Eltern lieben’s

Natascha Schnetzer freut sich, dass sie als Leiterin des Elli‘s das Zusammenleben in Schlins mitgestalten kann.

„Elli‘s” steht für „Eltern lieben‘s“. Doch bei näherer Betrachtung scheint der Name ein wenig zu kurz gegriffen. Denn im Laufe ihres Lebens profitieren fast alle Schlinserinnen und Schlinser von den vielfältigen Impulsen, die vom Familienzentrum mitten im Ort ausgehen. 

FOTOS: TM-HECHENBERGER, HANDOUT / ELLI‘S

Das Angebot reicht von Spielplatztreffs über Deutsch­training und Erste-Hilfe-Kurs bis hin zu Selbstverteidigung, Vorträgen und verschiedensten Veranstaltungen. „Wir versuchen, flexibel auf die Bedürfnisse einzugehen“, erklärt Natascha Schnetzer, welche das „Elli’s“ seit der Eröffnung im Frühjahr 2023 leitet. Die Anstrengungen einer Elterngruppe, das 2019 geschlossene Eltern-Kind-Zentrum „wiederzubeleben“, verfolgte sie von Anfang an mit großem Interesse und stieß dann auch 2022 kurzfristig dazu, als bei einem Workshop die Bedürfnisse und Möglichkeiten ausgelotet werden sollten. Dabei wurde rasch klar, dass ein so breites Angebot, wie dies gewünscht wurde, allein auf ehrenamtlicher Basis nicht zu verwirklichen sein würde. Glücklicherweise teilten die Gemeindeverantwortlichen diese Ansicht, sie holten alle Beteiligten an einen Tisch und gaben Budgetmittel frei. 

Natascha Schnetzer wusste sofort, dass sie diese Herausforderung annehmen wollte. „Es ist für mich ein super-toller Einstieg, der mir viel Freiheit und Raum für Kreativität lässt“, freut sich die zweifache Mutter über die Möglichkeit zur Mitgestaltung und den regelmäßigen Austausch mit anderen Eltern. 

Das Elternkernteam (li.: Manuela Piereder, Corinna Matt, re: Christina Lingg-Budin, Anina Köb-Greussing) unterstützt Natascha Schnetzer (Mitte) tatkräftig bei all ihren Aktivitäten.

Die gebürtige Lustenauerin kann einiges an Fachkompetenz einbringen. Sie ist vor 15 Jahren der Liebe wegen nach Schlins gezogen. Neben ihrem Beruf als Kindergartenpädagogin in Höchst und Bludesch hat sie zahlreiche Weiterbildungen absolviert, die ihr nun zugute kommen. Unterstützt von einem engagierten Team an Ehrenamtlichen hat sie vielfältige Angebote für Familien aufgebaut, die inzwischen gerne genutzt werden. Erst kürzlich etwa war das „Elli‘s“ Schauplatz einer Faschingsparty, bei der Groß und Klein viel Spaß hatten.

Durchschnittlich rund acht bis zehn Familien versammeln sich regelmäßig zum Kindertreff am Dienstagvormittag. Sie wissen es zu schätzen, dass die Teilnahme ganz unkompliziert ohne Erwartungshaltung oder vorherige Anmeldung möglich ist. Natascha Schnetzer hat für die Eltern zwar gerne ein paar Tipps parat – Spiele für ein entspanntes Miteinander am Wickeltisch, Rituale, Bastelanleitungen, Reime oder Lieder – , in erster Linie geht es aber um Austausch und das gegenseitige Kennenlernen. Denn es sind oft dieselben Fragen, welche junge Eltern umtreiben. Und diese Treffs führen dann nicht selten dazu, dass die Familien sich gegenseitig unterstützen und Freundschaften entstehen.

 Besonders stolz ist Natascha Schnetzer, dass sie dazu beitragen konnte, dass auch viele „Neuzugezogene“ und Familien mit migrantischem Hintergrund inzwischen gerne am Schlinser Dorfleben teilnehmen. Schließlich ist Schlins Heimat von Menschen aus knapp fünfzig Nationen. „Türöffner waren die Spielplatztreffs“, hat Natascha Schnetzer für sich analysiert. Beim entspannten Zusammentreffen am öffentlichen Spielplatz beim Kindergarten wurden erste Kontakte geknüpft, aus denen bald weitere Angebote wie Elli‘s Deutsch­treff oder das Sprachencafé entstanden. Natascha Schnetzer setzt gezielt auf die Zusammenarbeit mit bestehenden Sozialeinrichtungen, arbeitet beispielsweise eng mit den Teams des Lerncafé der Caritas oder der örtlichen Bibliothek zusammen. So kümmert sich das Team des Elli‘s etwa um die Kinder, während die Eltern im Sprachencafé büffeln. Der Deutschtreff, bei dem bis zu Vierjährige mit ihren Müttern neben deutschen Vokabeln auch Pünktlichkeit und andere Regeln für ein konfliktfreies Beisammensein als Vorbereitung auf den Kindergartenbesuch trainieren, wird jeweils einmal im Monat vom Team der Familienimpulse mobil des Vorarlberger Kinderdorfes bereichert. In Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk hatten Eltern die Möglichkeit, sich in einem moderierten Eltern-Chat über den Umgang mit digitalen Medien auszutauschen. 

Auch zu den Vereinen und Betrieben im Ort hält Natascha Schnetzer gerne Kontakt. So waren etwa die Väter ganz bei der Sache, als das Elli‘s zum „Papa-Kind-Werkeln“ in der Werkstatt der Tischlerei Hartmann aufrief.

Durch ihre vielfältigen Aktivitäten ist Natascha Schnetzer zu einer gefragten Ansprechpartnerin im Ort geworden. Mütter wenden sich vertrauensvoll an sie, wenn es etwa um Fragen zur gesunden Ernährung geht, sie einen Arzt oder Hilfe beim Ausfüllen von Formularen benötigen. Deshalb freut es die umtriebige Leiterin besonders, dass der zweite Umzug des Elli‘s sie im letzten Herbst noch weiter ins Dorfzentrum geführt hat. Tür an Tür zur Gemeindeverwaltung und der Arztpraxis ist das Elli‘s nun noch sichtbarer und leichter erreichbar. Damit die Treffs auch dann verlässlich möglich sind, wenn Natascha Schnetzer einmal krankheitsbedingt ausfällt, hat die Gemeinde zudem eine weitere Arbeitskraft im Ausmaß einer zehnprozentigen Anstellung genehmigt. Die Leiterin des Elli‘s freut sich bereits auf den Austausch im Team und hofft auf weitere Impulse zugunsten der Menschen im Dorf. 

Sie selbst startet demnächst mit einer Ausbildung in Sachen Elternbildung, von der sie sich ebenfalls Anregungen für die künftige Entwicklung des Elli‘s erhofft. Cybermobbing und „Mental Load“ sieht sie etwa aktuell als Themen, welche die Menschen beschäftigen und auf die sie mit Hilfe von Fachleuten eingehen möchte. Außerdem weiß sie, dass etwa Angebote in der Natur auf der Wunschliste vieler Familien stehen. 

Zwar wurde ihr erst kürzlich per Umfrage bestätigt, dass das Elli‘s sich grundsätzlich auf einem guten Weg befindet, doch Natascha Schnetzer will nicht stehenbleiben und weiterhin mit den Menschen im Ort im Gespräch bleiben, um flexibel auf deren Bedürfnisse reagieren zu können. Sie freut sich, dass ihr immer wieder unaufgefordert Hilfe bei der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen angeboten wird und ist dankbar für jede helfende Hand. Wer seine Talente und Fähigkeiten im Elli‘s einbringen möchte, ist jederzeit willkommen und muss nicht befürchten, dann auf ewig verpflichtet zu sein. 

Seit Anfang des Jahres sind die Angebote des Familientreffs allerdings nicht mehr ganz kostenfrei. Natascha Schnetzer hat nämlich einen „Wertschätzungs- beziehungsweise Solidaritätsbeitrag“ eingeführt. „Jede Familie gibt, was sie kann beziehungsweise was es ihr wert ist.“ 

Gerade angesichts der täglichen Meldungen über die angespannte Budget-Situation in Land und Gemeinden hofft Natascha Schnetzer mit dieser Maßnahme dazu beizutragen, dass es die Angebote des Elli‘s noch lange gibt. Ihr selbst gehen die Ideen sicher nicht aus.

„Elli’s zeigt, was unser Dorf ausmacht: Zusammenhalt, Offenheit und echtes Miteinander. Was Natascha und ihr Team hier aufgebaut haben, bereichert Schlins täglich – als Ort, an dem Menschen Unterstützung finden, Kontakte knüpfen und Gemeinschaft erleben”, ist denn auch Bürgermeister Wolfgang Lässer voll des Lobes. „Dieses Engagement stärkt unser Dorf weit über den Familienbereich hinaus.“

Wer mehr wissen möchte, findet unter ellis-schlins.at stets aktuelle Informationen.

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