Mit der Einrichtung eines Blaulichtmuseums möchte die Vorarlberger Museumswelt langfristig die Leistungen und die Geschichte sämtlicher Sicherheits- und Rettungsorganisationen im Land würdigen. Den Anfang macht das Gendarmeriemuseum, welches dieser Tage in Frastanz eingezogen ist. Am 8. Juni wird es offiziell eröffnet.
FOTOS: TM-HECHENBERGER, HANDOUT
Als es darum ging, nach der Revolution von 1848 im Reich wieder für Ruhe und Ordnung zu sorgen, rief der österreichische Kaiser Franz Joseph I. per „Allerhöchster Erschließung“ die Gendarmerie ins Leben, als Vorbild dienten ihm Napoleons Gendarmen. Die neu formierte Truppe sollte in ländlichen Gebieten die Gesetze der Habsburgermonarchie durchsetzen. Nach und nach wurden auch in Vorarlbergs Gemeinden kleine Dienststellen eingerichtet, die oft in Bauernhäusern untergebracht waren und dem Kommando in Innsbruck unterstanden. Im Laufe der Zeit veränderten sich die Aufgaben und 2005 verschmolz die Gendarmerie zur heutigen Bundespolizei.

Exekutivhistoriker, Autor und Kurator der Ausstellung
„Die Geschichte der Gendarmerie ist somit auch ein Streifzug durch die Entwicklung zum Rechtsstaat“, erklärt der Obmann des exekutivhistorischen Vereins, Mag. Michael Beyrer. Er hat unter anderem Rechtsgeschichte studiert und interessiert sich sehr für die historischen Hintergründe seines Dienstgebers. Gemeinsam mit seinem Team wollte er verhindern, dass die alten Uniformen, Ausrüstungsgegenstände und andere Erinnerungsstücke, welche sich über lange Zeit in der Gendarmerieschule in Feldkirch-Gisingen angesammelt hatten, verloren gehen. Als das Gebäude anderweitig gebraucht wurde, fand sich nämlich kein geeigneter Platz mehr für das kleine Museum, welches bisher nur Sicherheitskräfte und Polizeischüler zu Gesicht bekommen hatten. Aufgrund der strengen Kontrollen, welche für sämtliche Polizei-Einrichtungen gelten, war es für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.
„Unser Auftrag als Historiker ist es aber unter anderem, die Bestände zu sichern, zu bewahren und auch zu präsentieren.“ – Mit anderen Interessierten gründete Michael Beyrer deshalb einen Verein und konzipierte zum Jubiläum „100 Jahre Polizeikommando Vorarlberg“ eine Wanderausstellung. Das Covid-Virus sorgte 2020 allerdings dafür, dass auch diese Schau nur für interne Schulungen verwendet werden konnte.
Umso glücklicher ist der in Satteins aufgewachsene Exekutivhistoriker deshalb über die Kooperation mit der Vorarlberger Museumswelt in Frastanz. Es wird zwar noch einige Zeit dauern, bis das geplante Blaulichtmuseum, welches die Arbeit sämtlicher Sicherheits- und Rettungskräfte im Land ins Rampenlicht rücken wird, professionell umgesetzt ist. Doch Michael Beyrer und seine Truppe haben keine Mühen gescheut, ihre Exponate auf rund 180 Quadratmetern in Szene zu setzen. „Wir können die Geschichte der Vorarlberger Gendarmerie von der Gründung 1849/50 bis heute lückenlos darstellen“, freut sich Beyrer. Auch die Zeit des Austrofaschismus und die spätere Integration der Polizeikräfte in die NS-Maschinerie wird nicht ausgespart. Dem 1. Dezember 1991, als erstmals 13 Frauen an der Gendarmerieschule aufgenommen wurden, ist ebenso eine Vitrine gewidmet wie verschiedensten Methoden der Spurensicherung. Sogar eine originale Arrestzelle wird derzeit eingerichtet.
Entdeckungsreise für Kinder
Der jüngeren Generation möchte der Exekutivhistorische Verein ebenfalls Einblick in die Polizeiarbeit ermöglichen. Sie haben sich deshalb bereits knifflige Herausforderungen ausgedacht, mit denen sie Kinder im Rahmen der Aktion „Reiseziel Museum“ auf eine spannende Schnitzeljagd schicken können. Am 5. Juli, 2. August und am 6. September können Familien jeweils von 10 bis 17 Uhr im Gendarmeriemuseum aufregende Entdeckungen machen. Der Eintritt beträgt im Rahmen dieser Aktion nur einen Euro pro Person, die Anreise mit Bus und Bahn ist gratis.
Die Vorarlberger Museumswelt ist jeden Mittwoch und Samstag von 13 bis 17 Uhr sowie für Gruppen nach telefonischer Vereinbarung geöffnet. Weitere Informationen gibt es unter museumswelt.com.
















