In den 14 Mitgliedsgemeinden der Regio Im Walgau tragen zahlreiche Projekte dazu bei, den sozialen Zusammenhalt in der Region zu stärken. Durch Zusammenarbeit im Rahmen einer „Lerngemeinschaft“ sollen die Angebote gezielt weiterentwickelt, die Menschen direkt vor Ort angesprochen und ehrenamtlich Engagierte unterstützt werden.
FOTOS: REGIO IM WALGAU, TM-HECHENBERGER
„Es war beeindruckend zu sehen, mit welcher Dynamik die Teilnehmenden aus Verwaltung, Politik und Ehrenamt die Gelegenheit genutzt haben, sich zu vernetzen und die Angebotslandschaft im Walgau sichtbar zu machen“, freut sich Mag. Claudia Marte über die äußerst positive Resonanz auf die Auftaktveranstaltung der „Regionalen Lerngemeinschaft Walgau“. Die ausgebildete Sozial- und Kulturanthropologin kümmert sich seit knapp drei Jahren im Auftrag der Regio Im Walgau um die Themen Integration und Sozialplanung. Im Oktober 2025 lud sie gemeinsam mit Regio-Geschäftsführerin MMag. Eva-Maria Hochhauser-Gams sowie den Verantwortlichen der Projektstelle „okay.zusammen leben“ erstmals sozial Engagierte aus der Region zum Austausch und voneinander Lernen ein.
Dem Treffen vorangegangen war eine umfassende Sozialraumanalyse der Regio Im Walgau, welche eine Evaluation der niederschwelligen sozialen Angebote inkludierte. Es zeigte sich, dass es bereits einige Initiativen und Angebote gibt, mit denen Integration und soziale Teilhabe gefördert werden. Deutschtreffpunkte, Lernunterstützung, gemeinsame Freizeitaktivitäten in Vereinen sowie Initiativen in Kinderbetreuungs- oder Bildungseinrichtungen und von Privatpersonen schaffen vielerorts Gelegenheit zu Begegnung und Austausch.
Gleichzeitig wurden jedoch auch deutliche Lücken in der wohnortnahen Versorgung mit niederschwelligen sozialen Angeboten ersichtlich. Die Sozialraumanalyse verdeutlichte, wie stark viele Menschen im Walgau auf kurze Wege angewiesen sind und dass Angebote außerhalb des eigenen Wohnortes häufig nur schwer erreichbar sind. Wohnortnahe Angebote sind besonders für Personen mit eingeschränkter Mobilität wie beispielsweise Familien mit kleinen Kindern, ältere zugewanderte Menschen, Asylwerberinnen und Asylwerber oder ausländische Pflegekräfte mit engen Zeitfenstern wichtig. Um diesen Zielgruppen eine verlässliche Teilhabe zu ermöglichen, braucht es vor allem in den Bereichen Bildung, Begegnung und Orientierung zusätzliche Bemühungen sowie den gezielten Ausbau wohnortnaher Strukturen. Genau hier möchte die Regionale Lerngemeinschaft Walgau ansetzen: Sie verfolgt das Ziel, bestehende Angebote sichtbar zu machen, deren Erreichbarkeit zu verbessern und gemeinsam mit engagierten Personen aus Gemeinden, Einrichtungen und Ehrenamt neue, wohnortnahe und niederschwellige Strukturen aufzubauen.
Beim ersten Vernetzungstreffen sei dies bereits hervorragend gelungen, berichten die Verantwortlichen. Gleichzeitig wurde aber deutlich, dass die Teilnehmenden in ihrem Alltag auch auf verschiedene Hürden stoßen. Manchmal sind es scheinbar nur kleine Details, die Abläufe erschweren – etwa fehlende Räume, organisatorische Kleinigkeiten oder unklare Zuständigkeiten. Mitunter sind sie jedoch auch mit größeren Herausforderungen konfrontiert. So sind etwa bestimmte Zielgruppen schwer zu erreichen. Auch ist es nicht immer leicht, ehrenamtlich Engagierte, die für viele Angebote eine zentrale Rolle spielen zu gewinnen beziehungsweise längerfristig zu halten. Schließlich sind die zeitlichen Ressourcen überall begrenzt.
Gemeinsamer Pool an Leihgegenständen
„Es macht wenig Sinn, neue Angebote zu schaffen, während alte wegbröckeln“, waren sich die Vernetzungswilligen einig, dass ehrenamtliches Engagement wertgeschätzt und bestmöglich unterstützt werden sollte. Die Anwesenden überlegten sich denn auch konkrete Lösungsansätze. So wurde etwa eingehend über eine digitale Plattform diskutiert, auf der die in den Mitgliedsgemeinden vorhandene Infrastruktur sichtbar wird, sodass bei Bedarf leicht ausgeholfen werden kann. Denn manchmal sind gute Ideen nur mit großem Aufwand umsetzbar, weil ein passender Veranstaltungs- oder Lagerraum fehlt, keine Kaffeemaschine zur Verfügung steht oder Materialien für die Kinderbetreuung erst privat zusammengesammelt werden müssen. „Mit schneller Hilfe kann man in solchen Situationen viel Frust abfangen“, weiß Claudia Marte aus der Praxis. Parallel dazu könnte ein gemeinsamer Pool an Leihgegenständen aufgebaut werden. Die Sichtbarkeit und Verortung sozialer Angebote wurde von den Teilnehmenden ebenfalls als Herausforderung benannt. Viele Initiativen sind engagiert aktiv, werden jedoch über Gemeindegrenzen hinweg nur unzureichend wahrgenommen. Im Vernetzungstreffen wurde daher betont, wie wichtig es ist, soziale Angebote klarer zu kommunizieren und strukturiert sichtbar zu machen – insbesondere, um Doppelstrukturen zu vermeiden und Synergien zwischen Gemeinden zu stärken. Ebenso wurde angeregt, bei künftigen Neu‑ und Umbauten öffentlicher Gebäude die Bedürfnisse sozialer Initiativen frühzeitig mitzudenken und entsprechende Räumlichkeiten gezielt zu schaffen, damit Angebote nicht an fehlender Infrastruktur scheitern.
Für die weitere Arbeit erweist es sich nach Ansicht der Verantwortlichen als hilfreich, den Walgau in kleineren, funktionalen Teilräumen zu denken. Diese Orientierung an räumlicher Nähe erleichtert nicht nur die Zusammenarbeit, sondern trägt auch dazu bei, dass soziale Angebote dort geplant und umgesetzt werden können, wo die Menschen tatsächlich leben und ihren Alltag gestalten.
Auch wenn die Lerngemeinschaft kein allgemeingültiges „Patentrezept“ entwickeln kann, wie alle Menschen verlässlich erreicht werden, wurde deutlich, dass der regelmäßige Austausch und die enge Zusammenarbeit ein wichtiger Schritt hin zu passgenaueren und besser zugänglichen Angeboten ist.
Wer zu einem harmonischen Zusammenleben im Walgau beitragen und sich in der Lerngemeinschaft einbringen möchte, kann Claudia Marte unter Tel: 0664/88985712 kontaktieren oder ganz unverbindlich bei einer der nächsten Zusammenkünfte vorbeischauen:
Zum zweiten Vernetzungstreffen der regionalen Lerngemeinschaft treffen sich Menschen, die sich für ein gutes Miteinander engagieren (wollen), am Donnerstag, 9. April um 18 Uhr im „mittadinna“ am Ramschwagplatz 8a in Nenzing.














