Kleider machen Leute

– Jacqueline Jenni kann diese Redensart nur bestätigen. Die 23-Jährige schätzt vor allem, wie sich das richtige Styling auf das eigene Wohlbefinden auswirkt. Als ausgebildete Stylistin und Lebensberaterin unterstützt sie andere dabei, sich stark und authentisch zu fühlen.

FOTOS: TM-HECHENBERGER, HANDOUT

Jacqueline Jenni kennt das Gefühl, sich im eigenen Körper nicht wohlzufühlen und nicht zu wissen, wie sie sich kleiden soll. „Im Alter zwischen 16 und 18 Jahren war ich frustriert und habe mich ständig mit anderen verglichen“, erinnert sie sich. Dies änderte sich erst, als sie mit 19 eine Stylingberatung buchte. Sie erfuhr, welche Farben und Schnitte ihrem Teint und ihrer Figur schmeicheln, wie sie ihren Typ vorteilhaft in Szene setzen kann, ohne sich verkleidet zu fühlen. Diese Erfahrung hat ihr Leben verändert. Sie erkannte: 

„Styling ist nicht nur oberflächlich.
Es macht viel mit dir als Person.“

Die Bludescherin, die zu diesem Zeitpunkt gerade erst die Tourismusschule in St. Johann in Tirol abgeschlossen hatte, beschäftigte sich schon länger damit, was sie mit ihrem Leben anfangen sollte. „Was kann ich gut, wie kann ich anderen helfen?“, lautete die Frage, auf die sie plötzlich eine Antwort parat hatte. Denn sie wusste nun, dass sie gerne andere Frauen dabei unterstützen würde, zu sich selbst zu finden und selbstbewusst zu sich zu stehen. Dass es mit einem neuen Styling allein nicht immer getan sein würde, war ihr von Anfang an klar. Deshalb eignete sie sich nach der Ausbildung zur Farb- und Typberaterin auch psychologisches Wissen an, indem sie sich zur Lebens- und Sozialberaterin weiterbildete. 

Diese Entscheidung wurde anfangs belächelt. „Was willst du in deinem Alter schon über das Leben wissen?“, schüttelte so manch einer in ihrem Umfeld den Kopf. Doch inzwischen freut sich Jacqueline Jenni über viele positive Rückmeldungen. Nachdem sie in Wien eine Zeit lang mit einer Stylistin zusammengearbeitet hatte  und dabei weitere wichtige Erfahrungen sammeln konnte, reiste sie einige Monate durch die Welt. Im Frühjahr 2023 fühlte sich die junge Frau bereit, sich ganz ihrer Mission zu widmen und sich ohne Partner in der Selbstständigkeit zu versuchen. „Mittlerweile habe ich schon 155 Leute beraten“, strahlt die Stylistin, die ihr Wissen auch bei Workshops, Vorträgen, Fernsehauftritten sowie auf Instagram und Facebook teilt. 

Jacqueline Jenni rät prinzipiell davon ab, Trends zu folgen und hält es eher mit Coco Chanel, die einst gesagt haben soll:

„Mode vergeht, Stil bleibt.“

Und dieser Stil sollte authentisch sein. Denn nur, wer sich rundherum wohlfühlt, kann stark und selbstbewusst auftreten. Outfits, die mit Markenlogos übersät sind, hält Jacqueline Jenni für ein „No-Go“. Stattdessen möchte sie dabei behilflich sein, einen persönlichen Stil zu finden, der genau zu der Person passt. 

Die junge Frau ist oft überrascht, wie viele Kleidungsstücke in den Schränken ihrer Kundinnen hängen und kaum getragen werden. Manchen fällt es trotzdem schwer, sich von Fehlkäufen zu trennen. Auf Wunsch hilft die Stylistin deshalb gerne beim Aussortieren. Veränderungswillige begleitet sie anschließend zur Shoppingtour, bei der das Bestehende mit langlebigen Stücken ergänzt wird, die vielfältige Kombinationen ermöglichen. 

„Man kann in Vorarl­berg hervorragend einkaufen“,

weiß Jacqueline Jenni, „man muss nur wissen, wo.“ Beim Einkauf legt die junge Frau viel Wert auf Qualität. Sie ist ein Gegner von „fast fashion“, die oft schon nach dem ersten Wasch­gang viel von ihrem Glanz verloren hat und zudem der Umwelt schadet. Stattdessen greift die Bludescherin zu Naturmaterialien und prüft Passform und Verarbeitung akribisch. „Lieber weniger, dafür aber hochwertige Stücke“, lautet ihr Motto auch für die eigene Garderobe. „Man kann nicht selbstbewusst auftreten, wenn man ständig an sich rumzupft, weil irgendetwas nicht hundertprozentig sitzt, oder weil man in Kunstfasern zu schwitzen beginnt“, erklärt sie. 

Anstatt spontan dies und jenes einzupacken, empfiehlt die Modebegeisterte, lieber nur ein paar wenige Kleidungsstücke aus hochwertigen Materialien zu kaufen, die perfekt sitzen. Außerdem rät sie ihren Kundinnen, ein Kleidungsstück, bei dem sie sich nicht hundertprozentig sicher sind, 48 Stunden lang im Geschäft hängen zu lassen, eventuell ein Foto zu machen und zuhause zu checken, ob es sich mit der bestehenden Garderobe kombinieren lässt, bevor sie sich entscheiden. 

„Auf diese Weise spart man einiges Geld und hat nur Dinge im Schrank, die langfristig Freude bereiten.“ Vor allem Menschen, die – wie sie selbst – oft auf Reisen gehen, kann sie diese Vorgangsweise empfehlen. 

„Der Koffer ist ganz schnell gepackt, wenn im Kleiderschrank Klarheit herrscht und alles zusammenpasst.“

Die junge Frau ermuntert ihre Kundinnen und Kunden – ja, auch Männer sind nicht beratungsresistent – aber durchaus dazu, frischen Wind in ihren Kleiderschrank zu bringen.

Jede Kundin erhält von Jacqueline Jenni eine Karte, welche ihr langfristig dabei hilft, Outfits in Farben zu wählen, die ihren Typ positiv unterstreichen.

Denn mit Farbe kann man die Augen zum Strahlen bringen und sich mutig ins Licht rücken. Die Farbberatung helfe dabei, nach unterstützenden Tönen zu greifen. Jacqueline Jenni erinnert sich etwa gerne an einen Kunden, dem sie eine rosafarbene Hose in die Umkleide reichte, die dieser nach anfänglichem Zögern anprobierte. „Heute gehört diese Hose zu seinen Lieblingsoutfits und er erzählte mir, dass er immer wieder Komplimente bekommt, wenn er sie trägt“, schmunzelt die Mode-Expertin. Doch natürlich sind nicht alle Menschen gleich bereit, ihren Kleidungsstil völlig umzukrempeln. Oft gibt es Blockaden, die mit Erfahrungen in der Vergangenheit zusammenhängen. 

Gerade in Vorarlberg beobachtet Jacqueline Jenni immer wieder, dass Frauen sich schnell „overdressed“ fühlen und sich scheuen, mit auffälligen Outfits die Blicke auf sich zu ziehen. Die schönsten Kleidungsstücke werden für „besondere Anlässe“ reserviert. „Doch, wer weiß, ob der Rock dann noch passt“, möchte die Mode-Beraterin dazu ermuntern, sich doch mal einfach nur so in chice Klamotten zu schmeißen, mit der Freundin auf einen Kaffee zu gehen und das gute Gefühl zu genießen.

Eine ihrer Kundinnen wurde als Kind immer in sehr mädchenhafte Kleidung gesteckt. Sobald sie selbst entscheiden konnte, griff sie nur mehr zu Hosen und einem eher rockigen Look. Röcke und Kleider lehnt sie bis heute ab. 

Jacqueline Jenni interessiert sich für die Hintergründe solcher Vorlieben und der intime Rahmen vor dem eigenen Kleiderschrank ermöglicht oft persönliche Begegnungen, die alte Glaubenssätze auflösen und neue Blickwinkel auftun. Die ausgebildete Lebens- und Sozialberaterin freut sich, wenn die Frauen ihr von einem ganz neuen Lebensgefühl berichten, das parallel mit den neuen Farben und Kleidungsstücken in ihr Leben Einzug gehalten hat. 

So kann Verwandlung aussehen: Eine Unternehmerin wünschte sich ein „professionelleres Auftreten“.

Voraussetzung für eine solche Veränderung ist natürlich, dass es auf der persönlichen Ebene zwischen Beraterin und Kundin passt. Dies versucht sie gleich beim ersten Kennenlernen – oft auch online – abzuklopfen. Zum Beratungstermin kommt sie – mit beleuchtetem Spiegel, Farbkarten und Stoffmustern ausgerüstet – meist zu den Kundinnen nach Hause. Trotzdem hat sie sich seit Anfang Februar im Muut-Office in Bludenz eingemietet, um bei Bedarf Räumlichkeiten parat zu haben, in die sie jene einladen kann, die sich eine neutralere Umgebung für das Beratungsgespräch wünschen. 

Obwohl ihr bewusst ist, dass sie dranbleiben muss, ist die Jungunternehmerin aktuell zufrieden mit der Entwicklung ihres Geschäfts. Sie ist viel in Deutschland, der Schweiz und ganz Österreich unterwegs und genießt diese Reisen sehr. Weil sie sich in Vorarl­berg zuhause fühlt und die Natur, die sie hier umgibt, sehr zu schätzen weiß, will sie vorerst im Ländle bleiben. Allerdings spürt sie sehr wohl, dass es sie noch sehr in eine städtischere Umgebung zieht. Könnte also sein, dass sie sich bald wieder auf den Weg macht. „Schauen wir, was wird“, lässt die 23-Jährige das Leben auf sich zukommen. 

Wer von ihren Styling-Tipps profitieren möchte, findet Jacqueline Jenni auf Instagram und Facebook. Dort bietet sie auch immer wieder die Möglichkeit, sich für einen der beliebten „Style-Calls“ anzumelden, bei denen sie kostenlose Beratung anbietet.

Vorheriger ArtikelMenschen: Bianca Burger
Nächster ArtikelMenschen: Sabrina Wachter