Scheuer König mit Punk-Frisur

Mit ihrem kecken Schopf wirkt die Haubenmeise abenteuerlustig. Doch dieser Eindruck täuscht, der kleine Vogel bleibt lieber im gewohnten Umfeld.

FOTOS: GERALD SUTTER

„Die Haubenmeise ist nicht unbedingt der wohlklingendste Sänger“, lacht Johanna Kronberger. Vor allem morgens übt sich diese Art in lang anhaltenden Gesangsduellen. Für die Obfrau von Birdlife Vorarlberg klingt das rollende „zizigürrrr“, mit dem der kleine Vogel sein Revier markiert, „eher motzig“. Er ist damit einfach von anderen Singvögeln zu unterscheiden – und das ist gut. Denn so kann der scheue Sänger, der sich nur selten zeigt, – zumindest von kundigen Ohren – leicht aufgespürt werden.

Hat man ihn einmal entdeckt, ist er nicht zu verwechseln. Denn die Haubenmeise schmückt sich als einzige europäische Vogelart mit einem auffälligen schwarzweißen Federbüschel am Kopf. Es gibt Vermutungen, dass diese Haube vor Fressfeinden schützen soll. Im Zusammenspiel mit den schwarzen Punkten am Hinterkopf könnte nämlich der Eindruck entstehen, dass auch hinten ein Gesicht den Betrachter anblickt. Auf jeden Fall ist die Haube beim Weibchen etwas kürzer als beim Männchen, das den Kopfschmuck aufstellt und die Flügel vibrieren lässt, um seine Partnerin zu beeindrucken. 

In Österreich ist die Haubenmeise bis in eine Höhe von 1800 Metern weit verbreitet. Als Lebensraum dienen ihr Nadelwälder, vor allem mit Fichten und Kiefern, die nach Möglichkeit stark bewachsen und nicht allzu „aufgeräumt“ sind. Denn der nur elf bis zwölf Zentimeter große Vogel benötigt morsche Bäume, in die das Weibchen mit Hilfe des Schnabels eine Bruthöhle meißelt, die mit Moos, Flechten, Spinnweben und Daunen weich ausgepolstert wird. Die Brutzeit startet bereits im März und dauert maximal bis Juni. Haubenmeisen-Paare sind sich ein Leben lang treu.

Während der 13 bis 16 Tage, in denen das Weibchen vier bis acht gefleckte Eier bebrütet, wird es vom Männchen gefüttert. Nach dem Schlüpfen bleibt der Nachwuchs für rund zwanzig Tage im elterlichen Nest und wird auch nach dem Ausfliegen noch weitere drei Wochen von beiden Eltern mit Nahrung versorgt. Jüngere Paare ziehen oft sogar als „Untermieter“ wieder bei älteren ein, bevor sie selbst zu brüten beginnen. Sie bleiben aber ihr ganzes Leben in der Nähe ihres Geburtsorts. 

Während der kalten Jahreszeit lässt sich die Haubenmeise auch an Futterhäuschen blicken, wenn Nadelbäume in der Nachbarschaft zu finden sind.

Im Sommer stehen bei Haubenmeisen vor allem Insekten auf dem Speiseplan, während im Winter Kiefernsamen zu den besonderen Leckerbissen zählen. Im Idealfall kann der kleine Vogel außerdem Vorräte plündern, die er im Spätherbst angelegt hat. Dafür verkeilt er die Beute gleich an Ort und Stelle in Rindenspalten und bedeckt sie mit einer Tarnschicht aus Speichel oder Spinnweben. Vor dieser „Konservierung“ werden die Insekten oft enthauptet oder gelähmt. 

JOHANNA KRONBERGER aus Sulz engagiert sich seit vielen Jahren als Obfrau von BirdLife Vorarlberg für den Schutz der Vogelwelt. Die begeisterte Ornithologin hat in Innsbruck und Wien Naturschutz und Biodiversität studiert.

Die Haubenmeise selbst muss sich vor Raubvögeln wie dem Sperber oder dem Sperlingkauz und Katzen in Acht nehmen. Kann sie diesen geschickt ausweichen, so stehen die Chancen gut, dass sie bis zu neun Jahre alt wird. „Das ist ein beachtliches Alter für so einen kleinen  Vogel, der ja auch im Winter mit Kälte klarkommen muss“, erklärt Johanna Kronberger. Im Herbst hat sie schon öfter beobachtet, wie Haubenmeisen einen ganzen Trupp anderer Meisenarten anführten. Dieses Verhalten hat ihnen den Spitznahmen „Meisenkönig” eingetragen.

Wer am Waldrand wohnt oder Nadelbäume im Garten gepflanzt hat, kann Haubenmeisen manchmal am Futterhäuschen beobachten. Man muss dafür allerdings einen ordentlichen Fettknödel mit Sonnenblumenkernen und anderen Sämereien bereithalten. Der kleine König ist wählerisch.

Haubenmeise
(Lophophanes cristatus)

Haubenmeisen sind elf bis zwölf Zentimeter groß und wiegen rund elf Gramm. Sie sind in ganz Europa weit verbreitet, sind sehr standorttreu und können bis zu neun Jahre alt werden. Ihr Revier, das kaum einmal verlassen wird, ist mit rund 0,15  Quadratkilometern recht klein.

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