Helden-Kraft für kranke Kinder

„Bist du wirklich extra für mich angereist?“ – Wenn Marion Weinold kranke oder beeinträchtigte Kinder als Cinderella, Rapunzel, Ladybug, Eiskönigin oder Wonder Woman besucht, löst sie ungläubiges Staunen und tiefe Faszination aus. Im prachtvollen „Heldenkostüm“ bringen die rund sechzig Mitglieder der „Charity Heroes Austria“ Glanz und Freude zu Familien, deren Alltag von Sorgen und Leid geprägt ist.  

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Seit neun Jahren verwandelt sich Marion Weinold regelmäßig zur Heldin, um kranken Kindern Kraft zu schenken. „Wir sind allerdings kein Geburtstags-Party-Entertainment“, betont sie.

Anime und Manga sind bei Kindern und Jugendlichen  aktuell sehr beliebt. Und auch „Cos­play“ – eine Art Rollenspiel, bei dem Figuren aus (japanischen) Comics, Filmen und TV-Serien möglichst originalgetreu nachgeahmt werden – ist nicht nur bei jungen Vorarlbergern „in“. Marion Weinold gehört zu den Vorreitern dieser Entwicklung. Schon als 14-Jährige betrieb sie großen Aufwand, um mit Hilfe ihrer Mutter bis ins Detail perfekte Kostüme zu schneidern und sich mit Schminke und Haargel in ihre Idole zu verwandeln. „Heute ist das Mainstream, damals wurde ich deswegen gemobbt“, erinnert sie sich. Sie reiste bald zu Events der Cosplay-Szene – sogenannten Conventions –, lernte Gleichgesinnte kennen und bemerkte immer wieder, wie fasziniert Kinder und auch Erwachsene darauf reagierten, wenn sie den Helden ihrer Lieblingsgeschichten und -Filmen begegneten. Als eine Freundin aus Oberösterreich, die sich während eines Krankenhaus-Aufenthalts fürchterlich gelangweilt hatte, anregte, kleine Patienten im Heldenkostüm aufzuheitern, war Marion Weinold gleich Feuer und Flamme. Für diese ehrenamtlichen Einsätze gab es allerdings viele bürokratische Hürden zu umschiffen, sodass die kleine Cosplay-Truppe bald dazu überging, vom Schicksal gebeutelte Familien zuhause zu besuchen. 

„Es ist eine äußerst kostbare Zeit mit den Kindern“, berichtet Marion Weinold von bewegenden Begegnungen. „Kinder, denen es nicht gut geht, tauchen oft ganz tief in die Fantasiewelt ein“, weiß die gelernte Informatikerin auch aus eigener Erfahrung. „Sie fühlen sich wichtig und sind glücklich, wenn ihr Held extra für sie anreist.“ Das gemeinsame Spielen, Basteln und oft sehr vertrauliche Gespräche bleiben ihnen lange in Erinnerung.

Voraussetzung dafür sind allerdings hochwertige Outfits. Denn Kinder achten auf Details und kennen ihre Helden ganz genau. „Es ist erlaubt, etwas mehr zu glitzern als das Original, aber keinesfalls weniger“, lacht Marion Weinold. Als sie vor sechs Jahren in Nenzing den Verein „Charity Heroes Austria“ gründete und weitere „Helden“ ins Boot holte, legte sie deshalb fest, dass die verwendeten Kostüme von guter Qualität sind und mindestens dem Disneyland-Standard entsprechen. Um glaubwürdig zu wirken, legen die „Heroes“ zudem Wert auf perfekt gestylte Frisuren und  Perücken sowie sorgfältiges Makeup.

Heute sind es rund sechzig Personen, die sich immer wieder ins Helden-Kostüm schmeißen, um kranke Kinder wenigstens für eine kurze Zeit glücklich zu machen. Neulinge werden von erfahrenen Vereinsmitgliedern zu ihren Einsätzen begleitet, um sicherzustellen, dass sie die oft herausfordernden Situationen mit entsprechendem Fingerspitzengefühl meistern. 

„Wir wissen, dass wir die Situation der Familien nicht
ändern können, aber wir können ihnen Kraft schenken“,

ist Marion Weinold überzeugt. Von einem Buben mit Herzfehler weiß sie etwa, dass er monatelang in der Schule vom Besuch des Batman erzählte. „Seine Schulkameraden glaubten schon, dass er jeden Tag vorbeikommt“, freut sich die junge Frau, die oft lange Bahnfahrten auf sich nimmt, wenn sie für die gute Sache ins Heldenkostüm schlüpft. 

Die meisten Vereinsmitglieder kommen aktuell aus Vorarlberg und Wien. In den anderen Bundesländern sind die „Heroes“ noch weniger stark vertreten. „Wir möchten aber alle Kinder besuchen, die einen Helden brauchen“, erklärt Marion Weinold. Wenn der Weg gar zu weit ist – der Verein hatte sogar schon eine Anfrage aus Hamburg –, dürfen sich die Kinder zumindest auf handgeschriebene „Heldenpost“ freuen. Dies erledigt Mary Poppins – alias Obfrau-Stellvertreterin Gisela Eichhorn – höchstpersönlich.

Da der Verein immer wieder mit Spen­den bedacht wird, können die Fahrt­kosten – immerhin rund 8.000 Euro jährlich – inzwischen aus der Vereins­kasse bezahlt werden. Für die auf­wendigen Kostüme – jedes kostet im Durchschnitt rund 500 Euro – greifen die „Heroes“ selbst tief in die Tasche. Aktuell sind die Eiskönigin sowie Bat- und Spider-Man besonders gefragt, doch insgesamt können die „Charity Heroes“ rund siebzig verschiedene Figuren aus der Märchen- und Fantasywelt verkörpern. Wer Zeit und die nötige Empathie aufbringen kann, um sie bei ihren Ein­sätzen zu unterstützen, findet unter charityheroes.at weitere Informationen.

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