„Allegretto” ins neue Jahrzehnt

Mit fast tausend Schülern und 78 „Klassenzimmern” ist die Musikschule Walgau die größte Bildungseinrichtung in der Region. Seit vier Jahrzehnten werden bestens ausgebildete Musiklehrer Woche für Woche in die elf Mitgliedsgemeinden entsandt. Der runde Geburtstag ist Anlass zur Rückschau, vor allem aber wird mit Pauken und Trompeten gefeiert.

FOTOS: MUSIKSCHULE WALGAU, TM-HECHENBERGER

Zusammenarbeit über die Gemeinde- und sogar Bezirksgrenzen hinweg war in den 70ern beileibe nicht selbstverständlich. Umso erstaunlicher ist es, dass sich die Gemeindeverantwortlichen von Bludesch, Düns, Dünserberg, Frastanz, Göfis, Nenzing, Nüziders, Röns, Satteins, Schlins und Schnifis 1976 darauf verständigten, gemeinsam eine Wandermusikschule mit Büro in Nenzing zu gründen. Mit 321 Schülern wurde der Unterricht im Herbst 1977 gestartet. Seither sind die Schülerzahlen und auch die Angebote explodiert. 998 Kinder, Jugendliche und Erwachsene üben aktuell unter den Fittichen der Musikschule Walgau ihre Fertigkeiten an 30 unterschiedlichen Instrumenten, in verschiedensten Ensembles, Orchestern und Bands. Durchschnittlich jeden zweiten Tag stellen die Musikschüler bei Vorspielabenden, kleineren und größeren Auftritten und Konzerten ihr Können unter Beweis.

„Alle sollen Zugang zur Musik haben”
Christian Mathis ist seit Vier Jahren Direktor der Musikschule Walgau.
Er ist überzeugt, dass Kinder möglichst früh
an die Musik herangeführt werden sollten.
Sein Sohn Felix ist zwar erst ein halbes Jahr
alt, aber „ich singe ihm regelmäßig vor und
trommle auf sein Bäuchlein.” In einer umfang-
reichen Festschrift blickt die Musikschule auf
die letzten 40 Jahre zurück und informiert
über das aktuelle Angebot.

„Unser ältester Schüler ist 74, die jüngste Schülerin gerade einmal ein Jahr und zehn Monate alt”, erklärt Christian Mathis. Er hat einst in seiner Heimatgemeinde Düns das Klarinettenspiel erlernt, war fünf Jahre lang Kapellmeister der Schnifner Gemeindemusik. Nach einem Jahr bei der Militärmusik entschied er sich entgültig für die Musik, studierte am Feldkircher Konservatorium Klarinette und an der Hochschule Augsburg das Dirigieren. Seit vier Jahren leitet er die Musikschule Walgau, an der er selbst die ersten musikalischen Sporen erwarb und seit 2004 unterrichtet. Musikwettbewerbe sieht er als „wichtige Motivationsquelle”, doch viel wichtiger ist ihm, dass alle Menschen Zugang zur Musik haben, zu einer „wichtigen Bildung, die Spaß macht”.

„Flexipass” zum Auffrischen

Dazu braucht es aber auch das passende Instrument. „Viele wollen aus einer Lagerfeuer-Romantik heraus Gitarre lernen”, erklärt sich Christian Mathis den Run auf dieses Instrument. Wenn die Schüler dann an der Gitarre nicht ganz so erfolgreich sind, landet diese in einer Ecke, und das Musizieren wird gleich mit an den Nagel gehängt. Für die „Erstklässler” hat er sich deshalb etwas Besonderes ausgedacht: Bereits im kommenden Schuljahr sollen sie sich im Rahmen von „Neigungskursen” ein Jahr lang im Singen und Tanzen versuchen oder verschiedene Instrumente ausprobieren können, herausfinden, welches zu ihnen passt. 43 Lehrer aus 15 Nationen geben sich dann alle Mühe, dass die anfängliche Begeisterung erhalten bleibt und das gemeinsame Musizieren zur Leidenschaft wird.

Christian Mathis holt aber nicht nur die Kinder ins Boot. Jeder zehnte seiner Musikschüler ist älter als 18 Jahre. Wer nicht regelmäßig Zeit, aber bereits Anfangskenntnisse hat, kann ganz flexibel drei bis zehn Unterrichtseinheiten buchen. „Manchmal will die Mama ihre Klavierkenntnisse auffrischen, damit sie das Kind begleiten kann, ein anderer hat einfach Lust, wieder einmal zu spielen”, freut sich der Musikschuldirektor, dass der „Flexipass” hervorragend ankommt.

„Wir müssen mit der Zeit gehen, modern bleiben”, hat er sich  vorgenommen. So nutzt er etwa auch moderne soziale Medien wie Facebook oder Instagram, um eine Bindung zur Musikschule aufzubauen. Beim großen Jubiläumskonzert am 25. Mai kommt modernste Technik zum Einsatz. Per Video-Übertragung kann das Publikum im Nenzinger Ramschwagsaal, im Göfner Vereinshaus und im Nüziger Vereinshaus „live” auch die Beiträge jener Musiker erleben, die im jeweils anderen Veranstaltungsraum aufspielen.

„Die Kinder haben heute jede Menge Auswahl.” Obwohl Christian Mathis natürlich jedem nahelegt, ein Instrument zu lernen – „Musik ist auch eine wichtige Persönlichkeitsschulung”, ist er niemandem böse, der sich dann doch dagegen entscheidet. „Wichtig ist aber, dass man irgendwann einmal etwas mit Musik gemacht hat”, ist er überzeugt. Hirnforscher haben schließlich nachgewiesen, dass Musik etwa die Kommunikation zwischen den beiden Gehirnhälften fördert, den Spracherwerb und die Entwicklung der Feinmotorik unterstützt. Schon Zwei- bis Vierjährige werden in der Musikschule Walgau deshalb spielerisch an die Musik herangeführt. Die „MusikMäuse” tauchen – anfangs gemeinsam mit ihren Eltern – mit Schellen, Rasseln und Trommeln in die Welt der Töne ein. Seit heuer gibt es außerdem einen 28köpfigen Kinderchor.

All diese Angebote werden vom Land und den Mitgliedsgemeinden großzügig unterstützt. Die Eltern müssen lediglich rund ein Drittel der Kosten übernehmen. Nur erwachsene Schüler zahlen den vollen Tarif.

Wer sich genauer informieren möchte, sollte den Tag der Offenen Tür am 5. Mai nicht verpassen. Im Ramschwagsaal in Nenzing gibt es von 14.00 bis 17.00 Uhr Gelegenheit, im Rahmen einer lustigen „Stempeljagd” die Lehr­personen und verschiedenste Instrumente kennenzulernen. 

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