Das Tschofen: Eine Frage der Ehre

Fast ein Jahr lang wurde um die behördlichen Genehmigungen gerungen, Anfang Jänner konnten die Bauarbeiten endlich aufgenommen werden: Unternehmer Sandro Preite will seine Idee vom Restaurant und Stadthotel im ehemaligen „Tschofen” jetzt im Eiltempo umsetzen. Noch heuer soll das Haus dem Bludenzer Rathausplatz neuen Glanz verleihen. Und auch die vieldiskutierte Frage der Geschäftsführerschaft ist geklärt: Geleitet wird der Familienbetrieb von Valentina Preite.

Fast ein Jahr lang wurde um die behördlichen Genehmigungen gerungen, Anfang Jänner konnten die Bauarbeiten endlich aufgenommen werden: Unternehmer Sandro Preite will seine Idee vom Restaurant und Stadthotel im ehemaligen „Tschofen” jetzt im Eiltempo umsetzen. Noch heuer soll das Haus dem Bludenzer Rathausplatz neuen Glanz verleihen. Und auch die vieldiskutierte Frage der Geschäftsführerschaft ist geklärt: Geleitet wird der Familienbetrieb von Valentina Preite.

FOTOS: TM-HECHENBERGER

Der Unternehmergeist ist in den Genen der Preites stark verankert. Vater Antonio, Ende der 60er Jahre ohne jegliche Deutschkenntnisse aus Süditalien nach Liechtenstein emigriert, legte 1989 den Grundstein für das erfolgreiche Unternehmen „Preite Verputz und Trockenbau GmbH”. Sohn Sandro stieg 1991 in die Firma ein und gab – wie sein Vater – von Anfang an „Vollgas”.

Jüngster Stukkateur-Meister Vorarlbergs
Sandro Preite und seine Schwester Valentina haben viel vor.

Mit 19 Jahren war Sandro Preite damals der jüngste Trockenbau- und Stukkateur-Meister Vorarlbergs. Mit der Firma ging es steil aufwärts und 2002 wurde im Bürser Gewerbegebiet Quadrella das neue Firmengebäude errichtet. 2013 übernahm der damals 38jährige Sandro Preite den auf mittlerweile 30 Mitarbeiter angewachsenen Betrieb als Alleingeschäftsführer, wobei sich Papa Antonio auch im  Ruhestand nach wie vor beratend und unterstützend einbringt.

Als Gipser und Stukkateur hat Preite seit jeher auch viel mit alten Bauten zu schaffen. „Die oft großartige Substanz alter Gebäude denkmalgerecht zu sanieren, sie technisch auf den neuesten Stand zu bringen und ihren Wert damit für die nächsten Generationen zu sichern, das waren für mich immer besonders interessante Herausforderungen”, schildert Sandro Preite.

Als das „Tschofenhaus” inmitten der Bludenzer Altstadt im März 2016 zum Verkauf ausgeschrieben war, wusste Preite sofort, dass er hier mitbieten würde: Dieses großartige Gebäude wieder in Schuss zu bringen war für den gebürtigen Bludenzer und Fan alter Bausubstanz eine Sache der Ehre – und die Lage mitten in der Stadt schrie geradezu nach einer gastronomischen Nutzung.

24 Betten-Hotel mitten in der Altstadt

Tatsächlich erhielt Sandro Preite den Zuschlag. Gemeinsam mit dem Architekturbüro Atelier Ender aus Nüziders wurde das Projekt im Detail entwickelt. Die Idee, hier ein Stadthotel zu realisieren, ergab sich erst aus der intensiven Auseinandersetzung mit der Substanz. Nach entsprechender Marktforschung, welche den Bedarf für zusätzliche schöne Betten und ein Restaurant bestätigte, erwarb Preite auch zwei Stockwerke des direkt an das Tschofenhaus angrenzenden „Eberle-Hauses”.

So steht jetzt auf vier Stockwerken, im Dachgeschoss und Keller eine Nutzfläche von 860 Quadratmetern zur Verfügung.  Nach den Plänen des Ateliers Ender genügend Raum für ein Restaurant mit 60 Sitzplätzen – plus 60 Plätze im Gastgarten – sowie ein Stadthotel mit zwölf Zimmern und 24 Betten samt Wellnessbereich und allen erforderlichen Neben- und Wirtschaftsräumen.

Das Vorhaben – von der Politik und den Behörden der Stadt von Anfang an positiv begleitet, wie Preite betont – sollte eigentlich schon im Jahr 2017 gestartet werden. Das Bauverfahren dauerte allerdings länger als vorhergesehen.

Eröffnung spätestens im Herbst 2018
Noch präsentiert sich das künftige Stadthotel als große Baustelle.

Gemeinsam mit langjährigen Partnern am Bau  wurde aber ein entsprechend ehrgeiziger Zeitplan aufgestellt: Spätestens im Herbst des heurigen Jahres soll die Eröffnung gefeiert werden! Als Laie hält man das für schlichtweg unmöglich. Beim Augenschein Ende Jänner bereitet ein Baggerfahrer gleich hinter der nicht mehr vorhandenen Eingangstüre den Abbruch eines Kellergewölbes vor.

Er wartet noch auf Grünes Licht vom herbeigerufenen Statiker, welcher die Sachlage laufend und ausgiebig prüft. „Keine Gefahr”, lautet seine Expertise und der Baggerfahrer legt los.

Vier Stockwerke über ihm sind Betonschneider mit einer überdimensionierten Flex dabei, die 30 Zentimeter dicke Betondecke zum Dachgeschoß zusammenzuschneiden, damit hier ein neues Stiegenhaus eingebaut werden kann. Stück für Stück werden die tonnenschweren Betonteile per Baukran durch das dafür geöffnete Dach abtransportiert. Zwischen den Stockwerken wuseln Holzbauer, die überall neue Balken einziehen. Und trotz der regen Betriebsamkeit im ganzen Haus herrscht absolut keine Hektik.

Sandro Preite will „dasTschofen” noch heuer im Herbst fertigstellen.

„Hier sind nur absolute Profis am Werk”, lobt der Bauherr. Dass seine Unternehmerkollegen trotz der Hochkonjunktur am Bau die Kapazitäten für „das Tschofen” bereitstellen – der Baubeginn war ja lange nicht absehbar – rechnet er ihnen hoch an. Sie dürfen sich, wie alle Bludenzer und Gäste aus nah und fern auf ein zünftiges Eröffnungsfest freuen…

 

Gastgeberin Valentina Preite

Bewundert wird das rege Treiben auf der Baustelle auch von Valentina Preite. Die 27jährige ist die zweitjüngste der drei Schwestern von Sandro Preite und trägt ebenso wie ihr Bruder und ihre große Schwester, die Kosmetikstudio-Besitzerin Claudia Preite, ganz offensichtlich den familiären Unternehmergeist in sich: Sie wird nämlich die künftige Gastgeberin im „dasTschofen”. Als Absolventin der Tourismusschule Bludenz mit mehrjähriger Erfahrung in Hotels, Restaurants und Cafés hat sie die notwendigen fachlichen Voraussetzungen dafür. Als „echte Preite” bringt sie natürlich auch den erforderlichen Mut zum Aufbau des Betriebes mit.