Von klein auf im Ballfieber

1. FC Köln, FC Bayern München, FC Schalke 04, SK Rapid Wien – das sind Namen, welche die Herzen der Fußballfans höherschlagen lassen. Es sind aber auch die Namen jener Teams, welche seit 23 Jahren regelmäßig in den Walgau reisen, um sich beim FC Spiegl Nachwuchs Hallenturnier mit anderen zu messen. Für die jungen Sportler legen sich die Verantwortlichen des Erne FC Schlins das ganze Jahr über besonders ins Zeug.

TEXT: MONIKA ERNE, FOTOS: FC SCHLINS, TM-HECHENBERGER

Christian Malin, seit 2007 Nachwuchsleiter des FC Erne Schlins, engagiert sich seit vielen Jahren für die Vereinsjugend.

Das U9 Spiegl Nachwuchsturnier findet zwar nur einmal im Jahr – jeweils im Jänner – statt, es wirft aber bereits im Sommer seine Schatten voraus – auch indem es die jungen Kicker zu besonderen Leistungen motiviert. So war denn auch das Fußball-Camp in der letzten Juliwoche ausgebucht. Auch dort profitierten die 118 Teilnehmer aus Schlins und den umliegenden Gemeinden von den internationalen Kontakten des Vereins: Immerhin zeigten ihnen Juniorentrainer von deutschen Bundesligisten jede Menge Tricks und Kniffe. Die jungen Nachwuchs-Kicker waren mit entsprechender Begeisterung und Konzentration bei der Sache. Schließlich wollen sie im Jänner 2021 unbedingt vorne mitmischen, wenn wieder Talente aus ganz Österreich, Deutschland, der Schweiz und sogar Frankreich zu Besuch kommen. „Das Besondere am Schlinser Turnier war und ist neben dem erstklassigen Teilnehmerfeld auch die sehr persönliche Betreuung der Mannschaften abseits des Turniers”, erklärt Christian Malin. „Viele Mannschaften werden von Gasteltern umsorgt, in Skihütten untergebracht und erleben zum ersten Mal den Zauber einer verschneiten Bergwelt. Im Laufe der Jahre entwickelten sich aus den Kontakten zu den verschiedenen teilnehmenden Vereinen richtige Freundschaften.” Der Stellvertreter von Obmann Dieter Stähele gilt als einer der Motoren des internationalen Turniers, das heute keiner mehr missen möchte.

Man hatte sich im Verein schon lange den Kopf darüber zerbrochen, was man tun könnte, um den Nachwuchs besonders zu fördern. Das Ziel des Clubs war klar: Im Mittelpunkt stand immer die Freude am Sport, die Freude an der Bewegung. Bei allem Bemühen um die fußballerische Leistung sollten vor allem Entwicklungsmöglichkeiten für die Mädchen und Burschen geschaffen werden. Als die Schlinser Nachwuchs-Kicker dann 1994 bei einem Turnier in Munderkingen gegen den VSB Stuttgart spielten, brachte dies die zündende Idee. Als Spieler und Mitglied des Jugendausschusses setzte Christian Malin in der Folge alles daran, ein Hallenturnier in Schlins zu organisieren. Es fanden sich rasch Unterstützer, die sich von der Idee regelrecht anstecken ließen. Aber „ohne Geld ka Musi”. Zwei aktive Spieler, Armin Bernhard und Helmut Erne, setzten sich sehr dafür ein, dass auch Geldmittel für dieses Vorhaben flossen. Zwei Jahre später war es dann soweit: Mit Hilfe der Kollegen aus Munderkingen konnten mehrere Vereine aus Deutschland dazu bewegt werden, zum Turnier nach Schlins zu kommen. Nun ja, es waren weder der Ort, noch alleine die Fähigkeiten der Spieler, die hier wohl den Ausschlag gaben. Das Angebot, nach Österreich zu fahren, verschiedene andere Vereine zu treffen und perfekt betreut zu werden, sollte verlocken. Von Anfang an halfen viele Ehrenamtliche bei der Unterbringung und Betreuung der Spieler sowie der Gestaltung eines attraktiven Rahmenprogrammes engagiert mit. Die Spieler der namhaften Vereine kamen und fühlten sich wohl. Ganz besonders gefiel ihnen die Möglichkeit, auch einen Tag Skifahren zu gehen. Und die Schlinser Fußballspieler freuten sich, dass sie hier auf jeden Fall die Besseren „am Feld/auf der Piste” waren. Als Erinnerung an die gemeinsamen Tage erhielt jeder Turnierspieler ein T-Shirt mit Logo und Jahreszahl. Die Mädchen und Buben sowie ihre Betreuer verabschiedeten sich damals mit einem klaren „Wir kommen wieder.” 

In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich das Turnier ständig weiter, und es sprach sich herum, dass den Spielern der Altersstufe U9 hier in dem kleinen Ort Schlins in Vorarlberg etwas ganz Spezielles geboten wird. Die Zuschauer kommen aus Schlins, aus ganz Vorarlberg und von den Fanclubs der teilnehmenden Mannschaften. Viele Familien begleiten die Spieler nach Vorarlberg, um im Ländle ein Wochenende zu verbringen.

Der Erfolg des Turniers ist aber ein Gemeinschaftswerk. So half wieder das ganze Dorf zusammen, als heuer im Jänner rund achtzig Mannschaften mit 900 Jungkickern anreisten. Auch aus anderen Gemeinden haben sich Unterstützer inzwischen vom Turnierfieber anstecken lassen. Und der Hauptsponsor – Spiegl Ofen-Manufaktur – hält dem FC seit nun schon 19 Jahren die Treue. „Wir ermöglichen somit Kickern aus ganz Europa im Alter zwischen 6 und 13 Jahren Freude am Sport zu haben und ein Stückchen Vorarlberg kennenzulernen”, freut sich Mark Spiegl, einen Beitrag leisten zu können. Lob gibt es auch von höchster Stelle: „Dieses einzigartige internationale Turnier in Schlins ist für den Vorarl­berger Nachwuchsfußball unverzichtbar, von anderen Vereinen nicht erreicht und kann aus meiner Sicht nicht einfach so nachgeahmt werden”, spricht der Vizepräsident des Vorarlberger Fußballverbandes, Joachim Xander, den Turnier-Verantwortlichen ein großes Kompliment aus. Mit großem Stolz verweisen die Schlinser außerdem darauf, dass ihr Team bereits Stars den Ball abgenommen hat. Der heute 24-jährige Timo Werner etwa, der aktuell beim RB Leipzig verpflichtet ist, kennt den Wiesenbachsaal. Auch er hat als Kind schon in Schlins gekickt. Und genau wegen solchen Geschichten scheut man sich beim Schlinser FC nicht vor der vielen Arbeit und freut sich schon jetzt auf das 24. sportliche Zusammentreffen mit Fußball-Fans aus unterschiedlichsten Clubs. Denn der Tag nach dem Turnier ist der erste Tag vor dem Turnier…