton-Accessoires mitgebracht. „Mal sehen, ob das funktioniert”, will Daniel Hrach im Moment noch nicht mehr verraten. Außerdem entstehen in seiner Werkstatt erste Prototypen von Lampen, deren Schirme hauchdünn mit Schiefer beschichtet sind und trotzdem ein angenehmes Licht verbreiten. 

Bereits umgesetzt ist eine andere Idee: Gemeinsam mit zwei Kreativen aus Oberösterreich produziert er Betontaschen, die schon in so manchem Museumsshop weltweit zu finden sind. Sogar Kontakte nach Japan und nach New York sind bereits geknüpft. Daniel Hrach hat die Macher hinter „Lang­ackerhäusl” auf einer Messe kennengelernt. Er war begeistert von den Handtaschen, welche ein Kostümdesigner und ein Grafiker in der Einsamkeit des Oberen Mühlviertels in aufwendiger Handarbeit aus Papier fertigen. Das Ergebnis dieses Zusammentreffens sind einfach geschnittene Clutches und Shopper, die mit einer einzigartigen Beton-Optik glänzen. Daniel Hrach hat lange an der perfekten Mischung getüftelt, um sicherzustellen, dass die Betonbeschichtung perfekt am Trägermaterial Papier haftet und die fertige Tasche trotzdem flexibel und angenehm zu tragen ist. 

„Warum Beton?” – Das ist eine Frage, die dem Schlinser immer wieder gestellt wird. Seine Antwort: „Warum nicht?”