„Kunst ist dazu da, den Staub des Alltags von der Seele zu waschen.“

– Dieser Aussage von Pablo Picasso kann Arnold Schmid aus ganzem Herzen zustimmen. Es gibt ihm viel Kraft, aus Holz oder Stein etwas Schönes zu erschaffen. Als Lehrer an der HTL Rankweil hält der Frastanzer es aber auch noch mit einem anderen Zitat Picassos: „In dieser armseligen Zeit kommt es vor allem darauf an, Begeisterung zu wecken. Begeisterung ist es, was uns und der Jugend vor allem nottut.”

FOTOS: TM-HECHENBERGER, PRIVAT

Wenn Arnold Schmid an der Frutz nach Findlingen sucht, aus denen er dann Schalen, Vasen und Skulpturen meißelt, fühlt er sich rundum zufrieden. „Im Stein liegt unheimlich viel Kraft”, ist er überzeugt und kann diese Tätigkeit zum Beispiel als Burnout-Prophylaxe nur jedem empfehlen. Er bringt den Stein in seinem Garten mit Hammer und Meißel in Form, poliert „Bachbölla” zu glänzenden Kunstwerken. Während er sich zuvor ausschließlich mit Holzobjekten künstlerisch ausdrückte, hat der Frastanzer vor gut zehn Jahren das Bildhauern für sich entdeckt. In einigen Kursen an der Kunstschule im Tiroler Elbigenalp erlernte er die Grundfertigkeiten der Steinbearbeitung, danach bildete er sich selbst weiter. Mal lässt er sich von der Form eines Findlings inspirieren, mal bestellt er einen passenden Stein, um seine Ideen umzusetzen.

Wer Arnold Schmids Haus im Frastanzer Ortszentrum betritt, wähnt sich in einer Galerie. Obwohl sich sein Können inzwischen herumgesprochen hat und immer wieder Skulpturen und Deko-Objekte in die Wohnungen anderer Kunstbegeisterter umziehen, begegnet man dem kreativen Schaffen des Hausherrn auf Schritt und Tritt. 

Als Jugendlicher wollte Arnold Schmid die HTL für Bauingenieurswesen in Rankweil absolvieren und danach Architektur studieren. Doch daraus wurde nichts. Weil die Chemie zwischen ihm und dem Mathe-Lehrer nicht stimmte, brach er die HTL vorzeitig ab. Sein Werkstätten-Lehrer prophezeite ihm damals: „Du machst jetzt eine Zimmerer-Lehre, absolvierst die Meisterprüfung und dann kehrst du als Lehrer zu uns zurück.” Und genau so kam es.

Trotz der Vorhersage des Werkstätten-Leiters war Arnold Schmid überrascht, als ihn der Anruf des HTL-Direktors nach erfolgreich absolvierter Lehre, Top-Platzierungen bei Lehrlingswettbewerben und einigen Berufsjahren tatsächlich erreichte. Der Frastanzer übernahm anfangs nur ein paar Werkstätten-Stunden, war aber sofort Feuer und Flamme. „Es ist so schön, Schüler ein Stück weit auf ihrem Lebensweg zu begleiten und die unheimliche Entwicklung, die sie in diesen Jahren machen, mitzuerleben”, hat er den Einstieg in die Lehrtätigkeit nie bereut. Im Gegenteil: Auch nach fast 35 Jahren in diesem Beruf leuchten seine Augen, wenn er von den Projekten erzählt, die er gemeinsam mit seinen Schülern umsetzt. So zeugt etwa ein sieben Meter hoher Holzchristbaum direkt vor der Schule vom Können und der Tatkraft der angehenden Bauingenieure. Außerdem haben Arnold Schmid und seine Schüler den Glockenstuhl der Kapelle Maria Ebene saniert, ein Spiel- und Gemeinschaftshaus für die Mieter der Anlage „Wohnen für Jung und Alt” in Frastanz geplant und gebaut, sowie viele andere kleinere und größere Holzbauprojekte umgesetzt. Auf besonderes Medienecho stieß der Waldlehrraum in Hittisau, den die HTL-Schüler 2020 unter Federführung von Arnold Schmid errichtet haben. Dieses besondere Engagement des Frastanzers wurde heuer denn auch vom Bildungsministerium mit einem „Teachers Award” für besondere Leistungen gewürdigt.

Aktuell brütet der umtriebige Lehrer viele Stunden über den Plänen für eine Brücke über die Samina. Die soll vor allem für die Schulkinder und die Besucher von Veranstaltungen im Adalbert-Welte-Saal den Weg ins Frastanzer Ortszentrum verkürzen und sicherer machen. „Dieses Projekt ist für uns an der Grenze des Machbaren”, ist sich Arnold Schmid bewusst. Denn was anfangs als einfache Holzkonstruktion gedacht war, soll nun auch langfristig allen Anforderungen des Hochwasserschutzes gewachsen sein und sogar die Last eines kleinen Traktors tragen können. „Die Statik hat sich dadurch gewaltig verändert”, berichtet der Lehrer. Arnold Schmid freut sich schon sehr auf die Umsetzung mit seinen Schülern. Nach den Weihnachtsferien werden in der HTL-Werkstätte die Balken zugeschnitten und die ersten Bohrungen getätigt.

Die Brücke muss schließlich spätestens im Herbst 2022 für den Fuß- und Radverkehr freigegeben sein. Denn zu diesem Zeitpunkt startet das Land Vor­arlberg mit der Sanierung der Saminabrücke an der L 67. Dann wird der motorisierte Verkehr im Zentrum großräumig umgeleitet, zu Fuß und mit dem Fahrrad sollen die Frastanzer über die neue Brücke aber trotzdem rasch überallhin gelangen. „Eine Firma würde die Bauarbeiten in einem Monat erledigen”, ist sich Arnold Schmid bewusst. Er kann aber nur die Schüler der 2. und der 3. Klasse für maximal zwei Tage in der Woche einteilen. Und die machen viele Arbeitsschritte zum ersten Mal. „Doch so ein großes und konkretes Projekt ist eine unheimliche Motivation für die Jugendlichen”, hat Arnold Schmid während seiner Lehrtätigkeit schon oft genug beobachtet. Er findet es jedes Mal wieder spannend, wenn der Funke der Begeisterung überspringt, ein Team zusammen- und über sich hinauswächst und gemeinsam Großes leistet. 

Sobald die Brücke fertig ist, steht schon das nächste Bauvorhaben an: „Wir wollen direkt vor unserer Schule einen Außenraum realisieren, der für Projekte und für kleine Gruppen zum Lernen genutzt werden kann”, erklärt Arnold Schmid. Der Planungswettbewerb unter den Schülern ist bereits abgeschlossen. „Da sind super Entwürfe dabei”, freut sich der umtriebige Werkstatt-Leiter über die Kreativität seiner Schüler. Nun geht es um die Detail-Planungen. 

Auch dieses Projekt möchte Arnold Schmid unbedingt noch bis zur Fertigstellung begleiten. Im Herbst 2023 zieht er sich dann in den Ruhestand zurück. Obwohl er diesen Tag nicht unbedingt herbeisehnt, freut sich Arnold Schmid auf die Pensionierung. Dann hat er nämlich Zeit, sich voll und ganz seiner Kunst zu widmen. Ideen hat der Frastanzer schließlich genügend. Von mehrere Meter hohen Figuren bis zum einfachen Fingerring aus Stein realisiert er seine Vorhaben immer mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl. Sein Vorbild ist der Wolfurter Künstler Herbert Albrecht, der noch im Alter von 90 Jahren bildhauerisch tätig war. Seine Leidenschaft fürs Lehren will Arnold Schmid nach der Pensionierung aber ebenfalls weiter ausleben. „Ich könnte mir vorstellen, dass ich dann Kurse gebe – irgendwo an einem schönen Platz in der Natur.”