Weltmarke: Hilti

Eigentlich sollte es in Feldkirch entstehen. Aber das erste Werk, das der heutige Liechtensteiner Weltkonzern Hilti außerhalb des Fürstentums errichtete, wurde in Thüringen realisiert. Vor fünfzig Jahren nahm das „Werk IV” mit zwanzig Mitarbeitern den Betrieb auf.        

FOTOS: FA HILTI, TM-HECHENBERGER, HELMUT KLAPPER/VORARLBERGER LANDESBIBLIOTHEK

Wenn Dr. Ing. Thomas Breuer durch den bis dato letzten großen und 2009 fertiggestellten Erweiterungsbau führt, brilliert er durch sein Detailwissen über die einzelnen Produktionsschritte und Arbeitsabläufe. Mit leuchtenden Augen lobt er das Engagement der Mitarbeiter, beschreibt die großen und kleinen Entwicklungsschritte, mit denen das Werk Thüringen die Effizienz der Fertigungsprozesse verbessert und die Produktionsqualität sicherstellt. 

Das gelingt in einem fast irrwitzigen Ausmaß: Von den rund 500.000 Bohrmaschinen, Bohrhämmern, Diamant-Bohr- und -Sägesystemen, die jährlich das Werk Thüringen verlassen, werden im Durchschnitt nur drei wegen Produktionsfehlern zurückgeschickt. Auf diese sensationelle „Fehlerquote” von 0,00006 Prozent ist Thomas Breuer, seit 2017 Werksleiter in Thüringen, natürlich stolz. Und klar ist: Solche Werte sind nicht bloß mit modernster Produktionstechnik und perfekter Logistik zu erklären.

Beim Rundgang mit Thomas Breuer durch das Werk werden „nebenher” auch andere Erfolgsfaktoren ersichtlich. Die Mitarbeiter an den Produktionsstraßen grüßen freundlich, vorbeifahrende Staplerfahrer werden langsamer, um in konzentrierter Fahrt kurz winken zu können, Männer und Frauen, die gerade an einem kleinen Stehtisch eine Kaffeepause machen, wechseln ein paar nette Worte mit dem Chef.

Diese Szenen lassen ein sehr gutes Betriebsklima erahnen. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass von den aktuell rund 550 Mitarbeitern ein großer Teil schon seit ihrer Lehrzeit hier arbeitet. Aktuell sind in den sieben verschiedenen Lehrberufen 70 Lehrlinge in Ausbildung: Auch sie werden nach den Lehrjahren – so hofft Breuer – in der Mehrheit bei Hilti bleiben. Und viele derer, die es nach ihrer Lehre in andere Betriebe oder – häufiger – zur weiteren Ausbildung in Schulen und Universitäten zieht, kommen danach wieder „zurück zur Familie”, in die sie in aller Regel wieder herzlich aufgenommen werden. 

Ganz im Sinne der Philosophie des Hilti-Konzerns – in dem es nicht „nur” um die Entwicklung und Produktion der leistungsstärksten und zuverlässigsten Maschinen in Sachen Befestigungstechnik geht.

Es geht nicht nur um Befestigungstechnik

„In unserem Unternehmen leben wir eine Kultur, in der jedes Teammitglied geschätzt und geachtet wird. Damit sich jeder Einzelne weiterentwickeln und persönlich wachsen kann”: Das ist einer der Leitsätze bei Hilti. Für einen weltweit erfolgreich agierenden Konzern mit über 30.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von annähernd sechs Milliarden Franken keine Selbstverständlichkeit. Aber als nach wie vor echter Familienbetrieb (sämtliche Aktien befinden sich im Besitz der Nachkommen der Firmengründer) geht es den Hilti‘s eben auch darum, eine wertschätzende Firmenkultur zu ­leben. Seit 1980 gibt es bei Hilti in Thüringen deswegen auch die von Martin Hilti gegründete „Hilti-Stiftung Thüringen”, die Mitarbeitern zugute kam, die unverschuldet in eine Notlage gerieten, Kindern von Hilti-Mitarbeitern eine Ausbildung ermöglichte und vieles mehr.

Lehrlingsprojekt in Srebrenica

 Die Firmenkultur zeigt sich auch sehr gut am Beispiel des Lehrlingsprojektes „Srebrenica”, das 2014 über Initiative von Daniel Bitschnau – dem Leiter der Berufsausbildung im Hilti-Werk Thüringen – und in Zusammenarbeit mit der österreichischen Hilfsorganisation „Bauern helfen Bauern” entstanden ist. Jedes Jahr fahren Hilti-Lehrlinge für jeweils eine Woche in das Srebrenica-Tal in Bosnien-Herzegowina. Diese Region leidet bis heute unter den Folgen des Jugoslawienkrieges. Viele Menschen leben noch immer in den notdürftig reparierten Ruinen des Krieges.

Aus Ruinen in richtige Häuser

Die Hilti-Teams packen in dieser Arbeitswoche an:  Jeweils drei zweistöckige Häuser mit 66 Quadratmetern Wohnfläche, Balkon, Badezimmer und Toilette werden errichtet. Seit 2014 wurden schon 17 Häuser gebaut. Das Baumaterial und Zubehör dafür wird bei Betrieben aus der Region vorbestellt – ein wichtiger Beitrag zur Wertschöpfung und Sicherung von Arbeitsplätzen vor Ort. Die Freude der neuen Besitzer bei der Übergabe ist jeweils überwältigend und berührt auch die Helfer. „Die Lehrlinge freuen sich auf diese Woche”, betont Daniel Bitschnau: Für sie gehört ein solcher Arbeitseinsatz inzwischen zum regulären Ausbildungsprogramm. 

Aber auch andere Hiltianer sind dabei. Es sind engagierte Mitarbeiter und Teams, die mit besonders guten Leistungen aufgefallen sind. „Früher haben wir Extra-Engagement mit Sachpreisen belohnt. Heute gibt es dafür eine Arbeitswoche in Srebrenica”, bestätigt Werksleiter Dr. Breuer. Und ist stolz darauf, dass diese Woche nicht etwa als Strafe empfunden, sondern als besonders wertvolle Erfahrung geschätzt wird.