Weber & Weber: Von Gurtis/im Loch auf die Laufstege der Welt

Sie setzen auf traditionelle Handwerkskunst und neue Ideen, edle Materialien, die mit dem Alter immer schöner werden, und möchten ab 2019 davon leben können: Christian und Manuel Weber haben 2014 ihre erste eigene Kleider-Kollektion präsentiert, 2015 wurden sie von der italienischen Vogue zum kreativsten Herren-Label gekürt. Ihr Motto: Slow Fashion. Ihr Firmenstandort: Gurtis/Im Loch.

FOTOS: WEBER & WEBER, CHRISTA ENGSTLER, TM-HECHENBERGER

Christian Weber wollte immer schon Kleider machen. Als Kind war er fasziniert von den Stoffen, welche in den Textilfirmen produziert wurden, in denen sein Vater als Geschäftsführer tätig war. Doch die Eltern des Dornbirners verlangten, dass er zuerst etwas „Ghörigs” lernt. Deshalb hat er brav die Handelsakademie in Lustenau absolviert, bevor er sich nach Kalifornien absetzte, um dort am Art Tech College Design und Stoffverarbeitung von der Pike auf zu studieren. Angesichts der hohen Studiengebühren zog er die Ausbildung innerhalb von zwei Jahren durch.

Zurück in Europa hat er für führende Hersteller entworfen, die Trachten-Spezialisten Habsburg und Gössl ebenso wie Handstich, Frauenschuh, Burlington, Baldessarini oder Versace. „Die fünf Jahre in Mailand haben mich besonders geprägt”, erzählt Christian Weber. Vor allem hat er in dieser Zeit enge Kontakte zu kleinen Handwerksbetrieben geknüpft, die heute in seinem Auftrag und nach seinen Entwürfen hochwertige Sakkos, Hosen, Hemden und Accessoires herstellen. Die Menschen, die er damals kennenlernte, haben ihn auch ermutigt, eine eigene Kollektion zu entwerfen und ihn mit Rat und Tat dabei unterstützt. Er nimmt zwar immer noch Design-Aufträge von anderen Firmen an. Doch langfristig möchte er seine Ideen ausschließlich unter eigenem Label verwirklichen.

„Nur edles Material altert edel. Billige Stoffe werden schäbig.” – Bei der Materialauswahl lassen sich Manuel (Mitte) und Christian Weber (rechts) nicht auf Kompromisse ein.

Christian ist aber nur eine Hälfte von Weber & Weber. Sein Partner Manuel ist für das Management zuständig, beweist bei der Auswahl der Materialien ein sicheres Händchen, duldet dabei keinerlei Kompromisse. Manuel Weber ist über Umwege in die Textilbranche gelangt. Aufgewachsen auf einem Bergbauernhof in Kärnten, hat er sich zum Floristen und Landschaftsgärtner ausbilden lassen, ist schlussendlich aber in der Gastronomie gelandet. Dort jobbt er auch jetzt noch nebenher, solange die eigene Firma nicht genügend Geld abwirft. Denn es ist kostspielig, eine eigene Kollektion herstellen zu lassen −vor allem, wenn man dabei nur zu den feinsten Garnen, den hochwertigsten Stoffen greift und diese auch noch in bester Schneider-Manier verarbeiten lässt.

Herren-Mode von Weber & Weber wird in bester Schneidemanier gefertigt.

Trotzdem haben die beiden dieses Abenteuer 2014 in Angriff genommen – und zwar in Gurtis – Christians Lieblingsplatz von Kindesbeinen an. Seine Großeltern hatten in den 60ern in der Nenzinger Bergparzelle ein kleines Ferienhaus gebaut. „Ich habe dort Schi fahren gelernt und bin sogar mit der Vespa von Dornbirn aus nach Gurtis gefahren”, schwärmt der Designer. Als die Großeltern das Haus aus Altersgründen nicht mehr so nutzen konnten, haben sie es dem Enkel überschrieben. Gemeinsam haben Christian und Manuel Weber das Haus renoviert und ausgebaut, im Steilhang einen schönen Garten angelegt. Gurtis ist jetzt ihr Zuhause, ihre Inspirationsquelle, der Ruhepol, an dem sie sich von stressigen Reisen nach Mailand, München oder Venedig erholen. „Wir sind sehr happy hier”, erklären die beiden und anerkennen, dass sich das früher eher konservative Vorarlberg zu einem Architektur-, Kultur- und Genussland entwickelt habe, das zudem mit einer schönen Natur und zentraler Lage punktet. Und es war auch ein Vorarlberger, der den beiden Jungdesignern auf Anhieb vertraute und sie so ermutigte: Clemens Sagmeister vom gleichnamigen Modehaus war ihr erster Kunde, präsentierte Herrenmode von Weber & Weber 2015 erstmals in seinen Geschäften. Nach und nach konnten die beiden aber auch Herrenausstatter in München, Salzburg und zahlreichen anderen Städten überzeugen.

Herren-Ausstatter Wilfried Heim aus Bludenz hat die Modelle von Weber & Weber in sein Sortiment aufgenommen und trägt sie auch selbst.

Christian und Manuel Weber gehen konsequent ihren eigenen Weg. Anstatt schnelllebigen Trends nachzujagen, stecken sie ihr Stilgefühl und ihr Können in zeitlose Teile, die perfekt sitzen und durch langes Tragen immer schöner werden. Das Material beziehen sie möglichst aus der Umgebung – etwa Lodenstoffe aus Tirol oder der Steiermark. „Wir sind überzeugt davon, dass der Tag kommt, an dem man für ein Kleidungsstück lieber hundert Euro mehr ausgibt und dieses dafür lange trägt.” Skeptikern geben die beiden zu bedenken: „Es kann einfach nicht sein, dass eine Jeans um zwanzig Euro unter menschlichen Bedingungen hergestellt wurde.”

Die Modelle von Weber & Weber sollen nicht im Müll landen. Deshalb geben Christian und Manuel Weber  ihren Kunden sogar eine „lebenslange Reparaturgarantie”. Um sich von der schnelllebigen Modewelt abzusetzen, haben sie das italienische Wort Sartoria – Schneiderhandwerk – hinter den eigenen Namen gesetzt. Sie sehen sich nämlich als Kleidermacher.

Nach bester Schneiderkunst in Italien genäht

Die pfiffigen Sakkos, Hosen, Gilets und Hemden werden in kleinen Familienunternehmen in Italien hergestellt, die zum Teil auch für die großen Namen produzieren. Indem sie sich teure Werbeauftritte sparen, soll das gute Stück von Weber & Weber aber trotzdem finanzierbar bleiben. „Die gleiche Qualität kostet anderswo doppelt soviel”, ist das Mode-Duo überzeugt.

Weil das Haus in Gurtis angesichts der rasanten Entwicklung ihres Unternehmens aus allen Nähten platzte, haben Christian und Manuel Weber momentan ein Ausweichquartier in Hohenems bezogen, bei der Firma Wallmann Textil Arbeits-Räume angemietet. Sobald sich aber eine geeignete Immobilie in Gurtis gefunden hat, sollen die Stoffmuster, Kollektionstafeln und Entwurfsmappen der jungen Firma wieder dorthin übersiedeln. „In der ersten Saison haben wir 60 Teile verkauft”, verraten die beiden. Aktuell liegen sie bei 3000-4000. Bei 5000 wäre der „Break even” erreicht…