Der Amateur in der Profi-Weltelite

Philipp Schneider nutzt das Motorrad als Sportgerät. Und zwar sehr erfolgreich.

Trialfahrer sind die Akrobaten unter den Motorradsportlern: Mit scheinbarer Leichtigkeit hüpfen sie mit ihren Maschinen auf zwei Meter hohe Hindernisse, balancieren über Baumstämme von Fels zu Fels und stürzen sich waghalsig tiefe Schluchten bergab.

FOTOS: HARI PULKO, TM-HECHENBERGER

Schon Vater Christian war begeisterter Trialfahrer, Sohn Philipp stieg aber erst mit 15 ein – und ziemlich schnell auch auf: Mehrfach war er Vorarlberger und Bodensee-Trial-Meister. Im Alter von 23 lud ihn Günther Erhart vom Motorradcenter Oberland in Ludesch ein, beim Enduro-Team Vorarlberg mitzumachen. 

Philipp Schneider

Endurosport ist viel schneller und eher Motocross als Trial. Es wird mit straßentauglichen  Maschinen gefahren. Schon das erste Rennen machte Spaß, zeigte dem Trial-Spezialisten aber auch auf, dass er an seiner Kondition arbeiten muss. Mit Unterstützung der „Bewegungswerkstatt” in Bürs baute er  zu seinem im Trial geschulten Gleichgewichts- und Koordinationsvermögen bald eine Top-Kondition auf. „Das brauchst du auch für Enduro-Rennen, bei denen es jeweils zwei Stunden mit Vollgas durch die Runden geht – gegen 300 bis 500 Konkurrenten”, erklärt Schneider. Als Gesamtdritter konnte er im Vorjahr die Österreichische Meisterschaft abschließen. Der größte Erfolg im Vorjahr war aber, dass er es beim legendären Red-Bull-Erzbergrodeo bis ins Ziel schaffte: Von 2.000 Bikern aus der ganzen Welt schafften das nur 25!

Als „Erzberg-Finisher” gehört der Vorarlberger zu einem erlauchten Kreis:

Die allermeisten Finisher werden von Werkteams unterstützt und sind hauptberufliche Enduro-Profis. Heuer lief es beim Erzbergrodeo nicht so gut – Philipp Schneider konnte dank hervorragender Leistung im Prolog zwar mit Startnummer 27 in der ersten Startergruppe losfahren und machte bald Plätze gut. Auf dem Weg zur „Grünen Hölle” blieb seine Maschine nach einem Ausrutscher aber zwischen zwei Felsen stecken. Trotzdem wurde er noch als 41. in die Wertung aufgenommen. 

Fast noch höher schätzt Philipp Schneider allerdings seine Leistungen bei den „Romaniacs”, bei denen es fünf Tage lang jeweils sechs Stunden zur Sache geht – das vierstündige Erzbergrodeo ist dagegen ein „Kindergeburtstag”, so Schneider. Zweimal konnte er bei diesem Monsterrennen schon bis ins Ziel durchhalten. Die beste Platzierung gelang ihm beim ebenfalls legendären „Sea to Sky” in der Türkei, wo er nicht „nur” durchkam, sondern mit dem 10. Endrang sein international bestes Ergebnis erzielen konnte. Bisher jedenfalls: Denn Philipp Schneider hat noch viel vor. Geld kann er damit nicht verdienen – im Gegenteil: An 30 Rennen im Jahr teilzunehmen kostet eine ordentliche Summe, die der Maschinenmechaniker nur mit Unterstützung seiner Sponsoren aufbringen kann. Ums Geldverdienen geht es auch nicht. „Das Motorradfahren gehört einfach zu mir”, sagt er.