Farben wie früher

Malermeister Martin Pfister ist seit 25 Jahren selbstständig. Es war ihm immer schon wichtig, dass er seinen Kunden nur hochwertige Farben an die Wände streicht. Doch seit einigen Jahren besinnt er sich noch weiter zurück. Er hat begonnen, seine Farben selbst zu mischen – aus natürlichen Pigmenten.

Der Ludescher Malermeister verbringt momentan viel Zeit im Internet. In enger Zusammenarbeit mit zwei Kollegen in Niederösterreich und Salzburg forscht er nach alten Rezepten und mischt diese in seiner Werkstatt nach. Er muss dabei viel herumexperimentieren, die Angaben sind oft ungenau. Doch die Farbe soll nicht nur über Jahre hinweg schön anzusehen und abriebfest sein, sondern zudem auf dem jeweiligen Untergrund gut haften. Bei farbigen Flächen vertraut Martin Pfister auf die Schweizer Firma kt.color, die sich schon seit vielen Jahren mit der Herstellung von hochwertigen Naturpigmentfarben auseinander setzt. Nur wenige Maler im Land haben sich bei kt.color zum „Meister der Farben” ausbilden lassen. Martin Pfister ist einer davon. So steht ihm in seiner Werkstatt die ganze Palette an kt-Naturpigmentfarben zur Verfügung.

Für Grau-, Weiß- und Beige-Töne hat er inzwischen aber eigene Rezepturen entwickelt. Dazu hat er sich sackweise Champagnerkreide, französischen Ocker und Gesteinsmehle nach Ludesch liefern lassen.

Als Bindemittel verwendet Martin Pfister Lithiumwasserglas oder Methylzellulose – und stellt dadurch sicher, dass seine Farben keinerlei schädliche Inhaltsstoffe an die Umgebung abgeben. Methylzellulose etwa ist ein Hauptbestandteil vieler Tapetenkleister, wird aber auch Nahrungsmitteln, Kosmetika oder Arzneimitteln beigemischt. Lithiumwasserglas wurde nachweislich bereits im 18. Jahrhundert in der Kirchenmalerei verwendet.

„Allerdings gab es auch früher Farben, die der Gesundheit schaden”, berichtet Martin Pfister. So kursiert etwa unter Historikern die Theorie, dass Napoleon in seiner Verbannung auf St. Helena erkrankt ist, weil sein Zimmer in „Schweinfurter Grün” gestrichen war. In den Haaren des Feldherren sollen Spuren von Arsen gefunden worden sein. Dies deute darauf hin, dass der Feldherr über eine lange Zeit dem Gift ausgesetzt war. Er verbrachte damals viel Zeit in seinem grünen Zimmer… „Schweinfurter Grün” war im 18. und 19. Jahrhundert wegen seiner Farbintensität und Lichtechtheit sehr beliebt. Relativ bald wurde allerdings bekannt, dass es giftiges Arsen enthält. Eine Zeit lang wurde es sogar als Insektizid verwendet.

Heute wie damals sollte man also genau darauf achten, mit welchen Materialien man sich in den eigenen vier Wänden umgibt. „Ich kenne Menschen, die von den Industriefarben an ihren Wänden Atemschwierigkeiten bekommen haben”, erklärt Martin Pfister.

In seiner Werkstatt können die Besucher natürliche Substanzen in Augenschein nehmen, aus denen heute wie damals Farbpigmente gewonnen werden.

„Echter afghanischer Lapislazuli wird zu einem Kilopreis von 18.000 Euro gehandelt”, begeistert sich der Ludescher.

„Er wurde früher gerne in Kirchen verwendet, um den Mantel der Maria zu malen.” Ansonsten wurden die Farbstoffe aber vor allem aus Materialien gewonnen, die in der Nachbarschaft vorhanden waren. „Schloss Schönbrunn ist etwa gelb gestrichen worden, weil es in Böhmen (gehörte damals zum Habsburger-Reich) Ockerbrüche gab”, berichtet der Malermeister. In Vorarlberg gibt es leider weniger Möglichkeiten, Farbstoffe zu gewinnen. Aber wenn man sich auf die Suche macht, wird man auch hier fündig. Für einen Kunden hat Martin Pfister etwa Schiefer, der direkt auf dem Grundstück vorhanden war, zu grauer Wandfarbe verarbeitet.

Farben haben aber auch Auswirkungen aufs Gemüt.

Das ist längst kein Geheimnis mehr. Martin Pfister hat sich in den letzten Jahren intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt, eine Ausbildung zum diplomierten Lebensraum-Energetiker abgeschlossen. Wenn seine Kunden dies wünschen, testet er sie zudem kinesiologisch aus und mischt den Wandfarben Essenzen bei, die den Bewohnern der Räume besonders gut tun. So haben etwa die Wohnräume einer Familie in Sulz durch den neuen Anstrich nicht nur neue Dimensionen angenommen. „Meine Kunden berichten, dass sich das Raumklima einzigartig verbessert hat”, freut sich der experimentierfreudige Malermeister. Er führt dies darauf zurück, dass er der Farbe Essenzen beigemischt hat, die er vom Apfelbaum der Familie gewonnen hat. „Dieser Baum hat schon viele Jahrzehnte überdauert und das Haus bereits während seiner Entstehung behütet. Der Einfluss dieser Essenzen ist spürbar,” ist er überzeugt.

Durch diese neuen Erkenntnisse im erlernten Metier hat sich Martin Pfister wieder neu für seinen Beruf begeistert. In enger Zusammenarbeit mit den späteren Nutzern möchte er inspirierende Räume schaffen, die den Menschen Energie geben für ihre Vorhaben – getreu seinem Firmenslogan

„Martin Pfister… streicht die Wände mit Wohlbefinden.”

„Während normale Industriefarben aus weniger als zwanzig Abtönpasten bestehen, habe ich mehr als 120 natürliche Farbpigmente zur Verfügung,” freut sich Martin Pfister über endlos viele Schattierungen von einzigartiger Brillanz. Außerdem geben Naturfarben keinerlei Schadstoffe ab. „Das wirkt sich ganz wesentlich auf das Wohlbefinden der Menschen aus”, ist er überzeugt.


Fotos: TM-Hechenberger