KR Herbert Zech: Ein Leben für Kies & Sand

Bei Spaziergängen am Bodensee ist dem Schüler der Landwirtschaftsschule im Bregenzer Kloster Mehrerau die Menge an Sand aufgefallen. Überall war er entlang des Seeufers in Massen vorhanden. Der junge Mann aus Nüziders wusste auch, dass Handwerker im Walgau den Sand für ihre Verputzer- und Maurerarbeiten oft mühsam – meist aus der Ill – „zusammenkratzen” mussten. Die Geschäftsidee, die daraus entstand, machte Herbert Zech bis heute zu einem der erfolgreichsten Unternehmer Vorarlbergs. 

FOTOS: TM-HECHENBERGER, FIRMA ZECH KIES

In 60 Unternehmerjahren hat Herbert Zech mit so manchen Politikern, Behörden und Konkurrenten das eine oder andere Scharmützel ausgetragen. Aber eines gestehen dem „Kiesbaron” alle zu: Er hat für seine Ideen immer alles gegeben. Und tut dies nach wie vor: Mit  80 Jahren!

Ein „Buckler” – das war Herbert Zech schon immer. Arbeit und Einsatz scheute er nie, wenn es um die Umsetzung seiner Pläne ging. Kaum hatte er den LKW-Führerschein in der Tasche, ging es Mitte der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts an die Umsetzung der Idee, die ihn seit den Spaziergängen am See nicht mehr losgelassen hatte. 

„Mein Vater wollte eigentlich, dass ich zur Eisenbahn gehe oder eine Beamtenkarriere anstrebe”, erinnert sich Herbert Zech. Eine Firma zu gründen, das erschien ihm zu unsicher. Trotzdem war der Vater bereit, für den Kredit seines Sohnes praktisch seinen ganzen Besitz zu verpfänden.

Mit dem geliehenen Geld kaufte sich der damals 19jährige Herbert Zech einen Steyr 480 und fuhr von Nüziders in das Sandparadies am Bodensee. Mit einer gewöhnlichen Schaufel belud er bei der Mündung der Bregenzerach seinen Lastwagen und brachte den Sand ins Oberland. Täglich bis zu vier Mal machte er diese To(rt)ur: Wer schon einmal nur einen kleinen Anhänger per Schaufel mit Sand befüllte, der kann erahnen, was Herbert Zech damals leistete. 

Die gewaltige Anstrengung lohnte sich freilich. Im  Walgau gab es genügend zahlungswillige und dankbare Abnehmer für den Sand vom See. Die Bauwirtschaft kam damals richtig in Schwung und neben Sand war auch der Rohstoff Kies gefragt.

Prinzipiell gibt es in Vorarlberg davon mehr als genug. Das „Problem” war seit jeher die Verfügbarkeit des Materials: Wer das Problem löst, kann aus den in Unmengen vorhandenen Rohstoffen eine wertvolle Handelsware machen. 

Kies und Sand fürs ganze Land

Das ahnte Herbert Zech schon bei seinen Spaziergängen – und nach den schweißtreibenden, aber lukrativen Sandtransporten gründete er 1958 in Nüziders die Zech Kies GmbH.

Ein aktueller Blick auf die Zentrale in Nüziders

„Kies und Sand fürs ganze Land”: Das war jetzt seine Mission, von der er bis heute besessen ist. Noch bis in die 70er Jahre war es üblich, Sand und Kies direkt aus den Flüssen zu gewinnen. Herbert Zech war gegenüber dieser Abbaumethode allerdings schon früh skeptisch: „Der Kies im Flussbett bremst das Wasser. Wenn man zu viel entnimmt, wird das Wasser schnell und das kann bei Hochwasser schwere Schäden verursachen”, erklärt Zech.  So bemühte er sich um Alternativen und hielt überall Ausschau nach Sand- und Kiesvorkommen. Gewinne investierte er umgehend. In den 60 Jahren, seit es die Firma gibt, hat Herbert Zech im ganzen Land über 300 Grundstücke – in 14 Fällen samt darauf befindlichen Kieswerken – gekauft. 

2001 gründete Zech
die „Vorarlberger Lieferbeton GmbH”.
Mit Betonwerken in Nüziders, Lustenau
und Egg ist die VLB der führende Hersteller von Transportbeton in Vorarlberg.

„Das ist immer fair gelaufen und wir standen deswegen nicht ein einziges Mal vor Gericht“, betont der Kiesbaron. Umgekehrt gab es aber nicht selten „Wickel” mit den Behörden und „insgesamt habe ich schon mehrere hunderttausend Euro Strafe bezahlt”,  erinnert sich Herbert Zech. 

Anfang der 70er Jahre erwarb er eine Firma, die im Walgau großzügige Abbaugenehmigungen hatte: Auf rund zehn Hektar Fläche war dem Unternehmen dort erlaubt worden, sämtlichen Kies bis auf einen Meter oberhalb des Grundwasserspiegels zu entnehmen. Anfangs war das auch kein Problem. Mit dem verschärften Grundwasserschutz wurden die Genehmigungen aber eingeschränkt und einfach gestrichen.

Mülldeponie statt Kies

Quasi als „Ersatz” dafür wurde Zech 1971 eine Mülldeponie angeboten: Die Stadt Bludenz hat ihre Abfälle jahrelang und im großen Stil auf Nüziger Gemeindegebiet abgelagert, dort, wo heute der „Tschalengasee” liegt.

Wenn er den Müll an einen sicheren Ort bringe, so wurde ihm versichert, dann dürfe er dort Kies entnehmen. Herbert Zech nahm diesen Aufwand auf sich: Die Abfalldeponie wurde an einen sicheren Ort oberhalb des heutigen Steinbruchs in der Tschalenga umgelagert. (Der bereitet dort übrigens – das beweisen regelmäßige Kontrollen – keine Probleme.) Bis zum Jahr 1985 durfte Zech dann rund um die ehemalige Mülldeponie Kies gewinnen. 

Der größte Murbruch Europas: Die Sanierung durch Herbert Zech bringt Sicherheit und Kies – aber auch viel Schlamm.

In der Zwischenzeit hatte Herbert Zech mit seinem großen Lebenswerk begonnen: Dem Abbau des Schesa-Murbruchs. Seit dem Jahr 1802 haben hier unzählige kleinere und 15 gewaltige Murenabgänge insgesamt rund 50 Millionen Kubikmeter Gestein vom Bürserberg talwärts transportiert. Die Wildbach- und Lawinenverbauung versuchte seit 1897, der Natur mit Stabilisierungsmaßnahmen, der Begrünung von Erosionsflächen und Dammbauten Einhalt zu gebieten. Obwohl schon eine Milliarde Schilling (70 Millionen Euro) investiert worden waren, gab es weiterhin Hangrutschungen.  Kleinere, aber auch bedrohliche: 1966 donnerten von der Ostseite 500.000 Kubikmeter Geröll talwärts. Die Experten waren sich einig, dass der Hang erst zur Ruhe kommen wird, wenn alles lose Gestein weg ist: Entweder durch natürliche und nicht berechenbare Rutschungen, oder aber durch kontrollierten Abbau.

Lebenswerk im Murbruch

Ein Unterfangen, das aber angesichts der bis zu 200 Meter hohen Steilwände technisch aufwändig und nicht ungefährlich ist:  Das wusste auch der Bürser Martin Müller, von 1964 bis 1974 Mitglied der Landesregierung: Er bot dem Kiesexperten im Gegenzug für den kontrollierten Abbau einen Verzicht auf die übliche Naturschutzabgabe.

Herbert Zech nahm sich zunächst den „Gaschirakopf” an der Südflanke vor: Rund sechs Millionen Kubikmeter Rohmaterial. Für den Abtransport desselben richtete er ein riesiges Förderband ein, welches über die Bremsenergie bis heute Strom erzeugt.

Die technischen Herausforderungen hatten Zech und seine Facharbeiter bald im Griff. Das Hauptproblem war der hohe Schlammanteil im Geröll. Bis zu 30 Prozent der Gesamtmasse des Murbruchs ist „Dreck”, der vor einer Verwendung des Gesteins als Baustoff ausgewaschen werden muss. 

Die Deponierung dieses Naturstoffes ist prinzipiell kein Problem. Nach dem Abtrocknen des Schlamms wird eine Entwässerungs- und darauf eine Humusschicht aufgetragen. Danach kann die Fläche wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Ein Problem stellt das Material nur wegen seiner schieren Menge dar: So musste Zech bereits den ehemaligen Baggersee der Firma Hilti – direkt angrenzend an die Firma Liebherr – pachten, um dort rund eine Million Kubikmeter Schlamm einlagern zu können. „Eine Million Euro hat mich das gekostet”, erläutert Herbert Zech. Bis heute summierte sich außerdem die – übrigens in Vorarlberg erfundene – Naturschutzabgabe für den Kiesabbau allein für den Schesa-Murbruch auf knapp vier Millionen Euro: Aus dem avisierten Verzicht des Landes auf die Abgaben für die Murbruch-Sicherung ist nämlich nichts geworden.

„Aber es nützt nichts, der Murbruch muss abgebaut werden”, sieht Zech in diesem Projekt eine schon aus Sicherheitsgründen wichtige Mission. Die Gemeinde Bürserberg ist ihm für dieses Engagement im  Interesse der Sicherheit dankbar. Bürgermeister Fridolin Plaickner verlieh ihm beim heurigen Neujahrsempfang den Ehrenring der Gemeinde.

Vor dem Fuß des Tschalengaberges (unten rechts) soll zunächst ein Damm aufgezogen werden. In der Folge wird der dünnflüssige Auswasch-Schlamm über ein Rohr in den Raum zwischen Damm und Berg geleitet. Ist das Wasser versickert, kann das ganze Gelände wieder begrünt werden.

Um weitermachen zu können, hat Herbert Zech inzwischen eine andere Idee für die Schlammdeponie entworfen: Entlang des Tschalengabergs soll etwa 50 Meter vor dem Bergfuß ein Damm aufgeschüttet werden. In der Folge kann in den Raum vom Damm bis zum Bergfuß Schlamm gefüllt werden. Und das ohne jeden LKW-Verkehr! Der Kies vom Murbruch wird per Förderband zum Kieswerk transportiert, der dünnflüssige Schlamm fließt dann über eine Rohrleitung direkt in die Tschalenga. Wenn zwischen Bergrücken und Damm aufgefüllt ist, wird wieder begrünt, sodass von der ganzen Arbeit nichts mehr sichtbar sein wird. In einer ersten Etappe hätten rund 500.000 Kubikmeter Kies-Waschschlamm Platz. 

„Wenn das unter Dach und Fach ist, dann kann der Schesamurbruch weiter abgebaut werden und die Kiesversorgung im Land ist für viele Jahre gesichert”, zeigt Herbert Zech auf. Das will der 80jährige unbedingt noch „einfädeln”. Und dann wäre für ihn die Zeit gekommen, sich aus der operativen Leitung seiner Firma zurückzuziehen.

Das Betonwerk „Fürkele” in Nüziders ist mit einer Förderleistung von 150 Kubik pro Stunde das leistungsfähigste im Land.

 

 

 

 

 

 

Firmengruppe Zech – 120 Mitarbeiter

Schon seit vielen Jahren ist Zech der führende Kiesversorger Vorarlbergs – mit inzwischen einem der größten Kieswerke Österreichs am Stammsitz in Nüziders und einem schwimmenden Kieswerk an der Rheinmündung im Bodensee. Das 60. Firmenjubiläum heuer im Mai konnte Herbert Zech mit Co-Geschäftsführer Mag. Christof Wirth und 120 Mitarbeitern auch als größter Betonlieferant des Landes und als Besitzer des Alfenz-Kraftwerkes mit einer Jahresproduktion von rund 17 Millionen Kilowattstunden Strom feiern.

Mag. Christof Wirth und KR Herbert Zech teilen sich die Geschäftsführung der Zech-Gruppe, bestehend aus der Zech Kies, der VLB und den Alfenzwerken.
Im Jahr 1999 erwarb Zech die Alfenzwerke Elektrizitätserzeugung GmbH. Das Kraftwerk in Lorüns liefert auch den Strom für den Standort Nüziders der Zech-Gruppe.