Die Wunsch-Erfüller

Das Vorarlberger Wichtel-Team (v.l.): Barbara Sönser-Gantner, Katharina Bertschler (vorne) sowie Simon Engstler, Tanja Bitschnau, Birgit Häusle und Maximilian Felder (hinten).

„Die Vorarlberger sind so hilfsbereit”, freuen sich Birgit Häusle und Barbara Sönser-Gantner über den raketenschnellen Erfolg der Wichtel Challenge im Land. Auch heuer möchten sie wieder jede Menge Weihnachtswünsche erfüllen. 

FOTOS: WICHTEL CHALLENGE VORARLBERG, INGIMAGE

Eine Idee zieht Kreise. 2017 hatten einige IT-affine Wiener das Bedürfnis, ein soziales Projekt zu starten. Bei einem Besuch in einem Obdachlosenheim in der Bundeshauptstadt stellten sie fest, dass die Menschen dort Herzenswünsche haben, die eigentlich recht einfach zu erfüllen wären. Eine Frau sehnte sich beispielsweise regelrecht nach einem Wasserkocher, damit sie sich in ihrer unbeheizten Unterkunft regelmäßig

mit warmem Wasser waschen kann. Die Initiatoren erkannten, dass viele Menschen gerne helfen würden, wenn sie konkret wüssten wie. Sie bauten eine Internetplattform auf, auf der Sozialeinrichtungen Weihnachtswünsche von Bedürftigen anonymisiert melden können. Wer helfen möchte, kann die Liste in aller Ruhe durchforsten und dann als Wichtel einen oder mehrere Wünsche übernehmen. Er bekommt dann die Adresse der Sozialeinrichtung und kann das Geschenk persönlich abgeben oder dorthin schicken. 

Für die Auslieferung der Weihnachtspakete wurden letztes Jahr extra Wichtel-Challenge-Masken gedruckt.

„Klares Ziel ist es, dass alle Wünsche erfüllt werden”, erklären Birgit Häusle und Barbara Sönser-Gantner aus Nenzing beziehungsweise Thüringerberg. Die beiden Frauen und vier weitere Mitstreiter beschlossen im November 2020 ganz spontan, dass sie dieses Projekt unterstützen möchten, als sie über einen Radiobericht davon erfuhren. Das neu formierte Team Vorarlberg hatte wenig Vorbereitungszeit. Trotzdem konnten im vergangenen Jahr 91 Wünsche von Hilfsbedürftigen im Land erfüllt werden. „Da ging es beispielsweise um eine Dose selbst gemachte Kekse, ein Kinderfahrrad, ein feines Duschbad, Kleidung, ein Computerspiel oder ein neues PV-Modul für einen solarbetriebenen Rollstuhl”, berichten Birgit Häusle und Barbara Sönser-Gantner. Sie erzählen von den strahlenden Gesichtern, begeisterten Dankesbriefen und dem guten Gefühl, jemandem geholfen zu haben. Je näher Weihnachten rückte, umso mehr stieg die Spannung: Finden sich genügend Wichtel für alle Wünsche? Engagiert suchten sie Sponsoren, damit wirklich alle Bedürftigen beschenkt werden konnten. „Außerdem haben wir ja das Team Österreich als Backup”, erklären die beiden Frauen. Österreichweit helfen inzwischen knapp 80 Mitglieder des Vereins „SELBSTundLOS – die Wirkstatt zur Förderung von sozialem Engagement” zu hundert Prozent ehrenamtlich mit. Die Mitglieder des Vorarlberger Teams kennen die anderen Vereinsmitglieder bisher nur von Zoom-Konferenzen, auch die Vorarlberger Gruppe hat sich coronabedingt erst kürzlich persönlich kennengelernt.

Die Wichtel Challenge, die 2017 mit 150 Wünschen in Wien ihren Ursprung hatte, wird inzwischen auch in Slowenien und der Schweiz durchgeführt. Gemeinsam wurden im Vorjahr 5453 Wünsche im Gesamtwert von rund 140.000 Euro erfüllt. Was genau verschenkt wird, wird nicht bewertet. „Wenn sich jemand eine Stange Zigaretten wünscht, dann wünscht er sich eben Zigaretten”, stellt Birgit Häusle klar. „Aber es geht nicht darum, dass eine Institution bei uns 30 Zahnbürsten ordert.” Sie hat im letzten Jahr mit großer Freude beobachtet, welche Dynamik das Ganze annahm. „Da hat zum Beispiel eine Familie in letzter Minute extra einen Rodel bauen lassen, nachdem der bestellte beim Transport beschädigt worden war”, berichtet sie. Barbara Sönser-Gantner hat in der eigenen Familie erlebt, wie die eigenen Kinder ihre Aktivitäten anfangs skeptisch beäugt hatten und dann selbst zu den eifrigsten Wünsche-Erfüllern mutierten. „Das hat Suchtpotenzial”, lacht sie. 

Die sechs Vorarlberger haben heuer wieder sämtliche Hilfsorganisationen im Land angeschrieben. Auch Gemeinden, Pfarreien, Schulen oder Vereine können noch bis 8. Dezember die Weihnachtswünsche von Menschen in Not bei der Wichtel Challenge einbringen. „Wir freuen uns über jeden Wunsch”, stellt sich das Team Vorarlberg gerne den Herausforderungen als Christkind.

Die Wichtel Challenge wurde 2017 ins Leben gerufen. Inzwischen kümmern sich fast 80 Ehrenamtliche darum, dass möglichst alle Weihnachtswünsche von Menschen in Not, die auf der Plattform www.wichtelchallenge.at registriert werden, erfüllt werden können. Wer einen Wunsch übernehmen möchte, findet auf dieser Website alle nötigen Infos. Das Team Vorarlberg freut sich außerdem über jeden, der noch hinter den Kulissen bei der Abwicklung mithelfen möchte. Interessierte können Barbara Sönser-Gantner unter barbara.soenser@wichtelchallenge.at kontaktieren.

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