Sommerpilze

Wer dieser Tage durch die Wälder streift, findet mit etwas Glück bereits Sommer- und Fichtensteinpilze sowie andere Röhrlinge. Sie alle leben in Partnerschaft mit Bäumen. Über die unterirdischen Pilzfäden versorgt der Pilz den Baum mit Wasser und Nährstoffen, während der Baum Energie in Form von Kohlehydraten an den Pilz abgibt. Diese Pilze sind deshalb sehr wichtig für gesunde Bäume. 

FOTOS: USCHI ÖSTERLE

Der Steinpilz gehört zur bekanntesten und beliebtesten „Beute” von Pilzsammlern. Die wenigsten wissen aber, dass es verschiedene Arten von Steinpilzen gibt. Der Fichtensteinpilz (Boletus edulis, Foto oben) ist der häufigste. Außerdem entdeckt man bei uns den Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) und – eher selten – den Kiefern-Steinpilz (Boletus pinophilus). Alle drei sind essbar. Sie haben am meist bauchigen Stiel eine weiße oder braune Netzzeichnung sowie braune Hüte, die von hell bis sehr dunkelbraun variieren.

Wegen der braunen Netzzeichnung am Stiel wird der bitter schmeckende und leicht giftige Gallenröhrling (Tylopilus felleus) manchmal mit dem Sommer- oder Kiefernsteinpilz verwechselt.Junge Gallenröhrlinge sind außerdem an der Hut-Unterseite weiß. Bei genauerer Betrachtung fällt allerdings ein rosa Schimmer auf, der sich mit der Zeit rosabräunlich färbt.

 

 

 

 

 

Den Flockenstieligen Hexenröhrling (Neoboletus luridiformis) findet man je nach Witterung ab Mitte Mai bis in den Herbst hinein auf saurem Boden bei Fichten und Weißtannen. 

Er ist – wie viele gute Speisepilze – roh stark giftig und muss deshalb mindestens 15 Minuten durchgebraten werden. Seinen Namen hat er aufgrund rötlicher Flocken am Stiel. An der Hutunterseite sieht man rötliche Poren, die sich – so wie der ganze Pilz – bei Verletzung aufgrund einer chemischen Reaktion blau färben. Die Verfärbung geht aber wieder zurück. Es gibt also beim Kochen keine blaue Sauce. 

Das Gerücht, dass es sich bei Pilzen, die sich blau färben, um Satanspilze handelt, hält sich hartnäckig. Der Satanspilz ist bei uns äußerst selten und riecht sehr unangenehm. Sein Stiel weist eine rote Netzzeichnung auf. Eine Blaufärbung gibt keinerlei Hinweis darauf, ob ein Pilz giftig ist oder nicht. 

 

 

 

 

 

Der Schönfußröhrling (Caloboletus calopus, li.) erscheint oft zur gleichen Zeit und am gleichen Ort wie der Flockenstielige Hexenröhrling. Er unterscheidet sich von diesem aber durch ein rotes Netz am Stiel und seine hellgelbe Hutunterseite. Er schmeckt sehr bitter und ist giftig. Alte Pilzbücher warnen davor, Hexenröhrlinge in Verbindung mit Alkohol zu genießen. Dies ist inzwischen widerlegt. Wer allerdings zum Grauen Faltentintling (Coprinopsis atramentaria, re.) ein Glas Wein genießt, muss mit heftigen Vergiftungserscheinungen rechnen. In neueren Pilzbüchern ist er deshalb als giftig gekennzeichnet.

Der bekanntere Schopftintling (Coprinus comatus), auch Spargelpilz genannt, macht in Verbindung mit Alkohol keine Probleme.

Uschi Österle, Obfrau des Pilzkundlichen Vereins Vorarlberg

„Anfängern empfehle ich, sich zuerst auf Röhrlinge zu beschränken. Man erkennt sie an den senkrecht stehenden, feinen Röhren an der Unterseite des Hutes. Denn alle tödlich giftigen Pilze, die bei uns wachsen, sind Blätterpilze. Diese haben unter dem Hut senkrecht angeordnete oder bis zum Stiel herablaufende Blätter (Lamellen). Das heißt aber nicht, dass man bei Röhrlingen weniger aufpassen soll. Denn einige von ihnen können heftige Magen-Darm-Reaktionen hervorrufen. Alte Pilzbücher sind zur Bestimmung von Speisepilzen nicht geeignet. Sie sollten keinesfalls älter als zehn Jahre sein.”