„Lernt Instrumente, macht Musik!“

Fallen Up bei ihrem Auftritt in der Remise Bludenz.

Die Bludenzer Metal-Band „Fallen Up“ ist auf dem Sprung nach ganz oben: Auftritte hatten sie bereits in ganz Österreich und darüber hinaus. Ende Februar präsentierten sie ihr neuestes Album „dead heart‘s lullaby“ in der Remise Bludenz. Wie die Jungs von „Fallen Up“ träumen viele Walgauer und Bludenzer Bands von einer Karriere in der Welt des Rock n‘ Roll.

Doch das Musikbusiness ist kein leichtes. Die Konkurrenz ist groß und um ein erfolgreicher Musiker zu werden, muss viel Zeit und Arbeit investiert werden. Das weiß auch Rene Bogdanovic, Sänger und Gitarrist der Band „Land of Ian“ und ehemaliges Mitglied von „Bravo Charlie“. „Bis man sich mit seinem Instrument und später auch zusammen mit einer Band auf ein musikalisch hohes Niveau gebracht hat, das braucht natürlich seine Zeit. Doch wenn man mit Liebe und Leidenschaft dahinter ist, kann man mit seiner Musik viele Menschen berühren.“

Rene Bogdanovic mit seinen Band-Kollegen von "Land of Ian"
Rene Bogdanovic mit seinen Band-Kollegen von „Land of Ian“

Viele haben ihre Leidenschaft zur Musik in einer der insgesamt 18 Musikschulen in Vorarlberg entdeckt. Drei dieser Musikschulen befinden sich in der Region Walgau und Bludenz. Dies sind die Musikschule Walgau in Nenzing, die Musikschule Bludenz und die Musikschule Blumenegg/Großes Walsertal. Allein in diesen drei Musikschulen unterrichten insgesamt 91 Lehrer über 2100 Schüler. Neben den klassischen Instrumenten versuchen sich auch viele Schüler an Instrumenten wie E-Gitarre, E-Bass oder Schlagzeug.

Mangel an Proberäumen

Eher schwierig ist es im Walgau, einen Proberaum zu finden. Deshalb proben die meisten Bands etwa in den häuslichen Räumlichkeiten eines der Mitglieder oder von Bekannten. Auch Rene startete seine Karriere als Gitarrist und Sänger im Haus des Bassisten: „Proberäume sind rar und oft sehr kostspielig. Mehr Angebot wäre hier gut.“ Deutlich besser ist aus Sicht des 24jährigen das Angebot an Auftrittsmöglichkeiten. „Es gibt viele Veranstalter, die regelmäßig Konzerte organisieren. Das Angebot im Walgau ist eigentlich recht groß.“ Ein musikalisches Highlight in der Region ist zum Beispiel das jährliche Woodrock-Festival in Bludenz-Hinterplärsch, das heuer bereits zum 21. Mal stattfindet. Während dieses bereits internationale Größen annimmt, stehen kleinere, noch eher unbekannte Events im Walgau erst am Anfang. Ein Beispiel dafür ist das „Soundcheck-Openair“ in Thüringen, das seit 2010 vom Verein „Fresh and easy“ organisiert wird. „Musik ist ein wichtiger Bestandteil der Jugendkultur. Wir wollen jungen Bands die Möglichkeit geben, diese ausleben zu können und nebenbei noch Gutes tun“ erklärt der 21jährige Mitorganisator David Stecher. Bisher waren nämlich fast alle „Soundcheck“-Openairs auch Charity-Events. Rund 7000 Euro wurden für soziale Zwecke eingespielt.

 

Dirty Widows: David Stecher aus Gantschier, Joachim Fischer aus Thüringen, Laurenz Hennig aus Ludesch
Dirty Widows: David Stecher aus Gantschier, Joachim Fischer aus Thüringen, Laurenz Hennig aus Ludesch

 

David Stecher hat selbst bereits einige Erfahrungen als Musiker gemacht. Mit seiner Band „ Dirty Widows“ spielte er auf zahlreichen Bühnen. Derzeit nimmt die Band ihr zweites Studioalbum (Titel: „Great Ape Gambling“) auf. Es beinhaltet einen Mix aus Punkrock und Alternative, garniert mit sozialkritischen Texten. Das geplante Erscheinungsdatum ist der 27. Mai. Wer die Jungs schon vorher in Aktion sehen will, kann dies zum Beispiel auf der Nüziger Rocknacht am 14. Mai tun. Diese ist eine Veranstaltung des FC Nüziders und jährt sich heuer bereits zum 23. Mal.

Aller Anfang ist schwer

Um sich als Band einen Namen zu machen, gibt es in Vorarlberg diverse Möglichkeiten.  Da wäre etwa der 3×30-Talentwettbewerb im Join Nenzing. An drei Terminen haben jeweils drei Bands 30 Minuten Zeit, um Publikum und Jury zu überzeugen. Auf die Gewinner warten fantastische Preise wie  eine professionelle Studioaufnahme oder die Produktion eines eigenen Musikvideos, welche die Karriere einer Band deutlich vorantreiben können. Auch der „Talente“-Wettbewerb im Conrad Sohm in Dornbirn lockt jedes Jahr mit unglaublichen Gewinnen, wie einem Auftritt beim Lustenauer Szene Openair und sogar beim Frequency-Festival in St. Pölten. Ein Auftritt vor so großem Publikum kann sehr wohl Türen für weitere Gigs öffnen. Auch Walgauer Bands haben schon beim „Talente“ gewonnen, wie 2014 die Indie/Alternative Rock-Band „Vertigo.“

Prinzipiell hätten es Coverbands (gewisse musikalische Qualität natürlich vorausgesetzt) eher leichter, Auftrittsmöglichkeiten zu finden, meint Rene Bogdanovic. Diese werden nämlich oft für Hochzeiten und andere Feste gebucht. Wenn man nun möglichst schnell finanziellen Gewinn als Band machen will, empfiehlt es sich also, auch einige Cover von Rock-Klassikern und aktuellen Hits ins Repertoire aufzunehmen. „Wenn man sich als Coverband erst etabliert hat, kann man schnell auch für größere Veranstaltungen wie etwa Schulbälle engagiert werden“, weiß Rene aus langjähriger Erfahrung im Musikbusiness. Das Wichtigste und für Rene Voraussetzung, um überhaupt Bekanntheit zu erlangen, sei aber Präsenz im Internet und die Nutzung sozialer Netzwerke. „Jede Band sollte auf irgendeine Weise im Netz vertreten sein und zumindest einen Song online haben, den sich andere anhören können.“ Mit Hilfe des Internets ist es im Vergleich zu früheren Zeiten erheblich einfacher, als Band an Aufmerksamkeit zu gewinnen. Eine ausgezeichnete Plattform für den Austausch zwischen Vorarlberger Musikern, Musikinteressierten und Veranstaltern ist v:tunes (siehe unten).

Rene Bogdanovic kann das Bandleben jedenfalls allen jungen Rockbegeisterten empfehlen. „Lernt Instrumente, gründet Bands, macht Musik! Man lernt neue Leute kennen, und blickt später auf viele schöne Erinnerungen zurück.”

 

v:Tunes – die homebase für Musikinteressierte in und um Vorarlberg

v:tunes ist ein gemeinsames Projekt von „360 – Vorarlberger Jugendkarte“ und der Kulturabteilung der Vorarlberger Landesregierung und wurde in Zusammenarbeit mit „GAU (GarageArtsUnited)“ entwickelt. Es handelt sich um eine Plattform, auf der sich Musikinteressierte mit eigenem Profil, Fotos und Songs präsentieren können. Neben einer Börse für Instrumente, Proberäume etc. bietet die Plattform die Möglichkeit zum Informations- und Wissensaustausch. Zusätzlich werden in regelmäßigen Abständen Workshops und Infoabende veranstaltet. Außerdem können Gastronomen ihr Lokal registrieren und so für Auftritte zur Verfügung stellen. Andersherum können sich registrierte Bands auch bei den Wirten um einen Auftritt in deren Lokal bewerben. Durch Kooperation mit der Fachgruppe Gastronomie und Hotellerie der Wirtschaftskammer und des Veranstalterverbandes werden Gastronomen auf v:tunes nun sogar im Sinne einer Teilbezahlung des Künstlerhonorars unterstützt. Weitere Informationen unter http://www.v-tunes.at

Fotos: Julian Neyer, Dirty Widows, Land of Ian
Text: Bernhard Hechenberger