Menschen: Bianca Burger

„Na ja, geplant war das sicher nicht“, lacht Bianca Burger, wenn man sie fragt, wie sie zu ihrem Beruf kam. Die studierte Kultur- und Geisteswissenschaftlerin organisiert seit drei Jahren Trauerfeiern und hält im Auftrag der Hinterbliebenen Reden, die der verstorbenen Person wirklich gerecht werden sollen. Diesen Anspruch stellt Bianca Burger an sich selbst. „Einen klassischen Lebenslauf mache ich eigentlich nie“, erklärt die 36-Jährige. Sie möchte alle Facetten beleuchten, welche die verstorbene Person einzigartig machten, und von individuellen Erlebnissen berichten. Für die Gespräche mit den Angehörigen nimmt sie sich deshalb viel Zeit. Gerade wenn ein Mensch durch schwere Lebensphasen gegangen ist und sich dadurch manches verändert hat, möchte sie den Anwesenden das Positive, das sie gemeinsam mit dem Verstorbenen erlebt haben, in Erinnerung rufen. Bei ihren Trauerfeiern darf auch ruhig einmal gelacht werden, wenn ihr die Hinterbliebenen berichten, dass die verstorbene Person humorvoll war. Auf einen würdevollen Rahmen achtet Bianca Burger natürlich trotzdem. „Man braucht viel Empathie für diese Arbeit“, erklärt die Montafonerin, „und ich bin auch vor jeder Rede sehr nervös.“ Doch das zeige schließlich auch, dass ihr die Sache wichtig ist. Bianca Burger hat sich nach dem Studium in Wien in verschiedensten Bereichen ausprobiert, beim Bludenzer Bestattungsunternehmen Espera hat sie jetzt aber etwas gefunden, das sie voll und ganz erfüllt. Allein im vergangenen Jahr waren es 82 Trauerfeiern, die sie gemeinsam mit und ganz nach Wunsch der Angehörigen gestaltet hat. „Man gibt den Menschen in einer Ausnahmesituation Halt und kann in dieser Zeit eine Stütze sein“, spürt Bianca Burger immer wieder und freut sich im Gegenzug über die Wertschätzung, die ihr entgegengebracht wird.

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