In den nächsten Wochen startet in Frastanz ein für den ganzen Walgau bedeutendes Projekt. In der Galätscha, wo jahrzehntelang Kies gebaggert wurde, wird künftig Grünmüll aus den Walgaugemeinden zu wertvoller Erde in Bioqualität verarbeitet.
FOTOS: TM-HECHENBERGER
Ing. Markus Burtscher, in der Marktgemeinde Frastanz für Umwelt und Naturschutz zuständig und Geschäftsführer des dortigen Naturbades Untere Au, möchte es mit einem Satz sagen: „Was lange währt, wird endlich gut.“ Er freut sich auf den Start des Kompostprojekts „GrünGutErde_Walgau“. Nach Jahren der technischen Konzeption, der Überzeugungsarbeit in der Marktgemeinde und der Regio Im Walgau, nach akribischer Finanzplanung und vielen Behördengängen wird der bisherige Frastanzer Grünmüll-Sammelplatz zu einer Kompostieranlage umgebaut.
Laub, Rasenschnitt, Äste und Sträucher aus den Hausgärten im Walgau werden hier gesammelt und durch entsprechende Durchmischung gemäß dem bewährten Verfahren der „gelenkten Kompostierung nach Lübke“ in wertvollen Humus verwandelt. Das erfordert einiges an Fachkenntnis und technischen Einrichtungen.
Wichtig ist die richtige Mischung von feuchtem/grünem (stickstoffhaltigen) und trockenem/braunen (kohlenstoffhaltigen) Material. Dieses wird in langen Mieten aufgehäuft. Durch die natürlichen Zersetzungsprozesse und laufendes Umsetzen des Materials entsteht dort in der Folge Wärme, welche über den ganzen etwa zehn bis zwölf Wochen dauernden Rotteprozess durch entsprechende Sensoren kontrolliert und gegebenenfalls durch entsprechende Maßnahmen korrigiert wird.
Die Temperatur in der Rotte muss speziell am Anfang ein paar Tage bei rund 65 Grad Celsius gehalten werden, damit Unkrautsamen und Krankheitserreger verlässlich abgetötet werden. Sie darf aber nicht wesentlich über 70 Grad ansteigen. Auch die Feuchtigkeit und der Sauerstoffgehalt werden laufend überprüft, damit der gesamte Umsetzungsprozess im aeroben (sauerstoffgesättigten) Bereich abläuft. Um diesen aeroben Prozess über längere Zeit zu erhalten, werden auch die CO2-Werte laufend überwacht sowie durch Belüftung und Feuchtigkeitszugabe gesteuert.

Das Ergebnis dieses Umwandlungsprozesses wird ein Kompost in Bioqualität sein, der die Bodenfruchtbarkeit verbessert und gesundes Pflanzenwachstum fördert. Als Gartenbauer ist sich Markus Burtscher sicher, mit diesem Projekt zum Klimaschutz in der Region beizutragen. Schließlich fördert Kompost den Humusaufbau in den Böden, speichert Kohlenstoff und kann als Ersatz für synthetische Düngemittel das Pflanzenwachstum ankurbeln.
Der Aufwand für die technische Einrichtung ist beträchtlich. „Aber so eine Kompostierung muss man professionell machen“, erklärt Burtscher. Auch die Behörden schauen dazu, dass da nicht herumgepfuscht wird, was beispielsweise massive Geruchsbelästigungen zur Folge haben könnte. Um eine Verunreinigung von Grundwasser zu verhindern, muss die Kompostierfläche wasserdicht asphaltiert sein. Auch eine Lagerhalle für den Kompost ist erforderlich. Diese kann ohne zusätzliche Bodenversiegelung dort errichtet werden, wo früher das Kieswerk stand.
Die Investitionen trägt die Marktgemeinde Frastanz und hat dafür eine eigene GmbH gegründet. „Grundprinzip ist die Produktion eines guten Produktes und die entsprechende Wertschöpfung aus diesem Produkt“, erklärt Markus Burtscher. Der Initiator und nunmehrige Geschäftsführer der „GrünGutErde_Walgau“ ist überzeugt, dass die Kompostieranlage wirtschaftlich ausgeglichen betrieben werden kann, wenn entsprechende Mengen zusammenkommen. Der Grünmüll aus Frastanz alleine würde nicht reichen. Das war schon von vornherein klar, weshalb auch andere Walgau-Gemeinden ihren „Grünmüll“ künftig hier zu wertvollem Kompost verarbeiten lassen.
Dafür hat Burtscher – unterstützt von Bürgermeister Walter Gohm – schon bei mehreren Sitzungen geworben. Zuletzt signalisierten die Bürgermeisterkollegen bei der Regio-Vorstandssitzung im Jänner, das Projekt „Walgau-Erde“ unterstützen zu wollen. Auch Regio-Obmann Bgm. Florian Themeßl-Huber steht voll hinter dem Projekt: „Der bisherige ‚Grünmüll‘ wird durch die fachmännische Kompostierung zu einer wertvollen Ressource, die wir nutzen können. Das ist regionale Kreislaufwirtschaft, die uns allen nützt“, so Themeßl-Huber.
Etwa 2.500 bis 3.000 Tonnen Grünmüll fallen in den Walgaugemeinden an: Das Material wird in den einzelnen Gemeinden wie bisher vor Ort gesammelt und per LkW an die Kompostieranlage geliefert. Nur Frastanzer BürgerInnen können ihre Gartenabfälle direkt zur Sammelstelle bringen.















