Wer dieser Tage durchs Frastanzer Ried spaziert, den erwartet nicht nur Naturgenuss, sondern auch vielfältige Information. Die Drittklässler der Mittelschule Frastanz haben sich ein ganzes Jahr lang intensiv mit dem Naturschutzgebiet direkt vor ihren Klassenzimmern auseinandergesetzt und viel dafür getan, dass auch andere vom Wert dieser einzigartigen Landschaft erfahren.
FOTOS: HANDOUT ROMANA STEINPARZER, TM-HECHENBERGER, GERALD SUTTER

Die 39 Hektar große Riedfläche am Rande des Frastanzer Ortszentrums beherbergt rund 370 verschiedene Pflanzen – darunter seltene Orchideen und Heilkräuter –, mehr als 500 Schmetterlingsarten, rund 220 Spinnen-, hundert Wildbienen- und 35 verschiedene Brutvogelarten. Bemerkenswert ist zudem das Vorkommen der Gelbbauchunke und des Kammmolchs, die lange Zeit als besonders gefährdet galten. Sechs der insgesamt sieben Amphibienarten, die in Vorarlberg leben, kann man im Frastanzer Ried entdecken. Die Gefleckte Smaragdlibelle oder die Sumpf-Gladiole zählen ebenfalls zu den Naturschätzen vor Ort.
Sorgsame Pflege ist Voraussetzung
Diese Vielfalt wäre nicht möglich, wenn das Ried nicht seit Jahrzehnten von umsichtigen Landwirten gepflegt würde. Denn ohne die regelmäßige Herbst-Mahd hätten sich Wald und Gestrüpp das Gebiet längst einverleibt. Auch der Verzicht auf Kunstdünger trägt wesentlich dazu bei, dass sich die Tier- und Pflanzenwelt derart vielfältig entwickeln konnte.
Trinkwassersee in 30 Metern Tiefe
Das größte Feuchtgebiet des Walgaus hütet aber auch noch einen anderen Schatz – einen gewaltigen Grundwassersee mit Wasser von erster Güte. Laut Berechnungen liegt das Grundwasseraufkommen in dreißig Metern Tiefe bei 60 bis 80 Millionen Kubikmetern pro Jahr. Die Stadt Feldkirch wird bereits seit fast 350 Jahren – nämlich seit 1685 – mit Trinkwasser aus diesem Wasserreservoir versorgt. Das Frastanzer Ried gilt deshalb bereits seit 1874 als Grundwasserschongebiet, seit den 1990er-Jahren wird es durch die Naturschutzgebiet Streuwiesen Biotopverordnung Rheintal-Walgau geschützt und seit nunmehr zehn Jahren steht es als Europaschutzgebiet unter besonderer Fürsorge.
Da der unterirdische See durch eine undurchlässige Bodenschicht vom Humus getrennt ist, wird er nicht durch Oberflächenwasser verschmutzt, was eine wichtige Voraussetzung für eine gute Qualität des Wassers ist. „Das Wasser ist hier so rein, dass es direkt als Trinkwasser verwendet werden kann“, erfuhren die „Riedbotschafter:innen“ bei einem Interview mit Johannes Marte von den Stadtwerken Feldkirch.
Moordetektive und Riedbotschafter
Die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Frastanz haben einen engen Bezug zu dem Naturjuwel, welches sie direkt vom Klassenzimmer aus beobachten können, da es in unmittelbarer Nachbarschaft liegt. Auf Initiative von Mittelschul-Pädagogin Gerlinde Wiederin beteiligten sich viele von ihnen seit Jahren im Rahmen eines Freifachs als „Moordetektive“ an Pflegemaßnahmen und haben beispielsweise kleine Tümpel angelegt, welche inzwischen von der fast ausgestorben geglaubten Gelbbauchunke als Laichplatz angenommen wird. Unter dem Titel „Riedbotschafter:innen“ wurde dieses Engagement im letzten Schuljahr in den regulären Stundenplan aufgenommen und intensiviert. Begleitet von Natura 2000 Regionsmanagerin Romana Steinparzer sowie den Mittelschulpädagoginnen Susanne Häusle, Cornelia Werle und Caroline Thurnwalder beschäftigten sich die Drittklässler auf vielfältige Weise mit der Tier- und Pflanzenwelt und der Nutzung des Rieds. Sie recherchierten ausgiebig zur Tier- und Pflanzenwelt, fassten das Gelernte in Steckbriefen zusammen, welche auf naturvielfalt.at veröffentlicht wurden, und ließen sich von den Riedbewohnern zu künstlerischen Arbeiten inspirieren. Besonderen Spaß machte es den Schülern, Interview-Partner vor die Kamera zu bitten und Kurzfilme zu gestalten. Technische Grundlagen hatte ihnen zuvor Matthias Decker vom Dreischwestern-TV vermittelt.
Zehn Info-Tafeln vermitteln Wissenswertes
Neben dem Stadtwerke-Mitarbeiter befragten die Schülerinnen Landwirtin Marion Schmid vom Frastanzer Schmidahof und erfuhren dabei etwa, dass insgesamt zwanzig Landwirte das Ried bewirtschaften. Gemäht wird nur einmal im Jahr, nämlich im Herbst, damit die Bodenbrüter nicht gestört werden und sich langsam wachsende Pflanzen entwickeln und versamen können. Auch Spaziergänger und Radler, welche das Frastanzer Ried als Naherholungsraum nutzen, holten die Schülerinnen und Schüler vors Mikrofon.
Bis zum Schulschluss entstanden nicht nur mehrere Kurzfilme, welche man auf naturvielfalt.at beziehungsweise YouTube nachsehen kann, sondern auch zehn aufwendig gestaltete Tafeln, welche entlang der Spazierwege direkt im Ried Wissenswertes über Fauna und Flora vermitteln sowie Links zu weiteren Informationen enthalten. Kurz vor Schulschluss präsentierten die Jugendlichen diese stolz im Beisein von Landesrat Christian Gantner, Bürgermeister Walter Gohm sowie vielen anderen Interessierten. Bei diesem Projekt ging es allerdings auch darum, die Menschen auf die „Spielregeln im Ried“ aufmerksam zu machen. Denn Hundebesitzer, welche ihre Tiere frei laufen lassen beziehungsweise Spaziergänger, welche die Wege verlassen, im Ried Blumen pflücken oder gar Müll hinterlassen, gefährden die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt.
„Wir können nur schützen, was wir schätzen“,
fasste Umwelt-Landesrat Christian Gantner beim Termin vor Ort den besonderen Stellenwert solcher Projekte zusammen und bedankte sich bei allen Beteiligten für ihren Einsatz.















