Menschenbilder mit Patina


Es gibt wohl kaum eine Grünfläche, die ständig so stark bevölkert 
ist wie Reinhard und Hannelore Weltes Garten in Satteins. Paare schäkern ungeniert, Frauen rekeln sich nackt in der Sonne und schreiten selbstbewusst durchs Grün. In Grüppchen scheinen Halbwüchsige ins Gespräch versunken, ein Einzelgänger lungert am Tisch. All diese Persönlichkeiten haben eines gemeinsam: Sie trotzen zum Teil schon seit vielen Jahren Wind und Wetter. Reinhard Welte hat sie aus Beton geschaffen. 

FOTOS: TM-HECHENBERGER

Hannelore Welte hat das kreativeTun ihres Mannes immer unterstützt.

Reinhard Welte hatte es nicht immer leicht, seit er vor dreißig Jahren beschloss, den guten Job zu kündigen und sich ganz auf die Kunst zu konzentrieren. Seine Frau Hannelore war und ist ihm aber wichtiger Rückhalt. „Am Tag arbeiten und in der Nacht malen. Sie hat gemerkt, dass mir das alles zu viel wird”, erzählt der Satteinser. Außerdem war da noch der Musikverein, bei dem er das Flügelhorn spielte und für den Faschingsball aufwendige Kulissen gestaltete. Das Malen konnte er aber einfach nicht lassen. Begonnen hatte dies schon während seiner Lehre zum Einzelkaufmann. Er besuchte damals eine Ausstellung von Martin Häusle. Als er versuchte, ein Selbstportrait des Malers, der ebenfalls in Satteins geboren war, zu kopieren, erntete er dafür viel Lob von Verwandten und Freunden. Das gab ihm den Ansporn, verschiedene Kurse zu besuchen und sich als Autodidakt immer weiter künstlerisch auszudrücken. 

„Individualität muss aus dem Herzen kommen”,
Seine Betonfiguren formt Reinhard Welte in der Waschküche des Hauses
beziehungsweise in einem kleinen Unterstand, den er sich im Freien gebaut hat.

hat Reinhard Welte für sich erkannt. Anfangs beschränkte er sich auf zweidimensionale Arbeiten in Öl, Aquarell oder Acryl. Doch schon bald wollte er seinen Werken „eine Vorder- und eine Rückseite geben”. Er experimentierte mit Ton und Gips und landete schließlich 1990 beim Beton. Mit verschiedenen Sandmischungen, Wasser, Baustahl, Verputzerkelle und seinen Händen formt er lebendig wirkende Körper, denen er mit Schleifpapier und verschiedenen Anstrichen  – mal eine grobe, mal eine glattpolierte „Haut” verleiht. Manche seiner Objekte wirken äußerst menschlich in ihrer Mimik und ihren Posen, während andere ihre Beziehung zueinander nur noch andeuten. Diese Abstraktion ist für ihn ganz logisch: „Der Mensch hat keinen geraden Strich im Gesicht. Es gibt nichts Abstrakteres als den Menschen.” Für Reinhard Welte hat es etwas Philosophisches, wenn er neue Formen in die Gesichter der Menschen bringt. Er freut sich, wenn Schulkinder an seinem Garten vorbeigehen und sich über seine Figuren unterhalten, wenn sie die Gefühle ihrer Betrachter anregen, jeder in ihnen etwas anderes sieht. Mit seinen Figuren will Reinhard Welte den Menschen keine Botschaft vermitteln, sondern einfach dazu anregen, dass sie über sich selbst nachdenken. Weil ihn die Natur immer schon fasziniert und inspiriert hat, ist es ihm eine besondere Genugtuung, dass seine Betonkunst im Garten Wind und Wetter trotzt, dass die Elemente ihr mit den Jahren sogar eine ganz eigene Patina verpassen. 

Betonkunst in Satteins und darüber hinaus

Obwohl er sich nur ungern von seinen Schöpfungen trennt, ist er doch stolz, dass einige seiner Skulpturen in Parks und Privatgärten in Vorarlberg und im benachbarten Ausland eine neue Bleibe gefunden haben und ihre Besitzer tagtäglich erfreuen. Regelmäßig transportiert er seine Figuren zu Ausstellungen in der Region und zur Bregenzer Garten.Kultur. Er kann dabei stets auf die Hilfe seiner Nachbarn und Freunde zählen, die ihm dabei helfen, die schweren Beton-Menschen zu verladen. Denn, obwohl so mancher den Kopf schüttelte, als sich Reinhard Welte 1987 entschloss, den Beruf an den Nagel zu hängen und sich als freischaffender Künstler durchzuschlagen, ist er in Satteins tief verwurzelt. So hat er denn auch im Laufe der Jahre kreative Spuren in seinem Heimatort hinterlassen. 1991 hat der umtriebige Künstler im Treppenhaus der Volksschule die Sage „Das goldene Kegelspiel” an die Wand gebannt. Das kunstvoll bemalte Keramikkreuz in der Kapelle Hauptmannsbild aus dem Jahre 1993 widmet sich den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges. Für die Lourdeskapelle schuf er 2007 einen Kreuzweg aus Tonreliefs, für das Feuerwehrhaus  2016 Lichtinstallationen, welche die vier Elemente bildlich darstellen. Mit Gleichgesinnten hat er zudem immer wieder Ausstellungen organisiert und Impulse gesetzt.  

„Ich hatte das Glück, dass gewisse Menschen immer hinter mir gestanden sind”, 

ist er diesen Zeitgenossen bis heute dankbar.

KUNST IM GARTEN: Am Pfingstwochenende, Samstag, 8. Juni ab 17.00 Uhr, Sonntag und Montag jeweils von 14.00 bis 18.00 Uhr, lädt Reinhard Welte in seinen Garten  (Untere Garsilla 3 in Satteins) ein. Die Ausstellung findet bei jeder Witterung statt.