Technik-Festspiele auf dem See ausgezeichnet

Mit dem „Opus” für das Rigoletto-Bühnenbild haben die Bregenzer Festspiele bereits zum dritten Mal diesen bedeutenden internationalen Bühnenpreis erhalten. Dieser Erfolg fußt (auch) auf Bäumen aus Nenzing und der Facharbeit von Walgauer und Bludenzer Betrieben.

FOTOS: TM-HECHENBERGER, BREGENZER FESTSPIELE, CHRISTA ENGSTLER, DIETMAR MATHIS

„Wir freuen uns sehr, Teil dieses wunderbaren Projektes zu sein”, schwärmt Ing. Bernhard Geiger. Der Chef des gleichnamigen Metallbaubetriebes in Nenzing ist stolz darauf, dass ihn die Bregenzer Festspiele schon seit vielen Jahren für den Bühnenbau auf dem See engagieren. Denn die Anforderungen an alle beteiligten Planer, Techniker und Konstrukteure sind besonders anspruchsvoll – und für die Mitarbeit am Bau der größten Seebühne der Welt engagiert zu werden, kann durchaus als eine besondere Auszeichnung verstanden werden. 

„Die Herausforderungen für so einen Bühnenbau sind enorm”, bestätigt Wolfgang Urstadt, der technische Leiter der Seebühne der Bregenzer Festspiele. Die einzelnen „Rigoletto-Bauteile”, die von Bühnenbildner und Regisseur Philipp Stölzl vorgegeben waren, müssen die verschiedensten Funktionen erfüllen können. Dabei sind je nach Bühnenelement einmal besonders die Stahlbauer gefragt, ein anderes Mal gilt es speziell für die Holzbauer oder die Maschinenbauer, nicht alltägliche Probleme zu lösen. 

Nur die Besten bei den Festspielen

„Es hat sich deswegen bewährt, verschiedene Spezialisten mit der Realisierung der einzelnen Bühnenelemente zu beauftragen”, erklärt Urstadt. Besonders gern setzt man dabei natürlich auf Partner, die sich schon bewährt haben. „Neue”, die sich an den Ausschreibungen beteiligen, werden natürlich auch in Betracht gezogen – müssen aber entsprechende Referenzen vorlegen und nachweisen können, dass sie von der personellen und technischen Ausstattung her in der Lage sind, im „Team Seebühne” mitzuhalten.

Beim aktuellen Bühnenbild für die Oper Rigoletto war die Nenzinger Firma Geiger mit dem technischen Unterbau für die beiden Hände und mit der Projektleitung für die „Hand Bregenz”- welche den Ballon festhält – betraut.

Ing. Bernhard Geiger freut sich über das Vertrauen der Festspiele.

„Dazu muss zuerst eine Lastenverteilungs-Konstruktion geplant, berechnet und gefertigt werden”, erklärt Ing. Geiger. Diese Stahlkonstruktion wird dann unter Wasser auf Holzpfähle montiert. Allein für die Unterkonstruktionen der beiden sechs bzw. elf Meter hohen Hände waren 24 Pfähle notwendig. Diese wurden von einem Spezialschiff und mit GPS-Steuerung zentimetergenau an den dafür berechneten Stellen rund sechs Meter tief in den Seegrund gerammt. „Die benötigten Fichtenstämme hat die Agrar Nenzing ausgesucht und geliefert”, verrät Geiger, dass damit die Basis des Rigoletto-Erfolges gewissermaßen auf Nenzinger Bäumen fußt.

Die Pläne für die Bauteile zu zeichnen und sie technisch exakt umzusetzen ist noch die leichtere Übung: Montiert werden müssen die Konstruktionen – wegen der Größe und des Gewichtes in vielen Einzelteilen – vor Ort. „Das geschieht hauptsächlich in den Monaten Februar und März”, erklärt Bernhard Geiger, der den 1970 von seinem Vater in Gurtis gegründeten Betrieb 1994 übernommen und 2003 im Gewerbegebiet Nenzing neu errichtet hat.

Die Grenzen des Machbaren neu definiert

Um diese Jahreszeit ist es am See nicht immer gemütlich. Nicht selten müssen die Arbeiten bei Vereisungsgefahr aus Sicherheitsgründen unterbrochen werden – wodurch der Termindruck weiter steigt. Um alles zeitgerecht fertigstellen zu können, setzt Geiger natürlich ebenfalls auf zuverlässige und kompetente Partner. Die Nenzinger Firma Ammannbau lieferte die Betonfertigteile für die Handkrausen der Puppenhände – tonnenschwer und millimetergenau vorgefertigt.

An anderer Stelle des Bühnenbildes war der Frastanzer Maschinenbauer Reisch am Werk. Diese Firma gehört schon seit 30 (!) Jahren zum Pool der bewährten Bregenzer Seebühnenbauer. Weil immer alles geklappt hat, wurde Reisch als Hauptauftragnehmer für die Augen samt der dahinterstehenden ausgefeilten Bewegungstechnologie engagiert: Dieser Teilauftrag gehörte zu den anspruchsvollsten Aufgaben überhaupt. Die drei Meter hohen Augen mussten in vorgegebenen Winkeln gedreht und geneigt werden können. Die Augenlider sollten in weniger als zwei Sekunden zu schließen sein. Arno Reisch und seine Mitarbeiter haben sich dabei einmal mehr beweisen können und – gemäß ihrem Firmenmotto – „Sonderlösungen, die begeistern” abgeliefert. Die Konstrukteure und Maschinenbauer der Frastanzer Firma  Reisch haben damit einen wichtigen Beitrag für die hohe Auszeichnung geleistet.

Der Bühnenpreis „Opus” prämiert ja gerade außerordentliche künstlerische Leistungen beim Einsatz von Technik für die Gestaltung von Theaterproduktionen, Konzerten, Open-Air-Events und anderen Inszenierungen. Für das Bühnenbild der aktuellen Verdi-Oper war die Jury voll des Lobes und hob die „extrem anspruchsvolle hydraulische Steuerung der lebendig wirkenden Puppenteile” hervor. Die Festspiele haben damit laut Jury „die Grenzen des Machbaren neu definiert.”

DI (FH) Stefan Bitschnau, der in der Bludenzer Schmelzhüttenstraße gerade sein technisches Planungsbüro „Kaplina” erweitert, war bei dieser Erkundung der Grenzen mit von der Partie. In Bludenz wurde ausgetüftelt, wie man die elf Meter hohe und rund fünf Tonnen schwere „Hand Lindau” technisch ausrüsten muss, um die von der Regie gewünschten Bewegungsabläufe bieten zu können. Insgesamt mussten in das Traggerüst zehn Antriebe  integriert werden. Die gesamte Planung der Hand inklusive der Auslegung sämtlicher Getriebe und Hydraulikmotoren wurde von den Kaplina-Kon­strukteuren erstellt.

„Was die beteiligten Firmen und alle Mitarbeiter beim Bühnenbau von den ersten Planungsschritten bis zur Premiere leisten, das kann man als Festspielbesucher nur erahnen”, erläutert Technikchef Wolfgang Urstadt, der den Partnerfirmen höchsten Respekt zollt.

Rigoletto wird in der kommenden Saison erneut gezeigt, insgesamt sind für die Oper von Giuseppe Verdi an 28 Abenden rund 203.000 Karten aufgelegt. Die erste Vorstellung geht einen Tag nach Festspiel-Eröffnung am 23. Juli über die Bühne, das Saisonende 2020 ist am 23. August. Tickets sind vor allem noch für die zweite Festspielhälfte ab 10. August verfügbar unter www.bregenzerfestspiele.com.