Menschen: Josef Wehinger

Es war wohl ein Wink des Schicksals, als ein Zimmergenosse im Krankenhaus dem damals gut Zwanzigjährigen einen Gedichtband überließ, mit dem er selbst nichts anzufangen wusste. Denn seither ist Josef Wehinger fasziniert von „schöner Sprache, die zu Herzen geht.“ „Ich kann heute noch alle Gedichte von Eugen Roth sowie sämtliche Balladen von Goethe auswendig rezitieren“, erklärt der 85-Jährige stolz. Seit der Pensionierung im August 2001 verfasst er zudem eigene Verse. Er hat sich auf Vierzeiler zu gesellschaftlichen Fragen und aktuellen Themen spezialisiert, die „so viel aussagen wie ein Buch.“ Josef Wehinger ist es wichtig, dass seine Lyrik Gehalt hat. Ungefähr 2000 Vierzeiler, 400 Sechszeiler und 800 längere Gedichte haben sich inzwischen angesammelt – und täglich kommen neue dazu. Einige seiner Werke hat er in zwei Gedichtbänden veröffentlicht. „Doch hier drin ist noch Material für vier weitere Bücher“, klopft Josef Wehinger stolz auf seinen Laptop. Was etwas taugt, überträgt er akribisch aus den Notizbüchern, die überall in der Wohnung parat liegen. Der gebürtige Ludescher, der heute in Nüziders lebt, war immer schon sehr rührig. Als selbstständiger Handelsvertreter reiste er 35 Jahre lang durch Österreich, Bayern und Oberitalien, um Mode Vorarlberger Hersteller zu verkaufen. Fast zwei Jahrzehnte lang engagierte er sich als Verbandsvorstand für seinen Berufsstand und legte sich in dieser Funktion mehrmals mit dem damaligen Finanzminister Hannes Androsch an. Mit österreichweit gut 12.000 Kollegen im Rücken drohte er schon mal mit Streik, wenn die Politik Beschlüsse fasste, die ihm gegen den Strich gingen. Josef Wehinger war aber auch sozial aktiv, organisierte etwa lange bevor die Erzeugnisse der Caritas-Werkstätten in eigenen Läden angeboten wurden, ehrenamtlich deren Verkauf. 

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