Karin Rettenmoser ist vielseitig interessiert. Die studierte Juristin liebt es, Berge zu erklimmen, sie ist ausgebildete Yogalehrerin, Wanderführerin, Bildhauerin – und hat erst kürzlich ihren ersten Roman veröffentlicht. Die Schauplätze von „Herbstfeuer“ dürften den meisten Menschen in der Region geläufig sein, treffen sich die Protagonistinnen Anna und Nora doch auf der Lindauer Hütte.
FOTOS: TM-HECHENBERGER, HANDOUT
„Ich wollte immer schon einmal ein Buch schreiben“, bekennt Karin Rettenmoser. Dass es ein Roman und gar eine Liebesgeschichte werden würde, hat sie selbst überrascht. Denn ursprünglich dachte die Kreative eher an einen Band mit Kurzgeschichten. Die sammeln sich seit Langem bei ihr zuhause an. Die gebürtige Innsbruckerin, die seit dreißig Jahren in Vorarlberg lebt, schreibt seit Kindheitstagen und ging auch immer wieder mit ihren Werken an die Öffentlichkeit.
So verfasste sie etwa Beiträge für die Tiroler Satire-Zeitschrift „Der Luftballon“. Vor zwei Jahren wurde ihr Text „Die Trauerweide“ beim Literaturwettbewerb „Baumgeschichten“ der Regio Im Walgau ausgezeichnet, und im Rahmen der Walgauer Kulturinitiative „Haltestelle Kunst – Wo Wort und Bild sich berühren“ verfasste die begeisterte Literatin 2025 einen Beitrag zum Gemälde der Ludescher Künstlerin Sonja Hagelkreuz. Anfang Juni werden zwei ihrer Texte zum Thema Freiheit in der „V#42“, der jährlichen Zeitschrift von Literatur Vorarlberg zu lesen sein. Außerdem wird ihr Farbholzschnitt „Am Wasser“ schon bald im Rahmen der Initiative „Haltestelle Kunst und Bild“ – ergänzt von einem Text aus der Feder von Karl J. Müller – in Nüziders zu bewundern sein.

Immer, wenn Karin Rettenmoser etwas besonders berührt, greift sie zu Bleistift und Papier. „Jeder kann schreiben“, ist sie überzeugt und empfiehlt ihren Mitmenschen dieses Hobby besonders für Zeiten in seelischer Not. Sie selbst schätzt zudem den Austausch in Schreibwerkstätten, in denen gemeinsam am Stil gefeilt wird. Die Literatin schreibt all ihre Texte in einem ersten Schritt mit dem Bleistift per Hand. Nur, was sie schlussendlich überzeugt, wird später am Computer abgetippt und gespeichert.
Inspiration findet die emsige Schreiberin auch bei persönlichen Begegnungen und auf ihren Touren in den Bergen. „Meist fallen mir beim Gehen Geschichten ein.“ Außerdem engagiert sie sich bei der Sozialorganisation „Tischlein deck dich“. „Es ist schön, mit unterschiedlichsten Menschen in Beziehung zu treten und dabei den eigenen Horizont zu erweitern“, sieht sie die ehrenamtliche Tätigkeit ebenfalls als persönliche Bereicherung und Inspiration für ihr kreatives Tun.
Die Geschichte von Anna und Nora, die sich auf den Bergen treffen, sich anfreunden und verlieben, dabei die große Freiheit erleben und gleichzeitig ihre eigenen Grenzen und Prioritäten erkennen, nahm erstmals vor fünf Jahren auf einer Fahrt nach Südfrankreich in ihrem Kopf Gestalt an. Das erste Kapitel entstand innerhalb kürzester Zeit – und blieb dann liegen. „Pausen dazwischen sind wichtig“, hat Karin Rettenmoser für sich erkannt. Nur wenn sie in der richtigen Stimmung war, setzte sie sich wieder an den Schreibtisch, ihre Figuren entwickelten sich im Zuge dieses Prozesses.

Als sie das Gefühl hatte, dass die Geschichte fertig ist, setzte sie sich dem Urteil anderer aus – lud Freunde und Verwandte zum Lesen und Diskutieren ein. „Ein gutes Stück weitergebracht hat mich die Zusammenarbeit mit meiner Lektorin Jeanette Bell“, ist die Autorin dankbar für das ehrliche Feedback und die Tipps der Hohenemser Deutsch- und Psychologieprofessorin. Dass Günter Bucher vom gleichnamigen Verlag ebenfalls an das „Herbstfeuer“ glaubte, freut Karin Rettenmoser besonders.
Die Juristin engagierte sich einige Zeit lang politisch, arbeitete rund 17 Jahre als Stadtamtsdirektorin in Hohenems und lebt seit 2015 mit ihrem Mann, drei Katzen, einer Hündin sowie einigen Enten in Nüziders. In ihrem Roman begegnet man vielen Details aus ihrem persönlichen Umfeld. Vor allem aber teilen Anna und Nora die Liebe der Autorin zu den Bergen.
Karin Rettenmoser beschreibt ausführlich die Stimmungen in der Natur und die innere Zufriedenheit, die einkehrt, wenn man einen Gipfel erklommen, eine anstrengende Tour gemeistert hat. Sie freut sich, dass sie mit diesem Roman die Verbundenheit mit der Natur weitergeben und zwei starke Frauen in den Fokus rücken konnte.
Ideen für ein nächstes Buch spuken bereits in ihrem Kopf herum. Es wird wieder um ein Frauen-Thema gehen, die Geschichte spannt sich über drei Jahrhunderte von den Zeiten der Hexenverfolgung bis in die Gegenwart. „Doch diesmal wird es ein Krimi“, verrät die vielseitig Kreative, „und er spielt wieder auf den Bergen, nämlich auf der Davenna.“

Wer die Autorin persönlich kennenlernen möchte, hat dazu am Donnerstag, 11. Juni im gmeiner huus Gelegenheit. Ab 19 Uhr liest Karin Rettenmoser aus ihrem Roman „Herbstfeuer“. Im Anschluss daran gibt es bei einem kleinen Buffet mit regionalen Köstlichkeiten Gelegenheit, sich auszutauschen.
















