Eine Nase für Hochprozentiges

Vor 15 Jahren hat Michael Salcher zum ersten Mal Maische vergoren und zu Schnaps gebrannt. Heute ist der Nüziger stolzer Besitzer einer eigenen Brennerei und auf dem besten Wege, bei den World of Spirits zum Master gekürt zu werden.

FOTOS: TM-HECHENBERGER, HANDOUT

Es waren Kollegen, die Michael Salcher 2011 „aus Jux und Gaudi“ dazu animierten, es ihnen gleichzutun und es doch einmal selbst mit der Schnapsbrennerei zu versuchen. Als Genussmensch nahm der Nüziger diese Herausforderung gerne an – und brennt seither für dieses Hobby. Er sucht den Austausch mit anderen Brennern und probiert viel aus. „Übung macht den Meister“, lautet sein Motto. Vor allem aber reist Michael Salcher regelmäßig nach Kärnten, um an der „World of Spirits Akademie“ in Bad Kleinkirchheim seine Sensorik zu schulen und alle Feinheiten des Brennereigewerbes zu erlernen. Als Musterstudent steht er sogar unmittelbar vor dem Abschluss des Master-Kurses, welcher ihn dazu befähigt, bei Prämierungen die Erzeugnisse anderer als Juror zu bewerten. Damit dieser Traum in Erfüllung geht,  hat er seine Nase inzwischen derart geschult, dass er stolze Trefferquoten bei Blindverkostungen unterschiedlichster Destillate vorweisen kann.

Von seinem ersten Brand an legte Michael Salcher Wert auf höchste Qualität. „Schließlich kann nur etwas Gutes rauskommen, wenn Gutes drinsteckt“, lautet das Credo des inzwischen mehrfach ausgezeichneten Brenners. Das bedeutet, dass er nur makelloses Obst mit bestem Reifegrad vergärt und beim Brennvorgang akribisch darauf achtet, dass keinerlei Vor- und Nachlaufkomponenten den Edelbrand verunreinigen. Ehrensache, dass seinen Obstbränden keine künstlichen Aromastoffe oder Zucker beigemischt werden. Was seinem Qualitätsanspruch nicht entspricht, wird nicht in den Handel gebracht. 

„Das Ergebnis fällt immer anders aus“, erklärt Michael Salcher, „je nachdem, wie das Obst ist.“ Das Wetter hat einigen Einfluss auf das Endprodukt. Da er aber ohnehin gerne Neues ausprobiert, kann der ambitionierte Edelbrenner mit diesem Umstand gut leben. Er wählt immer wieder andere Obstsorten aus, und auch den „Zigarrenbrand“ hat er als interessantes Experimentierfeld für sich entdeckt. Mit Spannung verfolgt Michael Salcher, wie der klare Schnaps während der Lagerung im Eichenfass an Schärfe verliert und Aromastoffe aus dem Holz aufnimmt. 

Teamarbeit im Hause Salcher

Bis ein hochwertiger Edelbrand in Flaschen abgefüllt und etikettiert ist, sind viele Arbeitsschritte notwendig. Doch glücklicherweise teilt Michael Salchers Frau Dagmar die Leidenschaft ihres Mannes. Sie hat ebenfalls schon einen Grundkurs an der „World of Spirits Akademie“ belegt und lässt alles andere liegen, wenn genau der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um hochreifes, aromatisches Obst zu ernten. Der Verkauf auf verschiedensten Märkten in der Region macht ihr – gelegentlich unterstützt von ihrer Schwägerin – sogar besonders viel Spaß. So war sie denn auch gleich damit einverstanden, dass Michael Salcher während der Corona-Lockdowns seine Werkstatt im Keller opferte, um dort einen Verkostungsraum einzurichten. Und auch die neueste Entwicklung hat ihren Segen.

Damit er sein aufwendiges Hobby jederzeit ausleben kann, hat Michael Salcher heuer nämlich eine eigene Brennerei angeschafft – und gleich auch einen Anbau umgesetzt, in dem er nun in einem hellen, modernen Ambiente mit Blick in den angrenzenden Obstgarten zur Verkostung seiner Edelbrände einlädt. Ein Jahr lang hat der gelernte Zimmermann abends und an den Wochenenden gewerkelt. Außerdem packten Freunde und Kollegen kräftig mit an, sodass alles bereit stand, als die schmucke Destillerie Ende März geliefert wurde. Eine Freundin der Familie steuerte sogar ein passendes Gemälde bei. 

Am 9. Mai waren alle Helfer zur Einweihung des neuen Verkostungsraumes eingeladen.

Der Vorarlberger „Brenner der Jahre 2021 und 2023“ freut sich bereits darauf, die eigene Destillerie in Betrieb zu nehmen. Seiner Experimentierlust sind nun keinerlei Grenzen mehr gesetzt. Er kann seine Brenntermine unabhängig planen und darf größere Mengen produzieren. Neben Obst aus Vorarl­berg und dem Bodenseeraum, will Michael Salcher künftig auch Zuckerrohrmelasse und Getreide als Basis für Hochprozentiges nutzen. Es wird zwar noch einige Zeit vergehen, bis er seinen Freunden den ersten ausgereiften Rum und Whiskey aus eigener Erzeugung servieren kann, doch die Nüziger Edelbrenner und andere Freunde hochprozentiger Genüsse werden ganz sicher andere Gelegenheiten finden, um sich am großen Holztisch auszutauschen.

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