Wie Integration funktionieren kann, erzählt die Geschichte von Mohamed Al Hashoum.

Bis zu seinem 22. Geburtstag führte Mohamed Al Hashoum ein ganz normales Leben. Aus einer gut situierten Familie stammend, hatte er an der Uni seiner Heimatstadt Aleppo sein Mathematik-Studium abgeschlossen. Er verdiente als Lehrer gutes Geld und die Zukunft für ihn und seine Frau schien vielversprechend.
Bis zu seinem 22. Geburtstag führte Mohamed Al Hashoum ein ganz normales Leben. Aus einer gut situierten Familie stammend, hatte er an der Uni seiner Heimatstadt Aleppo sein Mathematik-Studium abgeschlossen. Er verdiente als Lehrer gutes Geld und die Zukunft für ihn und seine Frau schien vielversprechend.

Dann kam der Krieg und veränderte alles. Seit 2011 fallen die Bomben und Granaten und kosteten bis heute schätzungsweise 400.000 Menschenleben, mehr als elf Millionen Menschen sind deshalb bis heute aus Syrien geflohen.

Mohamed entkam der Hölle von Aleppo im Jahr 2012. Über die Türkei, wo seine Eltern blieben, ging es nach

Österreich, wo er um Asyl ansuchte. Er wurde dem Kontingent Vorarlberg zugeteilt und landete letztlich in Nüziders, wo die Caritas in der Waldburgstraße eine Wohngemeinschaft mit 14 Asylsuchenden unterhält. „Wir wurden da wirklich ordentlich betreut“, erinnert sich Mohamed.

Für sein Glück in Vorarlberg war aber der Nachbar maßgebend. Kurt Zech, der Obmann des Eisstockschützenclubs ESC „Nepomuk“ Nüziders. Der nahm den Appell von Bürgermeister Mag. (FH) Peter Neier an die Vereine, sie mögen doch dazu beitragen, dass die Asylsuchenden integriert werden, ernst. Er ging auf Mohamed und seine Kollegen zu und lud sie ein, doch einmal beim Training zuzuschauen.

Diese nette Einladung und die Chance, dem tristen Alltag zu entkommen – Asylsuchende dürfen ja nicht arbeiten und inzwischen nicht einmal mehr Nachbarschaftshilfe leisten – nahmen die Syrer gerne wahr.

„Kurt Zech und die anderen Eisstockschützen im  Verein haben mir die Tore geöffnet, meine Welt verändert“,

spricht Mohamed noch immer in größter Hochachtung von seinem Mentor Kurt Zech, der ihn doch „nur“ zum Training eingeladen hat.

Als Mohamed acht Monate nach seiner Ankunft in Österreich im Jahr 2013 den positiven Asylbescheid erhielt, waren er und einige seiner Zimmergenossen von der Waldburgstraße bereits Teil des Vereins. Viele von ihnen – darunter auch Mohameds jüngerer Bruder Ghassan – kommen noch heute jeden Montag und Donnerstag zum  Training.

Sportlich bringen sich die trainingsbeflissenen „Exoten“ dem ESC Nüziders natürlich bei diversen Turnieren und Meisterschaften sehr positiv ein. Was aber noch viel wichtiger ist: „Mohamed und seine Kollegen sind eine echte Bereicherung für unseren Verein, indem sie buchstäblich eine neue Kultur hereingebracht haben“, bestätigt Gabi Zech.

Mohamed (li) und sein Bruder Ghassan Al Hashoum mit Gabi Zech, Gattin des verstorbenen Kurt Zech (Gedenkbild im Hintergrund).
Mohamed (li) und sein Bruder Ghassan Al Hashoum mit Gabi Zech, Gattin des verstorbenen Kurt Zech (Gedenkbild im Hintergrund).

Sie und der neue Obmann, Robert Stark, halten das „Erbe“ ihres Mannes, der heuer im Februar völlig unerwartet verstorben ist, hoch, indem sie die Integrationsbemühungen mit Leidenschaft fortführen.

Die dankbar angenommene Aufnahme in den Verein hat Mohameds Leben auch abseits der Eisstockschießerei nachhaltig positiv verändert. Er hat rasch die deutsche Sprache erlernt und studiert inzwischen im dritten Semester an der Pädagogischen Hochschule in Feldkirch. In den Sommerferien gab er über Vermittlung der Regionalstelle für Integration der Walgaugemeinden und des Sozialsprengels Bludenz in der Flüchtlingsunterkunft am Gaisbühel in Bludesch bereits erste Deutschkurse für Flüchtlingskinder. Ihnen bringt er nicht nur unsere Landessprache näher – sondern er erzählt ihnen auch davon, wie viele nette Menschen es in Vorarlberg gibt.

Bald wird er als Mathematik-, Physik- und Chemielehrer an Vorarlbergs Mittelschulen unterrichten. „Ich bin gerne Lehrer und freue mich sehr darauf“, sagt Mohamed Al Hashoum. Wenn allerdings der Krieg in Syrien eines Tages wirklich beendet sein wird, dann werde er umgehend in seine Heimat zurückkehren. „Das werden wir alle tun, weil uns dann unser Land für den Wiederaufbau braucht.“

Gut möglich, dass dann in ferner Zukunft auch einmal der erste Eisstockverein Syriens gegründet wird…

In den Sommerferien gab Mohamed über Vermittlung der Regionalstelle für Integration der Walgaugemeinden und des Sozialsprengels Bludenz 14 Flüchtlingskindern Deutschunterricht. „Die Sprache des Gastlandes zu beherrschen, ist die wichtigste Voraussetzung für Integration“, so Mohamed.
In den Sommerferien gab Mohamed über Vermittlung der Regionalstelle für Integration der Walgaugemeinden und des Sozialsprengels Bludenz 14 Flüchtlingskindern Deutschunterricht. „Die Sprache des Gastlandes zu beherrschen, ist die wichtigste Voraussetzung für Integration“, so Mohamed.

Fotos: TM-Hechenberger, Regionalstelle für Integration