Landtagswahlen – Markus Wallner im Interview

Anfang Oktober stehen die 16. Wahlen  des Vorarlberger Landtages (seit 1945) an. Aus diesem Anlass führten wir ein Interview mit Landeshauptmann Markus Wallner. Den inhaltlichen Schwerpunkt legten wir auf die Region Walgau und die Stadt Bludenz – in der ja das allerhand! seit mehr als drei Jahren vierteljährlich an alle Haushalte ausgeliefert wird.

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Herr Landeshauptmann, am 13. Oktober wird der Landtag neu gewählt. Damit stehen vor allem auch Sie bzw. die Leistungen ihrer Landesregierung in den vergangenen fünf Jahren auf dem Prüfstand. Was haben Sie für ein Gefühl?
Ich glaube wir haben in den letzten fünf Jahren viel in Vorarlberg weitergebracht. Ein Indiz dafür ist, dass wir die niedrigste Arbeitslosenquote seit 15 Jahren haben. Aus den vielen Projekten und Maßnahmen, die wir initiiert haben, möchte ich besonders eines hervorheben: Wohnen ist ein Grundbedürfnis und muss leistbar sein. Weil gerade bei uns die Herausforderungen groß sind, haben wir bereits im Jahr 2014 eine große gemeinnützige Wohnbauoffensive ins Leben gerufen, um eine gewisse Entlastung zu erreichen. In den letzten fünf Jahren haben wir dementsprechend für rund 3.800 gemeinnützige Wohnungen Förderzusagen erteilt. Davon werden in der gesamten Legislaturperiode insgesamt knapp 8.400 Menschen profitieren – das entspricht ziemlich genau der Einwohnerzahl von Wolfurt. Zudem haben wir unter dem Stichwort „Wohnen 500” ein weiteres Projekt zur Schaffung von günstigem Wohnraum ins Leben gerufen. Bis zum Jahr 2020 sollen dabei weitere kostengünstige Wohnungen errichtet werden, die ca. 65 m² groß sind und deren Mietkosten inkl. Betriebskosten nur rund 500 Euro betragen. Auch die Wohnbauförderung – unser wichtigstes Instrument zur Schaffung von Eigentum – haben wir weiter ausgebaut und so in den letzten fünf Jahren ca. 750 Millionen Euro an Wohnbauförderungsmitteln ausbezahlt. Davon haben bisher über 5.300 Haushalte profitiert. Klar ist allerdings, dass wir im Bereich des Wohnens unsere Anstrengungen noch weiter ausbauen müssen. 

Es ist also doch einiges passiert in den vergangenen fünf Jahren. Wenn wir auf die Region Walgau und die Stadt Bludenz schauen: In welchen Projekten hat sich hier das Land besonders und besonders gern engagiert?
Das Schwimmbad in Nenzing, die Erneuerung des Val Blu, die Rodelbahn in Bludenz, aber auch die Eröffnung der neuen Ambulanzen und des Notfallbereiches am Landeskrankenhaus Bludenz fallen mir da ganz spontan ein. Das waren alles wichtige Projekte für die Region, die wir tatkräftig unterstützt haben. Aber auch ganz aktuell der Jupident-Umbau in Schlins und der Baubeginn der Anschlussstelle Bludenz-Bürs. Gerade Zweiteres ist ein wesentliches Schlüsselprojekt für unsere Straßeninfrastruktur und für die Verkehrsentwicklung in der Region. Wir investieren hier gemeinsam mit der ASFINAG insgesamt 28 Millionen Euro netto in zwei neue Kreisverkehre und vier neue Brücken zur Entlastung der Anrainerinnen und Anrainer vom Ausweichverkehr, der Reduzierung der Unfallzahlen und zur besseren Erreichbarkeit der Autobahn.

Mit dem Bildungszentrum Hofen Frastanz, Kindercampus Bludesch und Bildungscampus Nüziders wurden aber auch wichtige Bildungsinitiativen vorangetrieben. Bei diesen Projekten, die ohne die Beiträge des Landes nicht finanzierbar wären, geht es um fortschrittliche Bildungskonzepte. Welche Strategie verfolgen Sie mit den gezielten Investitionen in die Region?
Mir ist es grundsätzlich enorm wichtig, dass wir in allen Landesteilen Vorarlbergs gleichwertige Lebensbedingungen haben und dass zwischen den Ballungsräumen und den ländlichen Gegenden kein Ungleichgewicht entsteht. Viele Herausforderungen in Vorarlberg können nur gelöst werden, wenn das Land und unsere Gemeinden eng zusammenarbeiten. Gleichzeitig sind jegliche Investitionen in die Bildung Investitionen in die Zukunft des Landes. Aus diesem Grund haben wir die Bemühungen der Gemeinden, unseren Familien ein in Quantität und Qualität familiengerechtes Betreuungs- und Bildungsangebot zu bieten, selbstverständlich gerne unterstützt. 

Der Klimaschutz ist in aller Munde: Was kann das kleine Land Vorarlberg, das sich ja offiziell im Klimanotstand befindet, beitragen?
Der weitere Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Punkt. Zudem hat das Land Vorarlberg mit der Energieautonomie im Jahre 2009 nicht nur in Österreich, sondern weit über die Landesgrenzen hinaus eine wichtige Vorreiterrolle übernommen. Das Ziel: Bis 2050 soll der Energieverbrauch in Vorarlberg vollständig mit erneuerbaren Energien abgedeckt werden. Wir sind auf einem guten Weg und der Ausbau der erneuerbaren Energien in Vorarlberg schreitet zügig voran. 40 Prozent unseres Bedarfs decken wir schon heute mit Energie aus Biomasse, Wasser- sowie Sonnenkraft ab. Im Zeitraum von 2005 bis 2016 konnten wir hier ein Plus von 22 Prozent erzielen – bei gleichzeitigem Rückgang der Öl-Nutzung um beinahe die Hälfte. Auch die CO2-Emissionen sind insgesamt seit 2005 rückläufig. Viele kleine Schritte haben vieles bewirkt. Jetzt geht es darum, dass wir an den Zielen der Energieautonomie auch weiterhin hart und unaufgeregt weiterarbeiten! 

Zum Schluss: Warum sind Sie trotz aller globalen und lokalen Herausforderungen ein Optimist?
Ich glaube, weil man sich auf die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger verlassen kann. Wir stehen derzeit gut da und die Menschen haben ein Gespür für das, was unsere Region so besonders macht: schaffig, ein starkes ehrenamtliches Engagement, innovativ und der viel zitierte Hausverstand. 

Mit dem Frastanzer Landeshautpmann Mag. Markus Wallner und Landtagspräsident Mag. Harald Sonderegger (Schlins), sowie den Landtags-Abgeordneten Manuela Auer (Bludenz) Bgm. Mag. Harald Witwer (Thüringen) und Joachim Weixelbaumer (Bludenz) stellt die „allerhand!-Region” im Landhaus eine überdurchschnittlich starke „Truppe”: Der Bludenzer Stadtrat Christoph Thoma hat gute Chancen, ebenfalls den Sprung in den Landtag zu schaffen, eventuell gelingt das auch Kornelia Spiß aus Nenzing.