80 Jahre Spaß und Gemeinschaft

Gemeinsames Kochen am Lagerfeuer, Erkundungen in der Natur, ein Floß bauen, Übernachtungen im Zelt,… – Was die Jugend anno dazumal lockte, begeistert heute immer noch. 80 Jahre nach der Vereinsgründung sind die Ludescher Pfadfinder gefragter denn je. 

FOTOS: TM-HECHENBERGER, HANDOUT

Das Grundkonzept ist schon fast 130 Jahre alt. 1899 veröffentlichte der englische General Robert Baden-Powell das Buch „Aids to Scouting“. Das Werk war eigentlich für die britische Armee gedacht und sollte als Anleitung dienen, um Soldaten zu Spähern und Kundschaftern auszubilden. Baden-Powell beschrieb darin unter anderem, wie man Karten liest und in der Natur überlebt. 

Weil der Autor als Kriegsheld gefeiert wurde, avancierte das Buch zu einem Bestseller unter Jugendlichen. Dieser unerwartete Erfolg soll den General zur Entwicklung seiner Pfadfindermethode inspiriert haben. Bereits 1907 organisierte er erste Lager, an denen Buben aus allen sozialen Schichten teilnahmen – ein für damalige Zeiten äußerst fortschrittliches Unterfangen. In seinem letzten Brief  – Baden-Powell verstarb 1941 im Alter von 83 Jahren – hinterließ er der damals bereits weltweit aktiven Pfadfinderbewegung den Auftrag: „Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als ihr sie vorgefunden habt.“

In Ludesch fand sich nur fünf Jahre nach dem Tod des Gründers eine Gruppe junger Burschen, welche diesen Grundsätzen nacheifern wollten. Christian Vinzenz sowie die Brüder Quido und Egon Ammann gründeten am 11. Juli 1946 die örtliche Pfadfindergruppe. Die rund vierzig Mitglieder trafen sich anfangs noch bei Christian Vinzenz zuhause. Eine Zeit lang konnten sie dann Räumlichkeiten im Jugendheim der Pfarre nutzen, bevor sie diese wieder für die Katholische Jugend räumen mussten. 1948 begann die rührige Truppe deshalb, eine eigene Unterkunft zu bauen. 

„Kentucky“ nannten die Jungs ihre drei mal vier Meter große Hütte, welche dann allerdings nach 1952 zunehmend verfiel, als das Interesse am Verein abflaute. Es sollte fast zwanzig Jahre dauern, bis die Pfadfinderbewegung im Ort wieder neuen Schwung aufnahm. Von 16. bis 26. Juli 1971 trafen sich 1800 Pfadfinder aus acht Nationen zu einem Bundeslager in der Ludescher Allmein. 

Seit 1976 auch weibliche „Scouts“

An dieses Großereignis erinnert heute noch ein Brunnen auf der Verkehrs­insel am Dorfeingang, den Burgenländer „Pfadis“ nach den Plänen britischer Kollegen errichteten. Voller Elan nutzte die neu formierte Truppe die zurückgelassenen Baumaterialien von diesem Bundeslager, um „im wilden Graben an der Lutz“ ein neues Vereinshaus eigenhändig zu errichten.  

Dieses musste bereits sieben Jahre später um einen Anbau erweitert werden, als auch die Mädchen im Ort die Lagerfeuer-Romantik für sich entdeckten. Nach einem Hochwasser musste das direkt am Ufer der Lutz gelegene Gebäude 2016 allerdings abgerissen werden. Doch zu diesem Zeitpunkt war der Verein bereits in das moderne Passivenergiehaus eingezogen, welches seit nunmehr zwanzig Jahren das Zentrum der Aktivitäten bildet. 

„Wir haben einen Traum von einem Lagerplatz“, sind die Pfadfinder-Verantwortlichen bis heute glücklich mit ihrer Unterkunft und dem dahinter gelegenen, großen Grünbereich an der Lutz, der ihnen das perfekte Umfeld für Naturerlebnisse, Zeltlager, sportliche Herausforderungen und vieles mehr bietet. „Wir bekommen sogar Anfragen aus England“, hat sich die perfekte Location in Pfadi-Kreisen weit herumgesprochen. 

Die Kinder und Jugendlichen vor Ort kommen aber vor allem aufgrund der vielfältigen Gemeinschaftserlebnisse, welche ihnen bei den Pfadfindern win­ken. „Gerade im ‚Handy-Zeitalter‘ ist es immer wichtiger, Gelegenheiten zu schaffen, um sich sozial auszutauschen und mit der Natur in Kontakt zu sein.“ Das hören die Leiterinnen und Leiter immer öfter von dankbaren Eltern, die sich freuen, dass ihre Kinder Gemeinschaft erleben und vielfältige Erfahrungen machen dürfen.

In die Vorbereitungen der wöchentlichen Heimstunden, der Ausflüge und Lager steckt das ehrenamtliche Team viel Zeit und Arbeit. Die meisten Leiterinnen und Leiter sind mit den Pfadfindern auf- und in diese Aufgaben hineingewachsen. Um den pädagogischen Ansprüchen gerecht zu werden und auf einem aktuellen Stand zu sein, absolvieren sie zudem regelmäßig Ausbildungen beim Landesverband. 

„Die Kinder brauchen viel Bewegung und ihre Aufmerksamkeitsspanne sinkt.“ – Anna-Lena Raich, GuSp-Leiterin und Jugendschutzbeauftragte

Anna-Lena Raich engagiert sich als Jugendschutzbeauftragte und leitet die Gruppe der Guides & Späher, also der 10- bis 13-Jährigen. Sie beobachtet, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder sinkt, sie viel Bewegung brauchen und sich auch das Mitei­nander in den letzten Jahren verändert hat. Die ausgebildete Pädagogin – sie arbeitet im Kindergarten Satteins – versucht, individuell auf diese Bedürfnisse einzugehen und ihre Truppe etwa auch dafür zu sensibilisieren, was gemeine Kommentare in sozialen Medien anrichten können. „Wir brauchen am Anfang lange, um eine gewisse Disziplin in der Gruppe einzuführen“, erklärt sie. Doch ohne die geht es nicht, wenn man sich in der Natur zurechtfinden und Verantwortung für das eigene Tun übernehmen will. 

Anna-Lena Raich schätzt die Hintergründe der Pfadfinder-Philosophie und dass dieser Verein jeden willkommen heißt. „Es entstehen schnell Freundschaften. Auch wenn man in anderen Ländern unterwegs ist, gibt es keine Hemm­schwelle, auf andere zuzugehen, weil man weiß, dass Pfadfinder weltweit dieselben Werte vertreten und dieselben Ziele verfolgen“, kann sie aus eigener Erfahrung berichten. 

Mit aktuell 96 Mitgliedern zählt die rührige Pfadfindergruppe zu den Top 3 der Ludescher Ortsvereine. Und dies werden die „Pfadis“ zum Jubiläum selbstbewusst aufzeigen. „Mir lons röcha“ lautet das Motto, wenn am 20. und 21. Juni im mehrstöckigen Jurtendorf lustiges Miteinander für Jung und Alt angesagt ist. 

EIN JURTENDORF ZUM JUBILÄUM
Zum Jubiläumsfest errichten die Ludescher Pfadfinder im Ludescher Ortszentrum ein mehrstöckiges „Jurtendorf“ als Bühne für ein abwechslungsreiches Programm: Am Samstag, den 20. Juni treffen sich Pfadfindergruppen und Vereine ab 14 Uhr zu spannenden Wettkämpfen, bei denen Zuschauer herzlich willkommen sind. Am Sonntag, 21. Juni  steigt ab 10 Uhr ein Frühschoppen mit der Ludescher Harmoniemusik mit Bühnenprogramm, Tombola sowie Spielen für alle Altersstufen. Die Pfadfinder hoffen auf viele interessierte Festgäste.

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