Sportler mit Blick fürs Schöne

In seiner Heimatstadt kennt man ihn vor allem als Radsportlegende. Doch Horst Pritz hat außerdem zeitlebens viel Zeit und Energie in seine zweite große Leidenschaft – das Malen – gesteckt. Ab 12. April stellt der umtriebige Bludenzer seine neuesten kreativen Werke im Haus Habakuk in Bludenz aus. 

FOTOS: TM-HECHENBERGER, PRIVAT

Der graue Star macht dem 82-Jährigen zu schaffen, insgesamt hat die Energie etwas nachgelassen. Das hält Horst Pritz aber nicht davon ab, nach wie vor regelmäßig zu Pinsel und Farbe zu greifen. Die Bilder sind jetzt halt ein bisschen kleiner als früher. 

„Eigentlich wäre ich ja gerne auf die Kunstakademie gegangen“, erzählt der Autodidakt. Schon seine Lehrer an der Volksschule waren angesichts seiner Zeichnungen und mustergültig gestalteter Hefte regelmäßig in Verzückung geraten und hatten damit diesen Wunsch befeuert. Doch für jene, die in der Nachkriegszeit als Kind einer alleinerziehenden Mutter von vier Kindern aufwuchsen, sah das Leben so einen Werdegang nicht vor. Auch eine Lehrstelle als Maler war damals in Bludenz nicht zu bekommen. Stattdessen ließ sich Horst Pritz deshalb als Webmeister ausbilden. 45 Jahre lang blieb er der Firma Getzner Textil treu. 

In seiner Freizeit nutzte Horst Pritz jede freie Minute, um sich aufs Rad zu schwingen, trat gegen Profis aus ganz Österreich und den Nachbarländern an. „Zum Trainieren bin ich damals von Bludenz nach Bregenz gefahren und dann direkt zur Nachtschicht“, erinnert er sich an seine aktive Zeit als Radrennfahrer. Für gute Platzierungen winkten damals ein Laib Käse, Pralinen oder Reifen, manchmal ein Pokal oder eine Medaille. „Von einem Rennen in der Schweiz habe ich einmal fünf Kilo Ovomaltine mit nach Hause gebracht,“ lacht er. Geld verdiente man mit dem Radsport in den 1960er-bis 1990er-Jahren keines – im Gegenteil: Das Hobby war mit hohen Kosten verbunden. Doch das hielt Horst Pritz nicht zurück. Auch für den sportlichen Nachwuchs setzt er sich ein, zählt Horst Pritz doch zu den Gründungsmitgliedern des BMX-Club Bludenz. 

Im Winter verlegte sich der Unermüdliche aufs Langlaufen, nahm etwa am Koasalauf teil und legte die 72 Kilometer von Kitzbühel bis nach St. Johann in Tirol im Diagonalschritt zurück. Es ist also fast ein Wunder, dass der begeisterte Sportler auch noch die Zeit fand, sich kreativ zu betätigen. 

„Das Malen hat mich immer beruhigt“, erklärt Horst Pritz.  Außerdem ergänzten sich seine Leidenschaften perfekt. Inspiration für seine Bilder fand er nämlich vor allem auf seinen ausgedehnten sportlichen Touren. Die Natur und schöne Landschaften haben ihn immer fasziniert. Was er im Sommer fotografierte, bannte er im Winter kunstvoll auf Leinwand und Papier. 

In seiner Jugend hatte Horst Pritz oft improvisieren und das fehlende Deckweiß auch mal mit Zahnpasta ersetzen müssen. Den ersten Lohn investierte er deshalb sofort in richtige Ölfarben. Seither genießt er es, mit unterschiedlichsten Materialien zu experimentieren, verschiedenste kreative Techniken auszuprobieren. Horst Pritz hat keinerlei Kurse oder andere kreative Ausbildungen besucht. 

Stattdessen wurde er nicht müde, stundenlang den Straßenkünstlern über die Schulter zu schauen, wenn er eine neue Stadt besuchte. Auch auf Ausstellungen anderer Künstler erhielt er so manchen Impuls. Über die Jahre hat Horst Pritz unzählige Ölgemälde, Aquarelle, Acrylbilder, Bleistift-, Kohle- und Tuschezeichnungen geschaffen. Sogar mit der Airbrush-Pistole weiß der Kreative umzugehen. 

Kulissenmaler der Einhornbühne

Sein Talent sprach sich bald herum, sodass Horst Pritz schon früh erste Aufträge bekam, Porträts zeichnete und beispielsweise als Kulissenmaler bei der Einhornbühne Bludenz gefragt war. Die Vereine seiner Heimatstadt klopften an, wenn sie Transparente, Plakate oder Schützentafeln benötigten. Seine kreativen Einfälle für die Auftritte beim Bludenzer Faschingsumzug sind noch vielen in Erinnerung. Flugzeuge, ein Yeti und vieles mehr entstanden in den gemeinsam genutzten Kellerräumen des Wohnhauses in der Südtiroler Siedlung – und sorgten bei den anderen Bewohnern immer wieder für Überraschungen. 

Probleme mit den Bronchien bremsten Horst Pritz in den letzten Jahren etwas ein, sodass er gezwungen war, erst auf das E-Bike und dann auf den Electro-Scooter umzusteigen, mit dem er letztes Jahr rund 4.700 Kilometer zurücklegte. „Der Horsti muss einfach mobil sein“, zeigt Gattin Christa Verständnis. Immerhin ist sie ja auch selbst eine begeisterte Radlerin. Die gebürtige Kärtnerin hat ihren Mann vor mehr als vierzig Jahren bei einem Radrennen kennengelernt. Zur „Stuberte“ nahm der Kavalier damals mehrfach die dreitägige Anreise mit dem Fahrrad auf sich. 

„Ein Bildstöckle in Kärnten zu malen“ – diesen Wunsch würde sich der 82-Jährige noch gerne erfüllen. Doch zuvor gilt es, die letzten Bilder für die Ausstellung fertigzustellen. „Christian Mair ist ein enger Freund von uns“, freut sich Horst Pritz über den Vorschlag des Puppenspielers, die Bilder im besonderen Ambiente des Hauses Habakuk mitten in der Bludenzer Altstadt zu präsentieren.

Christa Pritz unterstützt ihren Mann tatkräftig bei der Auswahl der Werke. Das ist gar nicht so leicht angesichts der Vielzahl an Bildern, die sich in der Wohnung stapeln, die Wände und sogar das Treppenhaus zieren. Die beiden haben sich aber bereits darauf verständigt, dass im Haus Habakuk vor allem neuere Werke – Blumen, Landschaften, Tiere und Porträts – gezeigt werden sollen. „Wir freuen uns schon sehr darauf“, sieht das Ehepaar Pritz diesem Event voller Begeisterung entgegen.

Ausstellung von 12. April bis 3. Mai im haus Habakuk, Rathausgasse 1 in Bludenz Vernissage am Freitag, 12. April, 19 Uhr, außerdem können die Bilder jeden Freitag von 18 bis 20 Uhr und am Samstag von 10 bis 13 Uhr begutachtet werden.

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