Aufbruch in den „goldenen Westen”

Auf diesem Dampfer reisten die gebürtige Bürserin Rosina Spagolla und ihr Sohn Franz 1913 von Le Havre nach New York.

Der Hunger und mangelnde Perspektiven veranlassten im 18. und 19. Jahrhundert tausende Walgauer und Bludenzer, in der Fremde ihr Glück zu versuchen. Im Rahmen einer Wanderausstellung, mit Theater­projekten und Vorträgen macht die Regio Im Walgau deren Schicksal öffentlich. 

FOTOS: REGIO IM WALGAU

Mag. Christof Thöny koordiniert die Aktivitäten.

Basis dieser Aktivitäten ist die Dissertation von Dr. Dieter Petras. Der Schlinser Gemeindearchivar hat sämtliche 3065 Aus­wan­derer aus dem Walgau von 1700 bis 1914 akribisch erfasst und viele spannende Geschichten recherchiert. Im Auftrag der Regio Im Walgau und der Elementa Walgau werden diese nun in Text- und Schautafeln attraktiv aufgearbeitet. Geleitet wird das Projekt von Historiker Mag. Christof Thöny. Als Autor und Herausgeber zahlreicher geschichtlicher Bücher  kann der Bludenzer viel Erfahrung in der Abwicklung solcher Projekte vorweisen. Unterstützt wird er von einem aktiven Team, in dem sich nach einem öffentlichen Aufruf Lehrer, Grafiker, eine Theatermacherin und andere historisch Interessierte zusammengefunden haben. Die meisten haben selbst Vorfahren, die damals ihr Glück in Übersee suchten. „Wir wollten die Geschichten nicht einfach nur in einem Buch zusammenfassen”, erklärt Mag. Thöny. Deshalb freut er sich, dass bereits verschiedenste Ideen in Angriff genommen wurden, um den Menschen der Region die Ereignisse von damals nahe zu bringen. Theaterregisseurin Herlinde Hummer aus Nenzing hat etwa schon Ideen entwickelt, wie der Aufbruch der Walgauer auf die Bühne gebracht werden könnte. Stoff dafür gibt es genug. Die meisten Auswanderer schifften sich in Richtung USA oder Südamerika ein. Wenn man erfährt, dass die Ozean­dampfer Schiffbruch erlitten und die Glückssucher im Meer ertranken, ergibt sich ein aktueller Bezug ganz von allein…

Wer hat noch Fotos, Filmaufnahmen, Briefe,… der Walgauer Auswanderer?
Johann Benedikt Fritz, 1826 in Lech geboren und später auf einem Bauernhof in der Halde Bludenz aufgewachsen, wanderte 1853 gemeinsam mit seinem Bruder Johann Christian aus, um dort als Goldgräber sein Glück zu versuchen. Er gründete mit Anna Müller aus Braz eine Familie und ließ sich als Eisenwarenhändler und Farmer in Iowa nieder.
Seine Nachkommen sind mit den Verwandten in Bludenz immer noch in Kontakt.

Die Wanderausstellung soll ab März 2019 ein Jahr lang durch die Walgaugemeinden und Bludenz touren. In Zusammenarbeit mit dem Walk-Tanztheater werden Jugendliche darin geschult, die Inhalte interaktiv vor allem jungen Leuten nahezubringen. Außerdem werden die Walgauer Auswanderer in dieser Zeit bei verschiedensten Vorträgen und lokalen Projekten Thema sein. Unterrichtsmaterialien für verschiedene Schulstufen sind ebenfalls in Ausarbeitung. Mag. Christof Thöny: „Unser Ziel ist es, große historische Themen regional zu verankern. Dabei wäre uns die Mithilfe der Bevölkerung wichtig: 

 

 

Wer noch Erinnerungen an ausgewanderte Verwandte hat, historische Dokumente, Fotografien oder Filmaufnahmen besitzt, möge sich bei der Regio Im Walgau melden (Gisela Jussel, Tel: 05525/62215-151, E-Mail: sekretariat@imwalgau.at). 

Außerdem werden für die Ausstellung selbst Betreuungspersonen gesucht. Diese werden von Historiker Dr. Dieter Petras im Rahmen eines Workshops genau instruiert.