Italiener in Bludenz

Die Römer, welche um 15 vor Christus das Gebiet eroberten, nannten sämtliche Alpenbewohner Räter. Sie führten die römische Sitten und die lateinische Sprache ein. Bis zur Gründung der Stadt Bludenz – also mehr als tausend Jahre lang – wurde im Raum Bludenz rätoromanisch gesprochen. Berg- und Flurnamen wie etwa Montikel (kleiner Berg) oder Piz Buin (Ochsenspitze) geben heute noch davon Zeugnis. 

Erst durch die Ansiedelung von Adeligen und Bürgern aus dem allemannischen Raum setzte sich in Bludenz die deutsche Sprache durch, während sich das Rätoromanische in der Umgebung noch lange hielt. Die Bezeichnung Walgau leitet sich etwa von Welschgau ab. So bezeichneten die deutschsprachigen Bewohner diesen noch „welschsprachigen” Landesteil. 

Herzog Friedrich IV – der mit der „leeren Tasche” und mütterlicherseits italienischer Abstammung – eroberte 1413 das Valsugana und verleibte diesen Teil des Trentino dem Habsburgerreich ein. Der Rest der heutigen Provinz kam nach der Auflösung des Fürstbistums Trient ebenfalls zu Österreich, 1815 wurde er beim Wiener Kongress Tirol zugeteilt. 

Wegen extremer Armut machten sich im 19. Jahrhundert viele Menschen vor allem aus dem Valsugana nach Vorarl-berg auf, wo sie beim Bau der Bahnstrecke bis Bludenz und des Tunnels Richtung Tirol sowie in den aufkeimenden Industriebetrieben Arbeit fanden. 

Nach dem 1. Weltkrieg wurden Südtirol und das Trentino Italien zugesprochen. Viele Einwanderer kehrten damals in ihre frühere Heimat zurück. Vom 26. Oktober bis zum 31. Dezember 1939 hatten die Südtiroler Zeit, sich zwischen dem Verbleib in der Heimat und der Flucht nach Österreich zu entscheiden. Obwohl diese Zuwanderer deutsch sprachen, dauerte es auch einige Zeit, bis sie im Städtle ganz selbstverständlich dazu gehörten.