Grüner Daumen für Nachhaltigkeit

Sebastian Geiger ist inmitten von Blumen aufgewachsen. Dass ihn diese aber auch in seinem Berufsleben begleiten und zu neuen Wegen inspirieren würden – davon ist er selbst überrascht. Seit 1. Juli ist er offiziell Geschäftsführer von Blumen Kopf in Frastanz und auf dem besten Weg, Österreichs erste biozertifizierte Schnittblumen-Gärtnerei zu leiten.

FOTOS: TM-HECHENBERGER, BLUMEN KOPF/NINA BRÖLL

Es ist ein Schritt nach vorne und gleichzeitig einer zurück. Denn als Sebastian Geigers Großvater 1951 den Betrieb an der Samina gründete, sprach noch niemand von Globalisierung. Die Blumen für festliche Arrangements wurden selbst angebaut und nicht aus aller Welt eingekauft. „Es ist unglaublich, wie viel Müll heute auch in dieser Branche produziert wird”, will Sebastian Geiger da nicht mitspielen und seine Kunden dafür sensibilisieren, dass heimische Pflanzen, die in der Region saisonal und mit möglichst wenig Energieaufwand produziert werden, genauso viel Freude bereiten können, wie Exoten, die oft eine lange Reise hinter sich haben. 

Dem 29-Jährigen ist allerdings klar, dass dies nicht von heute auf morgen geht. Schließlich legt der Kunde Wert auf eine große Auswahl. Die wird bei Blumen Kopf auch geboten. Der Chef recherchiert aber genau, wo er im Winter seine Blumen ordert, ob die Produktion fair abläuft und auch der ökologische Fußabdruck trotz Transport stimmt. 

Vor allem aber hat er sich entschlossen, möglichst viele der benötigten Blumen selbst anzubauen. Dabei hat sich der Jungunternehmer hehre Ziele gesetzt. Denn er möchte ein Bio-Zertifikat für Zinnien, Dahlien, Hortensien und die anderen bunten Gewächse, die auf den Feldern rund um die Gärtnerei prächtig gedeihen. „Meine Mutter hat immer schon einen Teil der Schnittblumen selbst angebaut. Und ich weiß, dass sie nie Kunstdünger verwendet hat”, sah Sebastian Geiger auf diesem Weg keine Hindernisse. Als er bei den zuständigen Stellen allerdings wegen der Zertifizierung vorsprach, stellte sich rasch heraus, dass die Verantwortlichen dafür noch gar keine Vorgaben und Richtlinien haben. Denn Bio-Schnittblumen werden in Österreich bisher nicht produziert. „Jetzt entwickeln wir das  Zertifikat halt gemeinsam”, hat Sebastian Kopf kein Problem mit dem etwas größeren Aufwand, den ihm seine Vorreiterrolle einbringt. Im Gegenteil: Es freut ihn sogar, dass er damit den Weg für andere ebnet. Denn: „An Nachhaltigkeit führt langfristig kein Weg vorbei.” Davon ist er fest überzeugt. 

Sein Konzept findet vor allem bei jungen Leuten Anklang. Eines der ehemaligen Glashäuser von Blumen Kopf ist längst als Veranstaltungssaal mit ganz besonderem Ambiente gefragt. Wenn sich etwa Brautleute für den „schönsten Tag” einmieten, macht sie der Chef höchstpersönlich mit seiner Philosophie vertraut. Die meisten entscheiden sich dann ganz klar für eine Deko aus saisonalen Blumen. 

Wegen seines besonderen Händchens für Veranstaltungen ist Sebastian Geiger schlussendlich im Familienbetrieb gelandet. Denn ursprünglich hatte er ganz anderes im Sinn. Er absolvierte eine Lehre als Installateur, bevor er sich als passionierter Snowboarder mit einem Kameramann und zwei Fotografen selbstständig machte. Gemeinsam produzierten sie coole „Boarder-Filme” zur Imagepflege im Auftrag verschiedenster Unternehmen. Das lief recht gut, und der Sportler merkte bald, dass er es liebt, Events zu organisieren. 

„Wir entwickeln das gemeinsam.”

Nur ist die Snowboard-Saison eben auf den Winter beschränkt. Vor vier Jahren begann er deshalb, in den Sommermonaten im alten „Glashus” des Familienunternehmens Lesungen, Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen zu organisieren. „So bin ich irgendwann in den Betrieb hineingewachsen”, erzählt Sebastian Geiger freimütig. Als sich 2017 die Option ergab, die Gärtnerei von seinen Eltern zu übernehmen, dachte er anfangs eher an einen Umstieg auf Gemüseanbau oder eine Verpachtung. Doch weil er sich nun mal der Nutzung vorhandener Ressourcen verschrieben hat, gefiel ihm die Idee, eine Gärtnerei zu führen, von Tag zu Tag besser. Allerdings wollte er in dieser Position seine Ideen und Überzeugungen konsequent umsetzen. Seine Eltern ließen ihm dabei freie Hand und haben ihn immer unterstützt. Trotzdem dauerte es eine Weile, bis auch das Team geschlossen auf seine Firmenphilosophie eingeschworen war. „Dazu kommt, dass ich nicht vom Fach bin.” Der neue Chef musste sich also voll und ganz auf seine Gärtner und Floristinnen einlassen. Inzwischen zieht das 19-köpfige Team voll mit. „Die Zusammenarbeit basiert auf gegenseitigem Vertrauen, wir entwickeln das gemeinsam”, erklärt Sebastian Geiger seinen Führungsstil. 

Die Kultur-Events im „Glashus” sind vorerst ausgesetzt. Denn sein Tag beginnt bereits frühmorgens, wenn er auf den eigenen Feldern Blumen schneidet, die seine Mitarbeiter dann zu schönen Sträußen und Gebinden verarbeiten. Neben dem Alltagsgeschäft findet er aber trotzdem Zeit, weitere Ideen zu spinnen. So hat sich etwa längst herumgesprochen, dass man in der Gärtnerei Kopf fein frühstücken oder sich auf einen Kaffee verabreden kann. In diesem Bereich hat Sebastian Geiger schon früher Erfahrungen gesammelt, als er mit Gleichgesinnten eine Zeitlang ein „Popup-Café” in Feldkirch betrieb. Dort wie auch jetzt im Frastanzer Gärtnerei-Café setzte er natürlich auf regionale Zutaten. Der Kaffee kommt aus einer kleinen Rösterei in Satteins, der Käse aus Schnifis und Möggers, der Kuchen von Schokomus in Feldkirch, das Brot vom Bio-Bäcker in Göfis, Marmeladen und Aufstriche sind hausgemacht… 

Zurzeit arbeitet er an einem neuen Zustellungskonzept. Sebastian Geiger möchte nämlich, dass die Blumengebinde seiner Firma künftig in einem Umkreis bis Nenzing, Göfis beziehungsweise Rankweil per E-Bike zugestellt werden. Außerdem will er seinen Kunden anbieten, dass sie regelmäßig frische Bio-Blumen – auf Wunsch inklusive Leihvase – ins Haus geliefert bekommen – wie dies etwa mit Gemüsekisten bereits praktiziert wird. „Wir sind noch lange nicht dort, wo ich sein möchte”, sieht der findige Unternehmer weiteren Handlungsbedarf. „Doch glücklicherweise bin ich nicht unter Zugzwang.” Denn während er seine früheren Projekte meist auf kürzere Zeitspannen anlegte, will er diesmal dranbleiben und gemeinsam mit seinem Team Neues entwickeln. Wenn er 2020 das Bio-Zertifikat führen darf, ist dies für Sebastian Geiger nur ein erster Meilenstein in der Firmengeschichte, die er noch eine Weile lang mitschreiben wird.