Als Ausgleich zu seiner beruflichen Tätigkeit testet Martin Ladner in seiner Freizeit die Grenzen seiner körperlichen Fitness, indem er an Laufveranstaltungen über lange Distanzen teilnimmt. Im Oktober will er einen neuen Trend – den Backyard Ultra – in Vorarlberg etablieren. Er rechnet damit, dass die ausdauerndsten Läufer in der Thüringer Au rund zehn bis fünfzig Stunden lang ihre Runden drehen werden.
FOTOS: PRIVAT, HIKARI HAGIWARA, STEVE AUCH (UPTOTHETOP)

Martin Ladner lebt aktuell in Kiel. Der gebürtige Bludenzer arbeitete nach Abschluss der Tourismusschule einige Jahre lang als Koch, bis er beschloss, in Graz Biologie zu studieren. Er hat sich auf Meeresbiologie spezialisiert, seine Masterarbeit über die Auswirkungen künstlichen Lichts auf Seetang führte ihn zuerst nach Japan und nun ans Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock. Im Rahmen eines größeren Projektes forscht er an einer Methode, wie man Fucoidan – einen Stoff, den Braunalgen bei der Photosynthese erzeugen und der große Mengen von Kohlendioxid speichern kann – in Wasserproben schnell und einfach messen kann, um damit das Speicherpotenzial zu berechnen. Martin Ladner genießt seinen Aufenthalt an der Ostseeküste, die sich im Winter aber auch ganz schön dunkel, nass und windig präsentiert. Gerade dann vermisst er allerdings die heimischen Berge, die er so gerne im Laufschritt erobert. Doch auch im flachen Küstengebiet schlüpft der Biologe regelmäßig ins Sportdress. Denn seit er 2013 erstmals gemeinsam mit seinem Vater bei „Bludenz läuft“ einen Halbmarathon in Angriff nahm, hat ihn das Lauffieber nicht mehr losgelassen. Nach rund zehn Jahren, in denen er gemütlich neben Arbeit und Studium vor sich hin joggte, entdeckte er die „Ultraschiene“ für sich. „Das war ein richtiger aha-Moment“, erklärt der begeisterte Hobby-Sportler. Er lief für sich ganz ohne Vorbereitung der Mur entlang einen Marathon und entdeckte:
„Man kann viel mehr erreichen, als man denkt.“
Von da an versuchte er kontinuierlich, seine Leistung zu steigern, absolvierte in Rostock seinen ersten 100-Kilometer-Lauf und steckte sich immer wieder neue ambitionierte Ziele. So lief er etwa innerhalb von neun Tagen neun mal über die Marathon-Distanz von 42 Kilometern – jeden Tag in einem anderen Bundesland. „Am fünften Tag, in Niederösterreich mitten auf einer Straße im Nirgendwo, hatte ich ein Runner‘s High“, erinnert sich der Ausdauersportler an eine tiefe Zufriedenheit und ein euphorisches Glücksgefühl, das ihn spontan in Tränen ausbrechen ließ. Kurz danach sprintete er 25 Mal von Bludenz aus nach Laz hoch und wieder runter, bis er 10.000 Höhenmeter beisammen hatte.
Das stundenlange Laufen tue ihm gut, ist er sich sicher. „Natürlich gibt es viele Ups und Downs, wenn man zwanzig Stunden lang läuft. Aber während eines Downs nicht aufzugeben und danach wieder ein Up zu erreichen, fühlt sich unbeschreiblich gut an“, erklärt er. Martin Ladner verzichtet bewusst auf Musik und andere Ablenkungen, um ganz bei sich zu sein, und berichtet von tollen Ideen, die er beim Laufen entwickelte.
Aktuell hat es ihm ein Trend aus den USA, der Österreich vor fünf Jahren erreichte, besonders angetan: Beim Backyard Ultra nehmen die Teilnehmer zu jeder vollen Stunde eine neue, genau 6,706 Kilometer lange Runde in Angriff, die sie innerhalb der nächsten sechzig Minuten schaffen müssen. Das Rennen endet, wenn nur noch ein Läufer an den Start geht und diese letzte Runde vollendet hat.
1. Backyard Ultra im Land

„Der Weltrekord liegt bei 119 Stunden“, erklärt Martin Ladner. Er sieht die Veranstaltung, die er gemeinsam mit seiner Lauf-Kollegin Johanna Thiel organisiert, aber als Event, an dem alle teilnehmen können, die gerne laufen, da man ja jederzeit aussteigen kann. „Sieben Runden sind schon mehr als ein Marathon, 15 entsprechen einem 100-Kilometer-Lauf“, rechnet er vor. Aber auch, wer nur drei Runden durchhält, hat schon viel geschafft. Martin Ladner freut sich etwa, dass sich seine Schwester zur Teilnahme entschlossen hat, die bisher keinerlei Ambitionen zeigte, an Ultra-Läufen teilzunehmen. Die Rennstrecke hat er schon im vergangenen Jahr vermessen und getestet, als er mit einigen Freunden einen Probelauf absolvierte. Start und Ziel sind bei der Thüringer St. Anna Kirche. „Die Strecke ist optimal“, schwärmt Martin Ladner von der abwechslungsreichen Landschaft und dem schönen Bergpanorama, das die Sportler erwartet. Im Team mit der Dach-Organisation Austria Backyard Ultra sind die Vorbereitungen bereits voll im Gang, auch von der Gemeinde Thüringen fühlt sich Martin Ladner gut unterstützt. Am Samstag, 24. Oktober pünktlich um 9 Uhr wird der erste Backyard Ultra im Ländle gestartet, bei dem maximal 200 Sportlerinnen und Sportler ihre Grenzen ausloten. Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft. Aktuell gibt es nur noch die Möglichkeit, sich auf die Warteliste setzen oder sich ab Anfang November für 2027 vormerken zu lassen. Schließlich soll der Lauf künftig jährlich stattfinden.

Pläne für weitere Lauf-Events
Der Backyard Ultra soll allerdings nicht das einzige Event bleiben, mit dem Martin Ladner die Lauf-Szene im Land bereichert. Der Bludenzer plant bereits die nächste Veranstaltung, die eine Hommage an seine Geburtsstadt und die wunderschönen Berglandschaften werden soll. Diesem Motto entsprechend wird es ein Ultratrail – also ein Geländelauf, bei dem die Teilnehmer auch einige Höhenmeter überwinden müssen. Die Streckenführung steht bereits. „Es wird verschiedene Distanzen zwischen zwölf und 260 Kilometern geben“, verrät Martin Ladner. Von Bludenz aus werden der Walgau, das Montafon, das Brandnertal, das Klostertal, das Große Walsertal und die Gebirgszüge dieser Regionen eingebunden. Noch ist der umtriebige Sportler auf der Suche nach motivierten Mit-Organisatoren sowie Sponsoren. Vom Potenzial dieses Projekts ist er voll überzeugt:
„Vorarlberg hat einfach spektakuläre Voraussetzungen für solche Läufe.“
Wer sich bei den Vorbereitungen für den Ultratrail einbringen möchte, erreicht den Sportbegeisterten unter martin.ladner@gmx.at.














