Ein Dorf im Gesundheitsfieber

Seit dem Frühjahr ist Satteins eine von vier Partnergemeinden des Praevenire Gesundheitsforums Seitenstetten. Mit seinem Vorschlag, dieses Projekt in Angriff zu nehmen, brachte Nephrologe Prim. Prof. Dr. Karl Lhotta in seiner Heimatgemeinde einen Stein ins Rollen. Denn das Motto „G‘hörig g‘sund Satteins” ist zurzeit in aller Munde. Gesunde Ernährung und Bewegung werden von Gemeindeverantwortlichen, Ärzten, Pädagogen, Vereinen, Fachleuten und Unternehmen gemeinsam forciert.

 

Smovey, Sitzgymnastik, Lauftreffs, Vorträge, Blutdruck- und Blutzuckermessungen, Gesundheits-Literatur und gesundes Essen allerorts – in Satteins kommt man momentan kaum drum herum, seine Lebensweise kritisch zu hinterfragen.

„Es muss aber auch Spaß machen”, fordert Monika Ammann – und geht mit gutem Beispiel voran. Über Initiative der Turnerschaft leitet die Physiotherapeutin Mitbürger über siebzig zur Sitzgymnastik an. 

 

Doch obwohl es bei den Treffs im Vereinshaus in erster Linie darum geht, Nervenzellen zu stimulieren sowie Gleichgewicht und Koordination zu trainieren, „haben wir auch viel gelacht.” „Die Treffs sind ein Ansporn, wieder Kontakte zu knüpfen”, möchte Monika Ammann ältere Menschen dazu einladen, sich nicht zuhause zu vergraben. Soziale Kontakte tragen schließlich ebenfalls wesentlich zur Gesundheit bei.

„Bewegung steigert die Endorphin-Produktion, es bilden sich neue Nervenverbindungen, man kann sich besser konzentrieren…”, schlägt Psychologin Dr. Dietlinde Jäger in dieselbe Kerbe. Sie hat im Rahmen ihrer Fastenausbildung ein Trainingsgerät kennen gelernt, das sie voll überzeugt. Im Park vor der Volksschule weist sie ihre Gruppe an, die bunten Ringe gezielt zu schwingen. Smoveys bestehen aus einem Schlauch, der mit Stahlkugeln gefüllt ist. Je nach Intensität, mit der es geschwungen wird, wirkt das 500g leichte Trainingsgerät wie eine bis zu fünf Kilo schwere Hantel. „Die Schwingungen stimulieren alle Organe und das Surren der Kugeln beruhigt”, ist Dr. Jäger überzeugt. „Das spürst du im ganzen Körper”, pflichtet ihr eine Teilnehmerin bei.

 

 

„Über Bewegung kann man Menschen aktivieren und auch psychische Prozesse anregen. Ich bin vor vier Jahren auf ‚Smovey‘ gestoßen – ein hand-liches und sehr effizientes Trainingsgerät, mit dem jeder nach einer kurzen Einführung selbst trainieren kann – im Sitzen, im Stehen, im Laufen, ja sogar im Schwimmen. Es steigert die Ausdauer, Kraft, Koordination und hilft beim Entspannen.”

Dr. Dietlinde Jäger, Psychologin

„Das Praevenire-Projekt wird von ganz vielen Schultern getragen”, freut sich Vizebürgermeisterin Doris Amann, dass so viele Ehrenamtliche, Fachleute und Vereine mitziehen. Seit 27. Oktober treffen sich etwa Anfänger, Fortgeschrittene und Nordic-Walker zum gemeinsamen Laufen am Sportplatz. In der Bibliothek hat Leiterin Margit Brunner-Gohm eine eigene Ecke mit Gesundheits- und Sport-Literatur eingerichtet. Außerdem finden dort jede Menge interessante Vorträge zu Gesundheits-Themen statt. Ilse Fraisl ist als Expertin fürs „Strömen” eingebunden, der Gesundheits- und Krankenpflegeverein lädt bei Veranstaltungen zur Blutdruck- und Blutzuckermessung. „Es werden ständig neue Ideen an mich herangetragen”, ist die Vizebürgermeisterin für Vorschläge offen.

Der Samen für ein gesundes Essverhalten sollte aber möglichst früh gelegt werden. Diätologin Sonja Holzknecht hat deshalb die Kinderbetreuungs-Einrichtungen und Schulen der Gemeinde beraten, wie sie den Kindern Obst, Gemüse und andere gesunde Lebensmittel schmackhaft machen. „Ein Curry-Bananen-Aufstrich wird da halt zum Affenaufstrich”, verrät die Ernährungsberaterin, dass es oft hilft, wenn man den Kindern zum Essen eine kleine Geschichte auftischt.  Das Rezept scheint zu stimmen: Im Spielraum Teddybär greifen die Kleinen beim Foto-Termin jedenfalls kräftig zu.

 

Unter dem Motto „G‘hörig g‘sund Satteins” sollen außerdem die Volksschüler motiviert werden, das „Mama-Taxi” links liegen zu lassen. Jeder zu Fuß zurückgelegte Schulweg wird mit einem Pickerl im „Schoolwalker-Ausweis” belohnt. Als Genussdetektive werden die Sechs- bis Zehnjährigen zudem erkunden, woraus etwa Ketchup oder Käse gemacht wird – und bei einer Veranstaltung die Ergebnisse ihrer Nachforschungen an die Eltern weitergeben. In der Mittelschule sind Gesunde Jause – zubereitet von den Schülern selbst -, ein Erste Hilfe-Kurs, sowie Gesundheits-Themen im Unterricht fix eingeplant.

Aber auch die Unternehmen der Gemeinde machen engagiert mit. Unter dem Motto „G‘hörig g‘sund” schnürt Susanne Feist spezielle Pakete ihrer Dinkel-Nudeln und Metzgermeister Gerold Hosp empfiehlt den Kunden mageren Rindersaftschinken. Auch im Spar-Laden im Ort lädt eine Ecke mit ausgesuchten Lebensmitteln zum „g‘hörig g‘sunden” Einkaufen ein. Wer im Gasthaus Stern einkehrt, findet jeden Tag ein gesundes Menü auf der Speisekarte. Und auch im Schwarzer See Stüble wurde die Tageskarte nach Empfehlungen der Ernährungsberaterin „g‘hörig g‘sund” aufpoliert. Sonja Holzknecht freut sich ganz besonders über das Engagement der Bäckerei Begle. Das Rezept für die Jausenbrötle und das Kastenbrot für die ganze Familie hat sie gemeinsam mit Bäckermeister Wilfried Begle ausgetüftelt. Das Brot besteht zu hundert Prozent aus Vollkornmehl und kommt trotzdem hervorragend an. „Eine Scheibe Vollkornbrot hat so viele Vitamine und Mineralstoffe wie acht Scheiben Weißbrot”, hat Sonja Holzknecht weitere Argumente parat. Zum Abschluss des Projektes ist übrigens auch ein Kochbuch mit den Satteinser „G‘hörig g‘sund-Rezepten” geplant…

 

„Was da entstanden ist, übertrifft meine kühnsten Erwartungen. Das Vollkorn-Mehl für das Praevenire-Brot der Bäckerei Begle wird jeden Tag ganz frisch gemahlen und enthält dadurch noch alle B-Vitamine und Mineralien, die bei längerer Lagerung sonst verloren gehen. Die Pizza-Brötchen wurden uns bei der Auftaktveranstaltung fast aus der Hand gerissen.”

Sonja Holzknecht, Diätologin

 

 

„Ich wollte 2010 etwas gegen meine 120 Kilo unternehmen und bin gleich wie wild losgerannt. Das machen wir in den Laufgruppen jetzt natürlich besser. Ich habe mich über das Programm ‚Vorarlberg bewegt‘ zum Lauf-Coach weitergebildet. Seit 27. Oktober leiten Christian Paul und ich jeweils am Donnerstag Abend eine Laufgruppe.”

Michael Koschat, Versicherungskaufmann

 

Praevenire Gesundheitsforum Seitenstetten

Das Praevenire Gesundheitsforum Seitenstetten setzt sich mit verschiedensten Initiativen für die Gesundheitsvorsorge ein. Satteins ist neben Haslach (OÖ), Bruck an der Mur (Steiermark) und Pöggstall (NÖ) eine von vier Modellgemeinden, welche in ihrem Bemühen, die Gesundheit der Mitbürger zu verbessern, professionell begleitet wird. Jedem der vier Projektpartner wurde ein Schwerpunkt-Thema zugeteilt. In Satteins will man vor allem gegen die Zivilisationskrankheiten Diabetes (Zuckerkrankheit) und Adipositas (Fettsucht) ankämpfen. Dies soll in erster Linie durch Bewusstseinsbildung, gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung erreicht werden. Viele Satteinser sind in das Projekt eingebunden oder nutzen die Angebote unter dem Motto „G‘hörig g‘sund Satteins”.

Bei der Auftaktveranstaltung im Juni wurde mittels Fragebogen der Informations-stand der Bevölkerung erhoben. Wenn das Projekt im nächsten Frühjahr ausläuft, werden Mitarbeiter des Praevenire Gesundheitsforums die Auswirkungen evaluieren. Interessierte finden alle Infos und Termine im Internet unter www.satteins.net.

Vize-Bürgermeisterin Doris Amann und Bürgermeister Anton Metzler stehen voll hinter dem „Praevenire“-Projekt.