Das Walgaubad – ein Leuchtturm

„Wie habt ihr das geschafft? Wie war das möglich?“ Vor einer hochkarätigen Gästeschar am Chiemsee referierte kürzlich der Nenzinger Bürgermeister Florian Kasseroler über das Walgaubad. Die bayrischen Bürgermeisterkollegen und Wirtschaftsvertreter staunten dabei nicht etwa über die Anzahl der Rutschen und die Länge der Becken. Was die Bayern verblüffte, war vielmehr die Bereitschaft der Nachbargemeinden, sich an der Finanzierung dieser Freizeiteinrichtung zu beteiligen. Tatsächlich ist das Walgaubad diesbezüglich auch in ganz Österreich ein Vorzeige-Modellprojekt.

Die Region Walgau hat ihr Image und ihre Außenwirkung in den letzten Jahren massiv stärken und verbessern können. Ein Schlüssel zum Erfolg ist die gute Zusammenarbeit der Gemeinden untereinander. „Gemeinsam können wir für die Bürger noch viel erreichen“, weiß Florian Kasseroler, Bürgermeister in Nenzing und kürzlich einstimmig wiedergewählter Obmann der Regio Im Walgau. Die gemeinschaftliche Finanzierung des Walgaubades ist ein Leuchtturmprojekt für die Regio Im Walgau: Eines, das österreichweit und sogar international Beachtung findet, wie Florian Kasseroler bei seinem Vortrag am Chiemsee nicht ohne Stolz erfahren durfte.

Schon als die Nenzinger in den 70er Jahren ihr Schwimmbad errichteten, ersuchten sie die Nachbargemeinden um Unterstützung. Mit ihrer Idee, dass sich diese an den Betriebskosten beteiligen sollen, ernteten sie allerdings nicht viel Verständnis. „Das ist ja euer Bad, das könnt ihr selber bezahlen“ hieß es damals. Ähnlich ging es auch 20 Jahre später dem Frastanzer Bürgermeister Harald Ludescher, als der in den 90er Jahren in der Unteren Au ein Naturbad plante.

Beide Gemeinden haben ihre Bäder trotzdem errichtet – sehr zur Freude der jährlich bis zu 80.000 Besucher. Nur gut 25 Prozent dieser Besucher – das ergab eine Zählung in Nenzing im Jahr 2011 – kommen aus den jeweiligen Standortgemeinden. Diese mussten aber für 100 Prozent der Investitions- und Betriebskosten aufkommen.

Die sture „wer baut, der zahlt“- Mentalität wurde aufgebrochen

Erstmals aufgebrochen wurde die sture „wer baut, der zahlt“-Mentalität durch die maßgeblich vom Nenzinger Unternehmensberater Markus Gamon initiierte „Regionale Freizeit Infrastruktur Gmbh“ (RFI). Ludesch und Bludesch erklärten sich damals bereit, der Gemeinde Sonntag zu helfen, ihren Skilift weiter zu betreiben. „Es war eine solidarische Aktion, mit der wir letztlich den Skilift retten konnten“, erinnert sich Alt-Bürgermeister Paul Ammann. Den drei Gründungs-Mitgliedsgemeinden schlossen sich weitere Walgaugemeinden an. Über die RFI wurde unter anderem bereits im Jahr 2004 der Bau des Kinderbereichs im Walgaubad – der im Wesentlichen noch immer besteht – gemeinschaftlich finanziert.

Am 23. September 2011 wurde die Regio im Walgau gegründet. Die 14 Mitgliedsgemeinden von Göfis bis Bürs bekannten sich dabei prinzipiell zur vermehrten Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg. „Die Regio will keine übergeordnete Instanz sein. Aber es gibt viele Bereiche, wo der Bürger von dieser Zusammenarbeit direkt profitiert“, betont Bürgermeister Florian Kasseroler, der am Gründungstag zum Obmann gewählt wurde. Neben der Zusammenarbeit auf Verwaltungsebene, einer gemeinsamen räumlichen  Entwicklungsplanung und vielen anderen Projekten wurde auch die Zukunft des Walgaubades auf die Tagesordnung gesetzt.

Das 1973 eröffnete Walgaubad in Nenzing war ein Sanierungsfall. Sechs Millionen Euro für ein modernes und attraktives Bad – so die damalige Kostenrechnung im Jahr 2012 – waren für die Marktgemeinde alleine nicht zu stemmen.

Die Regio erarbeitete ein gemeinschaftliches Finanzierungskonzept, das auch das Naturbad Untere Au und das Schwimmbad Felsenau in Frastanz einbezog. Den Großteil der Investitions- und Betriebskosten zahlen nach wie vor die Standortgemeinden. Die Höhe der Beteiligung der anderen Gemeinden richtet sich nach verschiedenen Kriterien wie der Größe, Finanzkraft und der Entfernung zu den Bädern. Das Land Vorarlberg, das überregionale Projekte generell großzügig fördert, hatte die Übernahme von 30 Prozent der Investitionskosten zugesichert, wenn das Walgaubad tatsächlich als Gemeinschaftsprojekt umgesetzt wird. Die Gemeindevertretungen aller 14 Gemeinden mussten dafür dem ausgearbeiteten Finanzierungsschlüssel, der auch für künftige gemeinsame Projekte Anwendung finden soll, zustimmen. Diese Zustimmung erfolgte in allen Gemeinden einstimmig oder mit sehr deutlichen Mehrheiten.

Mit dem Spatenstich für den Neubau des Walgaubades am 26. 8. 2014 wurde – gut 40 Jahre nach dem „damaligen Njet“ der Nachbargemeinden für den ersten Bäderbau in Nenzing – ein neues Kapitel der Zusammenarbeit und Solidarität im Walgau aufgeschlagen.

Fotos: Andi Sillaber, TM-Hechenberger