Guten Flug

Vor 30 Jahren begannen ein paar „Närrsche” am „Vorarlberger” Flugplatz in Altenrhein, alte Flugzeuge zu sammeln. Seit 24 Jahren sind die zahlreichen Exponate im „Fliegermuseum Altenrhein” öffentlich zugänglich. Zehn Jahre lang kämpfte der Verein um die Bewilligung für einen modernen Neubau. Jetzt dauert es kein Jahr mehr, bis das neue Museum seine Hangartore öffnen kann: Am 20. und 21. Juli 2019 wird es eröffnet – mit kräftiger Vorarlberger Beteiligung. Die Firma Schmid aus Göfis liefert dazu eine spektakuläre Flugzeughubbühne.

FOTOS: TM-HECHENBERGER

Flugzeugingenieur und Museumsvereins-Vizepräsident Daniel Steinmülller vor dem Cockpit der flugbereiten „Hunter”.

Präzision und Qualität sind in unserem Geschäft überlebenswichtig”, betont Daniel Steinmüller. Der  Flugzeugingenieur ist seit den Anfängen des Museums engagiert und – wie alle anderen Kollegen auch – ehrenamtlich für den Verein tätig. Als Vizepräsident und beruflich direkt beim Flughafen Beschäftigtem ist ihm die Oberaufsicht für das Neubau-Projekt in den Schoß gefallen.

„Das wird ein Quantensprung für unser Museum”,
Der Neubau samt Flugzeughubbühne – im Vordergrund sieht man das Fundament dazu –
ermöglicht eine würdige
Präsentation der historisch und technisch bedeutenden Fluggeräte.

freut er sich, obwohl das 5-Millionen Projekt natürlich mit viel Arbeit und großer Verantwortung verbunden ist. Der Neubau bringt vor allem viel neuen Platz für die mittlerweile über 30 Flugzeuge aus praktisch allen Epochen der Flugzeughistorie: Vom Hängegleiter aus den 1920er Jahren – der seinerzeit übrigens von den Pionieren des Bregenzer Segelfliegerclubs vornehmlich vom Pfänder geflogen wurde – bis zum „Hawker Hunter” Kampfjet, der bei der Schweizer Armee eingesetzt war.

Die meisten der Flugzeuge sind übrigens noch flugtauglich, was das Fliegermuseum Altenrhein einzigartig macht. Mitglieder des Vereins können auf Wunsch einen Rundflug buchen und erleben, wie sich fliegen anno dazumal – zum Beispiel im Doppeldecker Boeing Stearman aus den 30er- Jahren des vorigen Jahrhunderts – angefühlt hat.

Wer dazu beim Rundgang durch das Museum Lust bekommt: Mitglied kann man gegen eine Jahresgebühr von 80 Franken schnell werden. Das Fluggeld ist allerdings ein bisschen höher – ein Flug im Kampfjet kostet 5000 Franken.


Flugbegeisterte aus der ganzen Welt kommen nach Altenrhein,

um so einen historischen Rundflug zu buchen: Damit und durch die Beiträge der rund 500 Mitglieder, finanziert der Verein den Ankauf und die Wartung der Fluggeräte und den Betrieb des Museums: Öffentliche Gelder gibt es keine.

Das Museum ist inzwischen vollgepackt mit Flugzeugen, Hubschraubern und Fliegerutensilien aller Art – mit dem Neubau verschafft man sich „Luft” und kann die Prunkstücke der Flugzeugbaukunst künftig viel großzügiger präsentieren.

Computersimulation (Fa. Schmid) der Flugzeughubbühne.

Ein anderes technisches Meisterwerk wird dazu entscheidend beitragen: Eine Hubbühne, mit der die Flugzeuge in den ersten Stock des Gebäudes transportiert werden können. Diese ungewöhnliche Konstruktion bietet auf einer Fläche von 140 Quadratmetern Platz für Flugzeuge mit einer Spannweite von bis zu zwölf Metern. Das maximale Hubgewicht beträgt fünf Tonnen. 

„Die Konstruktion dieser Anlage war eine sehr große Herausforderung”,

bestätigt der gelernte Flugzeug-Ingenieur Steinmüller. Nicht nur wegen der außergewöhnlichen Dimen­sionen und der geforderten Tragkraft: Wenn die Hubbühne nicht in Betrieb ist, wird ihre Tragfläche als Teil der Wege um den Flugplatz befahren – auch von schweren Tankfahrzeugen und vom Winterräumdienst. Die an der Hangar-Außenwand angebrachte Zugeinrichtung muss Wind und (See-)Wetter klaglos überstehen und auch bei eisigen Temperaturen voll funktionsfähig sein.

Stephan Schmid: „Als Anlagenbauer freuen wir uns über Aufträge, die nicht alltägliche Herausforderungen darstellen.”

Tatsächlich bestätigt auch Stephan Schmid, Geschäftsführer und Eigentümer des gleichnamigen Anlagenbauers aus Göfis, dass die Flugzeughubbühne kein Produkt „von der Stange” war und einiges an technischem Hirnschmalz erforderte. „Aber das ist ja das Schöne an unserem Beruf, dass man täglich mit neuen und immer wieder anspruchsvollen Aufgaben betraut wird, und diese letztlich zur Zufriedenheit der Kunden ausführen kann.”

Zufrieden ist man beim Museumsverein mit der Arbeit der Göfner Anlagenbauer jedenfalls. „Die sind wirklich auf jeden unserer Wünsche eingegangen und haben sich mit großer Kompetenz daran gemacht, unsere Anforderungen zu erfüllen”, lobt der Vizepräsident. 

Nur logisch, dass dann auch die Firma Schmid beauftragt wurde, zusätzlich eine Autohubbühne einzubauen.
Computersimulation (Fa. Schmid) der Autohubbühne.

Im Zuge der Projektentwicklung hat es sich nämlich ergeben, dass die Gebrüder Bernhard und Johannes Vonier vom Dornbirner Rolls Royce Museum in das Projekt eingestiegen sind. So entsteht jetzt das Fahr- und Flugzeugmuseum Altenrhein: Neben den Fluggeräten kann man ab dem 21. Juli nächsten Jahres auch Nobelkarossen vornehmlich englischer Herkunft bestaunen. Und ebenso wie bei den Flugzeugen gilt, dass man auch die ausgestellten Fahrzeuge für Ausfahrten buchen kann. Das FFA Altenrhein wird das erste fliegende und fahrende Museum der Welt sein…

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