Hier hat Geselligkeit Tradition

Familie Tschann bewohnt in Nüziders ein Haus mit Geschichte, in dem Geselligkeit immer schon eine große Rolle spielte. Diese Tradition führen Andreas Tschann, seine Frau Bettina und Tochter Rafaela gerne fort und öffnen ihre Räumlichkeiten für verschiedenste Anlässe.

FOTOS: TM-HECHENBERGER, PRIVAT

Gemütlicher Kachelofen im ehemaligen Gastraum.

„Fertig bist du nie, so ein Haus ist ein Fass ohne Boden“, lacht Andreas Tschann. Die Rede ist vom St. Vinerhof, den der Landwirt von seinen Eltern geerbt hat und an dem es immer wieder etwas zu flicken gibt. Trotz der vielen Arbeit, die es mit sich bringt, ist der Nüziger stolz auf dieses Vermächtnis. Die Grundmauern des Kellergewölbes seines Hauses gehen schließlich bis ins 10. Jahrhundert zurück. Dies wurde im Rahmen einer dendochronologischen Untersuchung der hölzernen Stützbalken eindeutig belegt. Man geht davon aus, dass das frühere Gebäude einst Teil eines karolingischen Königshofes war. Im Mittelalter residierte die Adelsfamilie St. Viner in dem geschichtsträchtigen Gemäuer und im 15. Jahrhundert verwalteten die Grafen von Sonnenberg von hier aus ihren Besitz, der den gesamten Walgau und große Teile des Klostertals umfasste. Über einen außen angebauten Verbindungsgang gelangten die Adeligen damals in ihre direkt daneben gelegene Privatkapelle – die St. Vinerkirche, welche auf den Überresten eines römischen Wachturms errichtet worden sein soll und die zu den ältesten sakralen Bauwerken Vor­arlbergs gehört. 

Der Sage nach gibt es außerdem einen Geheimgang, der den St. Vinerhof mit der ehemaligen Burg Sonnenberg verbindet. Andreas Graf Sonnenberg, soll durch diese unterirdische Passage entkommen sein, als Bludenzer Geschäftsleute einen Kollegen rächen wollten, den der Adelige im Zorn verletzt hatte. „Sie haben die Burg angezündet, der Graf ist dann aber später in Buchs aufgetaucht“, erzählt Andreas Tschann gerne den Schulkindern, die regelmäßig vorbeikommen, um ein bisschen etwas über die Geschichte ihres Heimatdorfes zu erfahren. Ob es den Geheimgang allerdings wirklich gibt, weiß auch er nicht.

Gaststpiel der Nofler Theatergruppe im Tschann-Keller.

Fest steht jedenfalls, dass Familie Tschann eines der ältesten Häuser in der ältesten Walgaugemeinde bewohnt. Und immer schon war dieses ein Ort, der Menschen zusammenbrachte. Im heute denkmalgeschützten Gebäude wurden einst Schulkinder unterrichtet und Andreas Tschanns Urgroßvater betrieb eine Gastwirtschaft, während er nebenher als Ortsvorsteher die Geschicke der Gemeinde lenkte. Bereits im 17. Jahrhundert erwarb die Familie Tschann einen Teil des Doppelhauses, das wohl im 16. Jahrhundert das heutige Aussehen verpasst bekam. Andreas Tschanns Eltern Josef und Marianne kauften in den 60er-Jahren jenen Teil, den davor die Familie Wolf bewohnte. Sie richteten in den oberen Stockwerken Fremdenzimmer ein und vermieteten diese unter dem Motto „Urlaub am Bauernhof“. 

„Obwohl wir keine Gastwirtschaft mehr hatten, in der Küche saßen immer Leute und unterhielten sich“, erinnert sich Andreas Tschann an seine Kindheit. Die Bank vor der Haustür war ebenfalls stets gut besucht. Er selbst führt diese Tradition fort, sucht aktiv die Begegnung mit seinen Mitmenschen. Seit 33 Jahren engagiert er sich als Obmann des örtlichen Trachtenvereins, unterstützt wird er dabei von seiner Frau und Stellvertreterin Bettina sowie von Tochter Rafaela, die es versteht, mit ihrer „Steirischen“ für  Stimmung zu sorgen. Alle zwei Jahre organisieren die Tschanns zudem ein Straßenfest, bei dem auch mal die „Bündt“ hinterm Haus zum Golfplatz umgestaltet wird. Die Corona-Lockdowns hat die Familie dazu genutzt, ein Projekt umzusetzen, über das schon länger angeregt diskutiert worden war. Sie gestalteten das geschichtsträchtige Kellergewölbe, das schon in früheren Jahren als improvisierte Bar für die Dorf-Jugend herhalten musste, zu einem Ort um, der zur Begegnung einlädt. Dass die dicken Steinwände keinen Handy-Empfang zulassen, sehen die Hausherrn und auch die Besucher als zusätzliches Plus.

Immer wieder ist der Tschann-Keller Schauplatz von netten Zusammenkünften und trägt so zu einem geselligen Dorfleben bei.  So treffen sich etwa die Nüziger Edelbrenner – denen Andreas Tschann ebenfalls angehört – gerne zum Fachsimpeln in dem Gemäuer, beim Musikanten-Hock werden schwungvolle Weisen angestimmt. Buchvorstellungen standen ebenfalls schon auf dem Programm, und für den Nofler Theaterverein baut Andreas Tschann extra einmal im Jahr eine Bühne auf, damit die Mimen ihr Stück in einem ganz besonderen Ambiente zum Besten geben können. Am 30. und 31. Oktober steht übrigens der nächste Theater-Abend im Tschann-Keller an…

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