Mega-Kühlschrank im See

DI Martin Wagner persönlich beaufsichtigte den Montagevorgang.
DI Martin Wagner persönlich beaufsichtigte den Montagevorgang.

Wenn sich die Turbinen im Walgaukraftwerk drehen, entsteht viel Wärme. Mit dem bisherigen Kühlsystem sorgten die im Wasser enthaltenen Schwebstoffe immer wieder für Probleme. Mit einer Entwicklung des Nüziger Installationsbetriebes Wagner konnten diese Probleme behoben werden. Gekühlt wird jetzt mit einem Unterwasser-Monsterkühlschrank.

Das Walgauwerk der illwerke-vkw in Nenzing liefert seit seiner Inbetriebnahme 1984 wertvollen Strom. Das Wasser dazu wird von den Kraftwerken Lünsersee und Rodund in einem knapp 21 Kilometer langen Tunnel nach Nenzing geleitet, wobei noch Wasser aus der Alvier und der Meng zugeführt wird. Insgesamt eine Milliarde Kubikmeter Wasser werden pro Jahr über ein Gesamtgefälle von 162 Metern beschleunigt.

Die Bewegungsenergie wird über zwei Francisturbinen in eine gewaltige Menge Strom umgewandelt: Im Jahresdurchschnitt 365 Gigawattstunden, täglich eine Million Kilowattstunden.

Dabei drehen sich die Turbinen mit 429 Umdrehungen pro Minute. Zum Vergleich: Ein Rennradler ist mit dieser Rad-Umdrehungszahl 54 km/H schnell. Die Geschwindigkeit am äußeren Schaufelrad an jeder Turbine beträgt 162 km/H.

Bei solchen Bewegungskräften entsteht viel Wärmeenergie, die man im Kraftwerk nicht brauchen kann. Für die notwendige Kühlung wurde bisher ein Teil des zugeleiteten Wassers hergenommen. Darin enthalten sind aber sehr viele Schwebstoffe, welche die Filteranlagen immer wieder verstopften. Zu deren – kostspieligen – Reinigung bzw. ihren – noch teureren – Austausch mußte der Kraftwerksbetrieb, und damit die Stromproduktion, jeweils für mehrere Tage gestoppt werden.

Mit dieser Geld- bzw. Energieverschwendung ist seit dem heurigen Frühjahr Schluss. Jetzt funktioniert die Kühlung über einen Unterwasser-Wärmetauscher in einem geschlossenen System – Verschmutzung unmöglich. Rund um die Turbinen wird die anfallende Wärme an Wasserleitungen abgegeben. Das erwärmte Wasser fließt in den Wärmetauscher, der heuer am 21. Februar im Kraftwerksauslauf montiert worden ist. Der hat gigantische Ausmaße: 15 Meter lang, 7 Meter breit und 1,5 Meter hoch ist das aus insgesamt 1600 Metern Rohren bestehende Gebilde. Konstruiert und millimetergenau vorgefertigt wurde der Monsterkühlschrank bei Wagner in Nüziders. Während das warme Wasser durch dieses Rohrlabyrinth fließt, wird es vom umgebenden Wasser im Ausgleichsbecken des Kraftwerks von 24° Celsius auf 15° abgekühlt und kann dann – über den Kreislauf wieder bei den Turbinen angekommen – erneut Wärme aufnehmen.

DI Martin Wagner war mit seiner Montagetruppe vor Ort, als das Röhrenwerk angeliefert und montiert wurde. Obwohl die Firma schon seit mehr als zehn Jahren mit diesem ausgeklügelten System Kraftwerke effizient kühlt, sind solche Vorgänge doch immer wieder mit einer gewissen Aufregung verbunden. „Es hat alles wunderbar geklappt”, resümmierte der Chef nach der nur knapp vier Stunden dauernden Montage bei eiskaltem Februarwetter.

Befürchtungen, dass das für die Kühlung genutzte Wasser in irgendeinerweise „schädlich” aufgewärmt wird, sind übrigens fehl am Platz. Das Ausgleichsbecken wird in der Umgebung des Rohrsystems um maximal 0,5 Grad erwärmt. Bis es über das Ausgleichsbecken wieder in die Ill geleitet wird, ist der Temperaturanstieg kaum mehr messbar.

Klar ist allen Beteilgten, dass hier im Prinzip Wärme „vernichtet” wird. „Wenn ein paar Häuser in der Nähe stehen würden, könnte man die damit locker beheizen”, weiß DI Wagner. Aber es gibt eben keine Häuser in diesem Teil von Nenzing-Beschling. Und das Walgaubad ist zwei Kilometer entfernt. Um die Wärme über eine so lange Strecke transportieren zu können, wären die Investitionen im Verhältnis zum möglichen Wärmegewinn zu hoch.

Die Kühlung beim Walgauwerk funktioniert jedenfalls perfekt. Und bei der Firma Wagner läuft bereits die Produktion von Kühlleitungen für das neue Kraftwerk Obervermunt II auf Hochtouren…


Fotos: TM-Hechenberger