„Ich muss nicht gleich nach Asien reisen, um mich zu finden.”

Kilian Benno Moll ist ein Tausendsassa. Er kocht, spielt leidenschaftlich gern Theater, hat Esel gezüchtet, als Logistiker gearbeitet, war 13 Jahre lang Vize-Bürgermeister von Dünserberg, ist seit mehr als 25 Jahren aktives Mitglied der Ortsfeuerwehr und bietet seine Dienste als Waldpädagoge und Coach an. Seinen alten Walserhof hat er zum Event-Gasthof und Seminarhaus umgebaut – mit eigenwilligem Konzept.

FOTOS: TANJA EGGER

Der Bischahof liegt auf einer Höhe von 1200 Metern am Dünserberg. Von der Terrasse bietet sich ein spektakulärer Ausblick auf den Walgau und die Gipfel des Rätikon bis ins hinterste Montafon. Das alte Walserhaus mit „Seelalöchle” und Herrgottswinkel geht auf das 15. Jahrhundert zurück, wurde aber um 1750 abgerissen und neu aufgebaut. Kilian Molls Urgroßvater hat den Hof einst gekauft, über viele Jahre hat die Familie  – mit vielen Entbehrungen – am steilen Berghang eine Landwirtschaft betrieben. Die Tiere haben den Hof inzwischen verlassen, die alten Stuben wurden renoviert. 

Ein großer Holzherd ist zum Mittelpunkt geworden. Um den versammeln sich die Gäste des Bischahofs und erleben „live” mit, wie Kilian Moll vielerlei Speisen zubereitet – ganz ohne Mikrowelle und Konvektomat. Er setzt auf eine authentische Küche aus regionalen, nachhaltig produzierten Zutaten, wagt sich aber auch an ungewöhnliche Kombinationen, serviert immer auch Vegetarisches, auf Wunsch sogar vegane Speisen. Er liebt die Küche der legendären Fanny Amann, seine besondere Leidenschaft gehört Pasteten und Soufflés. „Pasteten waren früher ein Arme-Leute-Essen”, erklärt er seinen Gästen gerne. Während die Reichen die besten Stücke frisch zubereiteten, mussten die weniger Betuchten aus den nicht so begehrten Stücken etwas zaubern, das sich auch über längere Zeit frisch hielt. An Soufflés reizt ihn die Herausforderung. Die Küche ist offen, da kann jeder unbedachte Luftzug dazu führen, dass die lockere Masse in sich zusammenfällt. Seinen Gästen gefällt es, dass sie Zeugen der Entstehung werden. Sie schätzen dann umso mehr, was auf ihren Tellern landet. 

Mama Martina ist für die Deko verantwortlich.

Doch nicht jeder kommt in diesen Genuss. Denn der Bischahof hat keine geregelten Betriebszeiten. Die Gaststube wird nur für besondere Events geöffnet – Weihnachtsfeiern etwa, Geburtstage, Jubiläen, Hochzeiten, Kochkurse, Workshops oder Seminare. Unterstützt von seiner Mutter Martina und den beiden Schwestern serviert Kilian Moll auch mal „Dorfgeschichten” zum Geburtstagsessen. Erst nach und nach erkennen die Gäste, dass sie Teil eines Theaterstücks sind, welches das Geburtstagskind für sie gebucht hat.

Die Arbeit verschiedener Seminarleiter und Coaches hat Kilian Moll letztlich zu seiner neuesten Passion inspiriert. Er war fasziniert von den Methoden, mit denen ein Coach Prozesse in Gang bringt, welche die Menschen weiterbringen, wie sich da plötzlich Lösungswege auftun. „Außerdem wollte ich wieder mehr mit Menschen zu tun haben.” Kurz entschlossen begann er 2012 seine erste Ausbildung zum Coach und bildete sich stets weiter. Inzwischen hat er eine eigene Firma für Coaching und Training in Liechtenstein, hat sich auf Systemisches Coaching spezialisiert. So kommt es, dass Unternehmen am Bischahof „Soft Skills Kochkurse” buchen können. Beim Zubereiten eines mehrgängigen Menüs sollen Teamfähigkeit, Führungsqualitäten, Empathie und Projektmanagement gestärkt werden. „Das ist ein richtiges Projekt”, erklärt Kilian Moll. Gemeinsam wird die Speisenfolge zusammengestellt, werden die Zutaten besorgt. Schon das muss klappen. Denn es gibt keinen Laden in der Nähe, bei dem man Vergessenes noch schnell besorgen könnte. In kleinen Gruppen werden dann die einzelnen Gänge zubereitet. Auch da gilt es, sich abzusprechen. Denn gekocht wird am Holzherd. Das dauert etwas länger als gewohnt. Zudem müssen sich die einzelnen Teams den Herd teilen – und trotzdem soll alles rechtzeitig fertig, der Tisch gedeckt und der Wein richtig temperiert sein. „Wenn sie nett sind, trauen sie sich, den Chef zum Essen einzuladen”, lacht Kilian Moll, der seinerseits im Vorfeld die Planung vornimmt, die Teilnehmer mit Gruppen-Übungen und Teambuilding-Spielen „aufwärmt” und darauf achtet, dass die Köche das Ziel des Seminars nicht aus den Augen verlieren. Oft sind dies Spannungen zwischen Mitarbeitern verschiedener Generationen, die abgebaut werden, oder ungute Gruppendynamiken, die sich verbessern sollen.

Als ausgebildeter Wald-, Natur- und Landwirtschaftspä­dagoge hat Kilian Moll zudem das Rüstzeug und die nötige Ortskenntnis, Seminarteilnehmer auf „Motivationsspaziergänge” mitzunehmen oder ihnen auf den Wiesen im Umfeld des Bischahofs Gelegenheit zu bieten, sich in der Natur zu erfahren. „Es ist so wunderschön hier. Ich muss nicht gleich nach Asien fahren, um mich zu finden”, ist er überzeugt. Seiner Erfahrung nach steckt man – zurück im Alltag – rasch wieder in den bekannten Situationen fest, wenn die neuen Verhaltensmuster in einem völlig anderen Umfeld eben erst erworben wurden. Als Anhänger von „Powercoaching”  setzt er auf kurze Einheiten – und die dafür öfter. Dabei geht es ihm darum, den Dingen auf den Grund zu gehen, die eigenen Gefühle bewusst wahrzunehmen. „Erst wenn ein Gefühl Raum und Platz kriegt, kann man es loswerden.”

Generell rät er jedem, der sich persönlich oder beruflich verändern will, zum Coaching. Wer sich den richtigen Fragen stellt, bekommt mehr Klarheit und einen Blick aufs Ganze. Dadurch wird es leichter, Verhaltensmuster zu ändern, man erhält Zugang zu Ressourcen und Kompetenzen. „Coaching unterstützt in jeder Lebenslage”, ist Kilian Moll überzeugt.