Altes Handwerk auf Online-Kurs

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„Es gibt kaum einen Beruf, der sich so gewandelt hat”, erklärt Buchbindermeister Michael Konzett. Während er früher jeden Kunden persönlich kannte, macht der Bludenzer Unternehmer heute 70 Prozent des Jahresumsatzes über das Internet. Trotzdem werden in seiner Werkstatt nach wie vor viele Arbeitsschritte von Hand erledigt. 

FOTOS: TM-HECHENBERGER

Josef Konzett hat heuer die Firmenleitung an seinen Sohn Michael übergeben.

Gegründet wurde das Unternehmen 1946 von seinem Großvater Anton, der allerdings 1978 plötzlich verstarb. In den folgenden 40 Jahren leitete Josef Konzett den Familienbetrieb, bis er ihn am 1. Jänner dieses Jahres an seinen Sohn Michael übergab. Der ist in der Werkstatt buchstäblich aufgewachsen. Zwischen Papierlager und Bindemaschinen hat er als Kind die Hausaufgaben erledigt. „Papier und Holz waren immer meine Leidenschaft.” Für Michael Konzett war immer klar, dass er ins Familienunternehmen einsteigen wollte. Vor neun Jahren – und damit relativ früh – erkannte er die Möglichkeiten des Internets. Und sein Vater hat ihn machen lassen, auch wenn dies mit hohen Investitionen in moderne Maschinen verbunden war. Josef Konzett steht dem Sohn auch nach seiner Pensionierung immer noch mit Rat und Tat und einem großen Erfahrunsschatz zur Seite. 

Bei den Online-Kunden handelt es sich vor allem um Studenten, die ihre Doktor- oder Bachelor-Arbeit bei der Firma Konzett binden lassen. Aufmachung, Umschlag und Papier können sie direkt auf der Website des Unternehmens wählen. Wenn sie die Arbeit per E-Mail nach Bludenz schicken, erhalten sie innerhalb weniger Tage das fertige Exemplar zur gewünschten Adresse zugestellt. Diesen Service wissen etwa die Studenten der Uni Liechtenstein und der FH Vorarlberg sehr zu schätzen, aber auch die Absolventen der Innsbrucker Unis und weit darüber hinaus landen über Mundpropaganda oder Portale wie Facebook im Kundenarchiv des Bludenzer Traditionsbetriebs. 

Besondere Verarbeitungstechniken sind wieder gefragt.

Zunehmend wollen die jungen Leute aber nicht mehr einfach nur „von der Stange kaufen”. Wenn die Anreise nicht gar zu beschwerlich ist, kommen sie gerne direkt im Betrieb vorbei, um das Papier vorab anzugreifen, sich von der Qualität der Umsetzung persönlich zu überzeugen. Das freut Michael Konzett. 

Weil auch Bücher zunehmend im Eigenverlag und in kleinen Auflagen gedruckt werden, legt so mancher Autor Wert auf eine aufwendige Verarbeitung. Fadenheftung, hochwertige Prägungen und besonderes Papier werten das Werk optisch und haptisch auf. 

Es sind vor allem diese Sonderanfertigungen, die es Michael Konzett erlauben aufzuzeigen, was er und sein Team wirklich draufhaben. Da ist dann die alte Handwerkskunst gefragt.

Besonders stolz ist der Buchbindermeister etwa auf einen Buchumschlag, den er aus dem gewachsten Papier gefertigt hat, in das Bananen üblicherweise beim Transport eingewickelt sind. Auch verschiedene Leder hat er schon verarbeitet, kürzlich im Auftrag eines heimischen Traditionsunternehmens einen Prototypen für einen Buchumschlag aus Damast entwickelt. 

Neben modernster Technik kommen in der Buchbinderei Konzett zum Teil noch Maschinen aus der Zeit des Großvaters zum Einsatz.

Um für solch kreative Herausforderungen gerüstet und über neueste Trends und Verarbeitungsmethoden immer auf dem Laufenden zu sein, besucht er jedes Jahr Workshops und Kurse in der Papier-Eliteschule „Centro del bel libro” in Ascona. Kein Wunder also, dass die Buchbinderei Konzett schon drei Mal bei einem „Schönsten Buch Österreichs” die Finger im Spiel hatte und mit dem Red Dot Design Award punkten kann. Die e-binding-Plattform des Unternehmens wurde zudem mit dem Innovationspreis eAward ausgezeichnet. 

Wichtig ist dem Chef auch, dass sein Unternehmen mit dem Umweltzeichen zertifiziert ist. Er hat kein Problem damit, dass Prüfer jederzeit unangemeldet bei ihm auftauchen können. Sie haben dabei nicht nur die Arbeitsweise in der Bludenzer Werkstatt im Blick, sondern nehmen auch die Zulieferer des Unternehmens unter die Lupe. Gemäß den Bestimmungen darf ein Umweltzeichen-Betrieb nämlich nur mit Firmen zusammenarbeiten, die ebenfalls nachhaltig agieren. 

Vor mehr als zwanzig Jahren hat Michael Konzett zudem den Rhätikon Verlag ins Leben gerufen, der vor allem regionalen Autoren eine Chance gibt. Heuer erscheint etwa noch das zweite Buch des Nüzigers Dr. Heinrich Eggarter. Unter dem Titel „Warum sind wir so?” philosophiert der langjährige Professor für Biologie und Naturgeschichte am Bludenzer Gymnasium über Gott und die Welt. 

Lehrling Sandra Hämmerle aus Feldkirch

Mit großer Freude geben Michael und Josef Konzett ihr Wissen auch an interessierten Buchbinder-Nachwuchs weiter. Sandra Hämmerle aus Feldkirch hat ein Jahr lang auf ihre Lehrstelle gewartet. Die ehemalige Sozialarbeiterin wollte „weg vom Kümmern”. Bücher und Papier waren ihr immer schon wichtig, deshalb wollte sie dieses alte Handwerk unbedingt von der Pike auf lernen. Bei der Firma Konzett hat sie in den letzten zwei Jahren alle Arbeitsschritte genau kennenlernen können. Sie bereitet sich gerade auf die Lehrabschlussprüfung im Juni vor und „möchte nichts anderes machen”.